Platten­spieler von Norma Schnelltest

Norma verkauft seit Mitt­woch einen Platten­spieler. Mit externem USB-Adapter zum Digitalisieren von Schall­platten. Preis: 89,99 Euro. Das passende Gerät, um endlich die alten Platten auf den PC zu bringen? Der Schnell­test klärt auf.

Schall­platten auf den PC

I Can’t Get No Satisfaction: Die alten Platten stehen seit Jahr­zehnten im Schrank. Schöner und gepflegter als jede CD. Viele Schätze sind dabei. Die wollten Sie immer mal auf den PC retten? Norma bietet jetzt die Gelegenheit: Ein Platten­spieler mit USB-Adapter und Software zum Digitalisieren. Für 90 Euro. Klingt günstig. Die Plattenfreunde der Stiftung Warentest haben zuge­schlagen.

Platten­spieler wirkt billig

Beim Auspacken die erste Ernüchterung. Der Platten­spieler von Norma ist nicht nur billig, er wirkt auch so. Kunststoff soweit das Auge reicht. Einfach und billig. Vor allem der Tonarm wirkt so fipsig wie beim ersten Platten­spieler aus frühen Jugend­tagen. Kein Stroboskop zum Feint­uning der Geschwindig­keit, keine Tonhöhen­einstellung. Das Tonabnehmer­system ist fest installiert. Es lässt sich nicht wechseln. Die Auflagekraft ist fest einge­stellt. Kein gutes Werk­zeug zum Abspielen edler Platten.

Tonqualität passabel

Der Höreindruck ist dann aber positiv. Die Wieder­gabe noch gut. Nur bei leisen Passagen rumpelt der Ton. Die Bedienung ist einfach. Die meisten Funk­tionen lassen sich bei geschlossener Abdeck­haube auch von außen steuern. Beim Absenken des Tonarms ist der Lift leicht gedämpft. Auch das ist positiv. Plus­punkt für den Platten­spieler von Norma: Er hat einen Entzerr-Vorverstärker. Das Gerät funk­tioniert also an jedem Audio-Eingang. Einen spezieller Phono-Eingang am Verstärker braucht es nicht.

Audio­interface ohne Tadel

Der mitgelieferte USB-Adapter ist passabel. Er verbindet den Platten­spieler mit dem Computer und dient als AD-Wandler für Aufnahmen (Audio­interface). Der Audio­eingang ist für Platten­spieler mit Magnetsystem und für Geräte mit Line-Pegel wie Kassetten­decks nutz­bar. Die Eingangs­empfindlich­keit lässt sich regeln. Eine Über­steuerung des Eingangs zeigt das Gerät optisch an: die grüne Betriebs­anzeige wird rot.

Abstimmung mit Wind­ows Vista

Die Tonqualität des USB-Audio­interface ist gut. Bei Wind­ows Vista oder Wind­ows 7 hängt sie aber sehr von der Eingangs­empfindlich­keit ab, die im Betriebs­system einge­stellt ist. Wer guten Ton wünscht, muss den internen Mixer des Betriebs­systems sorgfältig auf den USB-Adapter abstimmen.

Die Software ist kompliziert

Norma liefert USB-Adapter und Platten­spieler mit der Software Audacity für Mac und PC. Die Installation der Software dauert nur eine Minute. Das Programm ist Free­ware und steht im Netz auch kostenlos bereit. Audacity ist ein kompliziertes Programm, das es Laien nicht einfach macht. Die Ausstattung des Programms ist gut, die Hand­habung aber nur mittel­mäßig. Für die Digitalisierung einer großen Platten­samm­lung ist Audacity weniger geeignet. Das Programm frisst Zeit und Nerven.

Nur mit Geduld

Geduld ist beim Digitalisieren von Schall­platten aber auch mit guter Software gefragt: Anders als bei CDs funk­tioniert die Umwandlung von Schall­platten nur in Echt­zeit: Eine LP mit 40 Minuten läuft auch bei der Umwandlung 40 Minuten. Time is on my Side. Wer Schall­platten digitalisiert, hat ein neues Hobby. Vielleicht aber auch neue Befriedigung.

Test­kommentar: Weder Schnäppchen noch Fehlkauf
Produkt­beschreibung: Dual Plattenspieler mit Audiointerface
Test: Musik digitalisieren

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