Interview: Glück allein reicht nicht

Wer sich mit seinen Misserfolgen auseinandersetzt, kann bei einem Planspiel viel lernen. Warum das so ist, erklärt Dietrich Dörner, Professor für Psychologie im Ruhestand an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Was kann ein Spieler bei einem Planspiel lernen?

Der Vorteil des Planspiels liegt darin, dass man auf die Dauer nicht mit Glück allein weiterkommt. Wer nur seine vordergründigen Ziele verfolgt, scheitert fast immer. Erst wenn der Spieler sich auch mit den Folge- oder Nebenwirkungen auseinandersetzt, ist er erfolgreich.

Was erfährt er noch?

Viele Menschen entscheiden intuitiv. Das kann in vielen Situationen richtig sein. Planspiele zeigen, dass dieselbe Entscheidung unter geänderten Bedingungen falsch ist. Der Spieler begreift also: Verlasse dich bei wichtigen Entscheidungen nicht auf deine Intuition, sondern überprüfe sie auf jeden Fall!

Planspiele werden überwiegend als Gruppenspiele in Unternehmen oder Universitäten gespielt und dort von einem Betreuer gelenkt. Wie profitiert ein Individualspieler zuhause am PC optimal von einem solchen Spiel?

Wenn ein Lehrer oder Trainer fehlt, ist es umso wichtiger, dass der einzelne Spieler den Spielverlauf und seine Misserfolge analysiert. Denn nur wer sich mit seinen Misserfolgen auseinandersetzt, kommt weiter. Das ist einfacher, wenn zum Beispiel ein Freund oder Kollege beim Spiel zusieht und anschließend auch bei der Analyse hilft. Der Rat, sich mit seinen Misserfolgen auseinanderzusetzen, ist leicht gegeben, aber schwer zu befolgen. Denn das mögen Menschen gar nicht.

Sind für Privatspieler zu Hause nur Spiele aus der eigenen Branche sinnvoll? Also ein Logistikspiel für den Spediteur oder ein Restaurantspiel für den Gastronomen?

Nein, denn zumindest bei den Spielen, in denen das strategische Denken im Vordergrund steht, geht es um generelle Erkenntnisse. Da ist es unerheblich, ob es sich um eine militärische, politische oder wirtschaftliche Situation handelt. Das Spiel aus der eigenen Branche kann sogar schädlich sein. Es verhindert, dass der Spieler allgemeine Erkenntnisse über den eigenen Handlungsstil und die eigenen Fehlertendenzen gewinnt. Man sollte beim Planspiel die „Passung“ erzwingen. Das heißt, den Spieler dazu zu bringen, selbst zu beurteilen, welche der im Spiel gemachten Erfahrungen er auf seine Realität übertragen kann.

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