Pokémon Go, Minecraft & Co Test

Von 50 beliebten Smartphone-Spielen ist keines unbe­denk­lich: „Kostenlose“ können sehr teuer werden, oft hapert es am Daten- und am Kinder­schutz.

Menschen spielen gern: Millionen Jungen und Mädchen – und sogar noch mehr Erwachsene lassen auf ihrem Smartphone zum Beispiel bunte Ballons nach Farben sortiert zerplatzen oder bestehen am Tablet epische Abenteuer mit Schwertkämpfen und Rätseln. Manche tauchen nur kurz in virtuelle Welten ab, andere verbringen Stunden darin.

Für Anbieter ist der Spaß ein einträgliches Geschäft. Im Jahr 2016 brachten Spiele-Apps in Deutsch­land fast 410 Millionen Euro Umsatz. Nur 17 Millionen davon, also weniger als ein Zwanzigstel, stammen aus dem Verkauf. Den großen Rest verdienen die Anbieter später, vor allem mit Käufen der Nutzer während des Spiels. Selbst anfangs kostenlose Apps können schnell ins Geld gehen.

Gemein­sam mit Jugendschutz.net, dem Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für Jugend­schutz im Internet, haben wir Apps für Smartphones und Tablets untersucht. Wir prüften nicht den Spielspaß – den können Nutzer für sich selbst beur­teilen. Wir prüften auf Kinder­schutz und Verbraucherfallen – die auch für Erwachsene, denn sie geben wohl am meisten für die Apps aus. Nach den jüngsten Zahlen des Bundes­verbands Inter­aktive Unterhaltungs­software sind drei Viertel aller Digital-Spieler 20 Jahre alt und älter. Ein Viertel ist sogar mindestens 50.

Kinder gefährdet, Eltern gedrängelt

Ausgewählt haben wir 50 beliebte und besonders umsatz­starke Apps, die für Kinder freigegeben sind. Was wir in unserer sechs­wöchigen Test­phase gefunden haben, ernüchtert und alarmiert. 19 Apps schützen Kinder zu wenig vor Mobbing und unan­gemessener Kontakt­aufnahme durch Fremde. 19 Apps nerven mit Werbung, die sich ohne klare Kenn­zeichnung mit dem Spiel vermischt. Viele verleiten oder drängen zum Geld­ausgeben; zwei­stel­lige Euro­beträge sind schnell weg. Oft sind die Preise nicht trans­parent, so kann der Über­blick über die Kosten verloren gehen. Nur bei vier Apps halten wir Daten­schutz und Geschäfts­bedingungen für angemessen. Zwei Apps senden unver­schlüsselt persönliche Daten, die meisten über­tragen Informationen, die fürs Spiel nicht erforderlich sind.

Unsere Bildergalerie zeigt, wie die Spiele-Anbieter Kinder anzu­locken versuchen.

Pokémon Go, Minecraft & Co Test

Verführung. Gardens­capes und viele andere Apps belohnen Spieler, die sich mit Facebook verbinden. Das verleitet Kinder zum Schummeln: Facebook akzeptiert Nutzer erst ab 13.

Pokémon Go, Minecraft & Co Test

Teure Geschenke. Wie bei Candy Crush Saga verdienen die meisten anfangs kostenlosen Apps Geld damit, während des Spiels virtuelle Ressourcen zu verkaufen.

Pokémon Go, Minecraft & Co Test

Intrans­parent. In Clash of Clans können Spieler Juwelen kaufen und diese dann in Spiel­gold umtauschen. Die doppelten Wechsel­kurse verwirren.

Pokémon Go, Minecraft & Co Test

Katastrophe. Fehlt dem Bürgermeister in SimCity BuildIt Geld, versinkt die Stadt im Chaos. Mit bis zu 99,99 Euro pro Paket können Nutzer Spielgeld kaufen und die Lage bereinigen.

Pokémon Go, Minecraft & Co Test

Werbung. Hay Day schreibt Bonus­punkte gut, wenn Spieler Film­chen starten. Dass es Werbung für andere Apps ist, erfahren sie erst beim Anschauen.

Kostenlos nur für Leidens­fähige

Geldfallen sind zahlreiche Apps, die Anbieter als „Free to Play“, also kostenlos, bewerben. Der Trick: Viele sind so programmiert, dass Spieler zunächst in kurzer Zeit große Fort­schritte erzielen, dann aber ohne zusätzliches virtuelles Geld oder neue Rohstoffe zeit­weise stagnieren. Die Spieler können abwarten und leiden – oder die Ressourcen für harte Euro im App- oder Play Store erwerben und voran­kommen.

