Plastikgeld Meldung

Immer öfter spionieren Betrüger die Daten fremder Kreditkarten aus und kaufen damit ein. Die Folge: Völlig überraschte Karteninhaber erhalten vermehrt Kontrollanrufe ihrer Bank. Der Schreck sitzt dann erst einmal tief.

Es wurde eine unruhige Nacht für Ilona Kurz, nachdem sie spätabends ihren Anrufbeantworter abgehört hatte: „Ihre Kreditkarte wurde gesperrt, weil es Unstimmigkeiten gab. Bitte rufen Sie dringend zurück“, hatte ein Mitarbeiter von Visa aufs Band gesprochen. Sie rief sofort an, doch erst am nächsten Tag war der zuständige Kollege erreichbar. Jemand hatte mit ihren Kreditkartendaten bei einem Elektronikversand bestellt. Vorsichtshalber hatte Visa die Abbuchung abgelehnt.

Datendiebstähle wirken sich aus

Solche Kontrollanrufe häufen sich – kein Wunder nach den vielen Skandalen um Datendiebstähle. Zuletzt forderte die KarstadtQuelle Bank Kunden auf, ihre Kreditkarten umzutauschen. Das interne Warnsystem hatte gemeldet, dass Betrüger an die Kartendaten gelangt sein könnten. Ähnlich ging es auch Kunden anderer Banken.

Hintergrund ist, dass die Kartenfirmen alle Zahlungen durch eine ausgefeilte Software laufen lassen, die verschiedene Sicherheitsparameter anlegt. Bei ungewöhnlichen Vorgängen schlägt sie Alarm. Um sicherzugehen, versuchen Kartenfirma oder Bank dann, den Kunden telefonisch zu erreichen. Solange er nicht sein Okay gibt, wird die Zahlung blockiert. So berichtet ein test-Leser, dass kurz nachdem er im Internet etwas bestellt hatte, das Telefon klingelte. „Waren es wirklich Sie, der die Zahlung beauftragt hat?“, fragte ein Bank-Mitarbeiter. Er war es, und damit war alles okay.

Gar nicht okay fand es hingegen ein anderer Leser, dass seine Karte während des Urlaubs in Neuseeland plötzlich nicht mehr funktionierte. „Weil es Missbrauchsfälle gab, mussten wir mehrere Karten mit ähnlicher Nummernfolge sperren“, wurde ihm an der Hotline erklärt. Da half es wenig, dass die Ersatzkarte bereits unterwegs war: Sie ging natürlich an die deutsche Adresse.

Peinlich wird es, wenn das im Geschäft oder Restaurant passiert. Wenn der Kellner die Karte zurückweist mit der spitzen Bemerkung: „Zahlung verweigert, die Karte streikt“, steht der Kunde da, als sei sein Konto nicht gedeckt. Doch in Wahrheit ist meist nicht der Kunde das Problem, sondern der Händler. Die Zahlung wird nicht wegen mangelnder Bonität verweigert, vielmehr verlangt die Autorisierungszentrale nur eine Legitimationsprüfung. Das Terminal zeigt dann die elektronische Rückmeldung „Manuelle Autorisierung erforderlich“.

Ausweiskontrolle vor Ort hilft

Dieses „Call me“-Verfahren heißt, dass der Händler den Kunden nach seinem Ausweis oder Führerschein fragen soll, um sicherzugehen, dass der rechtmäßige Karteninhaber vor ihm steht. Diese Daten gibt er der Autorisierungszentrale durch. Deren Rückrufnummer wird oft sogar im Display angezeigt. Viele Händler kennen das Verfahren aber nicht oder finden es zu umständlich und fragen den Kunden lieber nach Bargeld. Dabei sind sie verpflichtet, die Zentrale anzurufen. Die gibt dann die Zahlung frei. Blockiert ist nur diese eine Zahlung, die Karte ist nicht gesperrt und kann danach normal weitergenutzt werden. Weigert der Händler sich, reicht es oft schon, ihm die Sache zu erklären.

Tipp: Für Notfälle bieten einige Banken eine Notfallnummer an, die der Kunde anrufen kann. „Da führen wir einen Identitäts-Check durch, indem wir nach persönlichen Daten fragen, die er beim Beantragen der Karte angegeben hat“, berichtet Rudolf Knechtl von der Sparkasse Nürnberg.

Was genau den Alarm auslöst, verraten die Anbieter nicht. „Wir informieren die Kunden bei der Monatsabrechnung, dass es Rückfragen geben kann“, sagt Pressesprecherin Christiane Lorch von der Deutschen Bank – mehr nicht.

London, eine Stunde später Moskau

Klar, manche Händler fallen öfter auf, berichtet Martin Haible von der Baden-Württembergischen Bank. Und natürlich läutet der Alarm, wenn eine Karte erst in London und schon eine Stunde später in Moskau eingesetzt wird: Da können nur Überschalltempo oder aber Betrüger mit illegal kopierten Karten am Werk sein. Für die Kunden ist es kaum möglich, ungewöhnliche Verhaltensweisen zu vermeiden. Denn dass jemand die Kreditkarte eher selten nutzt, dann aber im Urlaub laufend, oder dass er den neuen PC mangels Bargeld mit Karte zahlt: Gerade für solche Fälle schleppen viele das „Plastikgeld“ ja ständig mit sich.

Wann die Bank zurückbuchen muss

Banken und Kartenfirmen haben es daher schwer, Betrugsversuche klar zu erkennen. „Was auffällig ist und was nicht, das ist eine schwierige Gratwanderung“, erklärt Margit Schneider von Euro-Kartensysteme. Der Kunde solle seine Karte im Alltag ja schließlich problemlos nutzen können.

Für Interneteinkäufe bieten viele Banken einen zusätzlichen Schutz: 3D Secure. Dabei registriert sich der Kunde bei der Bank und bekommt ein Passwort. Bezahlt er bei einem Onlineshop, der am System teilnimmt, muss er dort auf der Internetseite das Passwort eingeben. Das Verfahren läuft auch als „Verified by Visa“, bei MasterCard als „SecureCode“. Doch es hilft eher den Banken als den Kunden. Denn die haften bei Datendiebstahl sowieso nicht. Wenn Gauner beim Einkauf nur die Kartendaten angeben, ist die Zahlung nicht rechtsgültig. Hat der Kunde nicht persönlich den Einkaufsbeleg unterzeichnet oder – bei 3D Secure – nicht sein Passwort eingegeben, muss die Bank das Geld zurückbuchen.

Tipp: Kontrollieren Sie daher aufmerksam die Mo­natsabrechnungen und widersprechen Sie bei Unklarheiten der Abbuchung.

Haftung bei Verlust

Anders kann es sein, wenn die Karte ver­loren oder gestohlen wurde. Zwar haftet der Kunde nicht, sobald er den Verlust meldet. Daran ändern auch die neuen Geschäftsbe­dingungen der Banken nichts, die seit 31. Oktober gelten. An Schäden in der Zeit davor aber wird er nun – das ist neu – mit maximal 150 Euro beteiligt, bisher waren es nur 50 Euro. Einige Banken bleiben beim bisherigen Betrag. Teuer wird es aber, wenn die Karte weg ist und der Kunde seine Sorgfaltspflichten verletzt hat, etwa Karte und Geheimzahl gemeinsam aufbewahrt oder die Karte im Auto gelassen hat. Dann muss er für Schäden eventuell voll einstehen.

Wer also einen Kontrollanruf erhält, sollte erst einmal nachsehen, ob die Karte noch da ist. Wenn ja, gibt es keinen Grund für eine unruhige Nacht.

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