Wenn Flex­strom nicht mehr liefern sollte

Falls Flex­strom nicht mehr liefern kann und die Strom­versorgung einstellt, greift die so genannte Ersatz­versorgung. Betroffene Kunden erhalten dann eine Mitteilung des Grund­versorgers, dass nun er den Strom liefern werde. In der Regel über­nimmt dies das Unternehmen mit den meisten Anschlüssen in der Region des jeweiligen Kunden. Die Lieferung erfolgt zu den eigenen Preisen des Unter­nehmens, die im Regelfall deutlich höher sind. Die Betroffenen haben in so einem Fall aber die Möglich­keit, sich einen anderen, billigeren Anbieter zu wählen oder beim Grund­versorger in einen preisgüns­tigeren Tarif zu wechseln. Wer das versäumt, rutscht spätestens nach drei Monaten auto­matisch von der Ersatz­versorgung in die Grund­versorgung desselben Unter­nehmens, ebenfalls meist zu den deutlich höheren Preisen. Dann können die Betroffenen jeder­zeit mit zwei Wochen Frist kündigen.

Kündigung nicht vergessen

Betroffene müssen in dem Fall auch ihr Vertrags­verhältnis mit Flex­strom kündigen. Wenn Flex­strom nicht mehr liefert, haben sie ein Sonderkündigungs­recht aus wichtigem Grund nach Paragraf 314 Bürgerliches Gesetz­buch, erklärt die Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen. Die Kunden brauchen dabei keine Kündigungs­frist einzuhalten. Ähnlich lief es bei der bisher größten Pleite am Strommarkt, als Teldafax im Jahr 2011 Insolvenz anmeldete. Zwar könne es passieren, dass der Insolvenz­verwalter eine Sonderkündigung der Kunden ablehnt, erklärt Dr. Thorsten Kasper, Energierechts­experte beim Verbraucherzentrale Bundes­verband. „Aber mir ist kein Fall bekannt, in dem damals der Teldafax-Insolvenz­verwalter einem Kunden hinterherlief, der das Sonderkündigungs­recht genutzt hatte“.

Billig-Strom und Pleite-Risiko

Mit der Insolvenz ist Flex­strom offen­bar einem Verbot der Bundes­netz­agentur zuvorgekommen. Die Aufsichts­behörde hatte dem Unternehmen verbieten wollen, von Neukunden Voraus­kasse zu nehmen. Im Januar 2013 hatte sie ein Verfahren gegen Flex­strom zur Einstellung der Geschäfts­tätig­keit einge­leitet. Das Unternehmen zahlte die EEG-Umlage nicht mehr. Der Agentur lagen Beschwerden von Flex­strom-Geschäfts­part­nern wegen Zahlungs­rück­ständen vor, dazu gab es zahlreiche Pressebe­richte – auch auf test.de, in test und Finanztest – über Kunden­beschwerden wegen ausstehender Bonuszah­lungen. Auf Kritik, die Behörde habe zu spät und erst nach Erscheinen dieser Pressebe­richte auf die Situation bei Flex­strom reagiert, erklärte Sprecherin Renate Hichert gegen­über test.de: „Für ein Vorgehen sind belast­bare Nach­weise nötig. Zu früh gegen ein Unternehmen vorzugehen, kann auch zum Bumerang werden.“

Keine guten Aussichten für Kunden

Flex­strom bietet Tarife an, bei denen Kunden ein Jahr im Voraus zahlen. Grund­sätzlich gilt: Wer Strom billig gegen Vorkasse bezieht, muss bei einer Firmenpleite damit rechnen, dass das Geld weg ist und keine Gegen­leistung erfolgt. Ähnlich war es bei Teldafax. Hundert­tausende Kunden bekamen nach der Insolvenz des Anbieters für ihre bereits geleisteten Voraus­zahlungen keine Gegenleistung. Zwar bleibt Flex­strom-Kunden die Möglich­keit, gericht­lich gegen das Unternehmen vorzugehen. Doch die Erfolgs­aussichten sind gering. Die Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen bietet ausführliche Informationen zur Flexstrom-Pleite und Tipps, wie sich Betroffene jetzt am besten verhalten.

Vorsicht bei Tarifen mit Vorkasse

Die Stiftung Warentest warnt schon lange vor Tarifen mit Vorkasse. Hier tragen die Kunden das Risiko, bei einer Insolvenz des Anbieters finanziell im Regen zu stehen. Auch die Bundes­netz­agentur empfiehlt laut Presse­sprecher Rudolf Boll, „wegen des Insolvenzrisikos den Abschluss eines Tarifs mit Vorkasse genau zu über­legen“.

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