Ein Beispiel: Bei SimCity gilt es, eine Stadt aufzubauen und zu verwalten. Ist das Start­guthaben verbraucht, rebellieren Bürger, Wohn­blöcke brennen nieder. Mit frischem SimCash können Spieler rettend eingreifen. Das bekommen sie sofort, aber nur für echtes Geld.

Hat der Spieler keine Sicher­heits­maßnahmen getroffen, belasten solche sogenannten In-App-Käufe Kreditkarte oder Konto mitunter schon per Fingertipp. Sein Smartphone an ein Kind zum Spielen zu verleihen, kann dann teuer werden. Der höchste Kauf­preis in SimCity liegt bei knapp 100 Euro. Ein Pass­wort­schutz für In-App-Käufe senkt das Risiko erheblich (Unser Rat).

Hat ein Kind unabsicht­lich oder unerlaubt gekauft, sollten die Eltern das Geld zurück­fordern. Nach der Erfahrung der Verbraucherzentralen zeigen sich viele Anbieter bei Beschwerden kulant. Das könnte auch daran liegen, dass der Staats­vertrag zum Jugend­medien­schutz es untersagt, Kinder mit Kaufappellen zum Geld­ausgeben zu drängen. Viele Spiele machen genau das. Game of War – Fire Age etwa lockt: „Hol dir 1 Gold von Angeboten, bevor es zu spät ist, um diese zeitlich begrenzte Belohnung frei­zuschalten! Kaufen!“ In diesem Spiel und zwei weiteren kosten Käufe im Extremfall bis zu knapp 350 Euro.

Das Geschäft Ressourcen gegen Reklame ist bei Spieleanbietern im Trend: Wenn Spieler in der App Werbe­videos ansehen, werden sie dafür etwa mit Spielgeld oder zusätzlicher Energie belohnt. Die Masse der Apps enthielt weder drastische Gewalt noch sexualisierte oder rassendiskriminierende Inhalte. Nicht für Kinder geeignet sind, wie wir finden, Huuuge Casino und Slot­park. Sie simulieren Glücks­spiele für Erwachsene. Spieler können Chips mit echtem Geld kaufen, bekommen Gewinne aber nicht ausgezahlt. In Castle Clash für Android sahen wir Werbung mit „nackten Tatsachen“ für ein Dating-Portal.

Facebook erst ab 13 Jahren

Im Test belohnten es 24 Apps, wenn sich Spieler mit Facebook-Zugangs­daten anmeldeten. Das Netz­werk erfährt danach, was seine Nutzer spielen und wie oft. Das geht für Erwachsene vielleicht in Ordnung, für Kinder nicht. Facebook schließt in seinen Bedingungen Nutzer unter 13 Jahren aus; die Apps verleiten Jüngere, sich mit einer falschen Alters­angabe dennoch anzu­melden.

Für die Sicherheit von Kindern kann auch eine integrierte Chat­funk­tion problematisch sein. Die Text­fenster, über die sich online verbundene Spieler anonym austauschen können, sind ein Einfalls­tor für kriminelle Erwachsene oder Mobber. In 25 Apps fanden wir einen Chat. Keine sorgt für ein angemessenes Schutz­niveau, etwa mit einer Moderation.

Apps senden welt­weit

Nur 8 der 50 Apps unterliegen dem recht strengen deutschen Recht beim Daten­schutz. Die meisten sammeln Daten der Spieler, oft auch solche, die für das Spiel nicht notwendig sind, wie Mobil­funkanbieter oder Geräte-Identifikation. Etliche Apps kontaktieren gleich beim Spiel­start mehrere Werbenetz­werke.

27 der 50 Apps senden Daten, mit denen Smartphones und Nutzer mit über­schaubarem Aufwand identifiziert werden können, mitunter sogar Stand­ort und Alter des Spielers. Clash of Kings ist eine von vielen Apps, die Daten gleich beim ersten Spiel­start senden. In der Android-Version hat sie gleich 87 Kontakte mit 13 Internet­servern, kaum weniger sind es in der iOS-Version. Daten­sammler können so ein ziemlich genaues Bild der Spieler errechnen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 52 Nutzer finden das hilfreich.