Für Sonnenstrom aus Anlagen, die neu ans Netz gehen, gibt es jetzt viel weniger Geld. Dennoch lohnt sich die Sache für Hausbesitzer.

Photovoltaik Special

Neue Solaranlage auf dem Dach: Timo, Claudia, Mirco und Alina Lambrecht (v. l.) verbrauchen ein Drittel ihres Solarstroms selbst.

Für Sonnenstrom aus Anlagen, die neu ans Netz gehen, gibt es jetzt viel weniger Geld. Dennoch lohnt sich die Sache für Hausbesitzer.

Mirco Lambrecht schaut jeden Tag auf den Zähler seiner neuen Solarstromanlage. Zum Beispiel am 10. Juli: Da war die Sonne häufig von Wolken verdeckt und trotzdem kamen 29 Kilowattstunden zusammen.

Der Stromertrag dieses Julitages reicht, um für drei Tage den Verbrauch einer durchschnittlichen vierköpfigen Familie in Deutschland zu decken. Die Bedingungen des Einfamilienhauses im niedersächsischen Bienenbüttel sind fast ideal: Das Dach zeigt nach Südwesten und die Neigung beträgt 45 Grad.

Seit Juni dieses Jahres produziert die Anlage Sonnenstrom, der größte Teil fließt ins öffentliche Netz. Die Kürzung der Einspeisevergütung um mehr als 20 Prozent schlägt voll auf Lambrechts Stromgeld durch. Der Gesetzgeber hat sie nach der Einigung von Bund und Ländern im Vermittlungsausschuss Ende Juni beschlossen und rückwirkend zum 1. April in Kraft gesetzt.

Für jede Kilowattstunde, die Lambrecht ins Netz einspeist, bekommt er nun 19,11 Cent. Diesen Strompreis garantiert ihm der örtliche Netzbetreiber mehr als 20 Jahre lang bis Ende 2032. Das ist die festgelegte Vergütung für Anlagen mit bis zu 10 Kilowatt Spitzenleistung, wie sie für viele Ein- und Zweifamilienhäuser typisch sind. Lambrechts neue Anlage hat eine Spitzenleistung von 7,8 Kilowatt.

Hätte der 44-Jährige seine Anlage zwischen Januar und 31. März dieses Jahres in Betrieb genommen, müsste ihm der Netzbetreiber sogar 24,43 Cent pro Kilowattstunde zahlen.

Seit 1. April sinkt die Vergütung Monat für Monat für die neu ans Netz gehenden Anlagen um 1 Prozent. Gehen Hauseigentümer mit ihrer Anlage im August dieses Jahres ans Netz, erhalten sie mehr als 20 Jahre lang für jede Kilowattstunde 18,73 Cent. Für Anlagen, die ab September Strom einspeisen, zahlt der Versorger nur noch 18,54 Cent.

Wie stark die Vergütung ab November sinkt, entscheidet die Bundesnetzagentur kurz vorher.

Viel Sonnenstrom selbst nutzen

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Nach der neuen Regelung gibt es kein Geld mehr für selbstverbrauchten Strom. Auch das trifft Familie Lambrecht.

Dennoch lohnt es sich, dass die Familie so viel Sonnenstrom wie möglich selbst nutzt. Denn sonst müsste sie diesen Strom ja kaufen – eine Kilowattstunde Strom kostet rund 24 Cent. Für den Verkauf der Kilowattstunde an den Stromversorger bekäme die Familie nur 19 Cent.

Der Zollbeamte kalkuliert, dass die Familie vom gesamten Stromertrag etwa 30 Prozent selber verbraucht. Das ist viel, da sich Sonnenstrom zuhause schlecht speichern lässt. Aber seine Frau und seine beiden Kinder sind am frühen Nachmittag zuhause. Sie stellen Waschmaschine, Geschirrspüler und Computer bereits tagsüber an und nutzen so den frischerzeugten Solarstrom.

Rendite hängt vom Anlagenpreis ab

Ob sich eine Solaranlage lohnt, zeigt die Rendite. Die hat Lambrecht sich für die nächsten 20 Jahre ausgerechnet, so lange gibt es die garantierte Einspeisevergütung.

Der Niedersachse stellt fest, dass er für seine Investition eine jährliche Rendite von 3,08 Prozent nach Steuern bekommt, wenn er in den 20 Jahren 30 Prozent Steuern zahlt.

Die Rendite hängt von vielem ab: vom Preis der Anlage, von den Kreditzinsen, davon, wie häufig und stark die Sonne scheint und von der Qualität der Solarmodule. Die Sonneneinstrahlung hat Lambrecht sehr zurückhaltend kalkuliert: 734 Kilowattstunden erbringt nach seiner Rechnung jedes Kilowatt Spitzenleistung der Anlage im Jahr. Dieser Wert liegt am unteren Ende dessen, was möglich ist. Wahrscheinlich werden Stromernte und Rendite besser ausfallen. Erzielt er einen Ertrag von 900 kWh pro Kilowatt Spitzenleistung, steigt die Nachsteuerrendite auf 5,4 Prozent.

Die Module samt Wechselrichter, Zähler und Montage hat Lambrecht für 13 475 Euro bekommen – ohne Mehrwertsteuer. Zuvor hat er drei Angebote von Firmen eingeholt und sich auf der Internetseite www.photo‧voltaikforum.com schlaugemacht, was andere Bauherren kürzlich für eine Solaranlage bezahlt haben. Sein Anlagenpreis beträgt 1 729 Euro pro Kilowatt Spitzenleistung. Das ist ziemlich preiswert. Der Vergleich lohnt sich. „Wir stellen für Solarmodule Preisunterschiede bis zu 30 Prozent fest“, sagt Bernd Schüßler von der Zeitschrift Photon.

Günstiger KfW-Kredit für Solaranlage

Seine neue Solaranlage finanziert Lambrecht mit einem günstigen Darlehen der staatlichen Förderbank KfW zu einem Zinssatz von 2,6 Prozent. Vermittelt hat es die SWK Bank. Die Laufzeit des Darlehens beträgt zehn Jahre. „Danach mache ich Gewinn mit meiner Anlage“, sagt Lambrecht.

Um viele Steuervergünstigungen nutzen zu können, hat sich Lambrecht beim Finanzamt als Unternehmer angemeldet. Er kann sich die Mehrwertsteuer, die er für seine Anlage bezahlt hat, sofort vom Finanzamt zurückholen. Im Jahr der Anschaffung erkennt das Finanzamt eine Sonderabschreibung bis zu 20 Prozent der Anschaffungskosten an. Die restlichen Anschaffungskosten schreibt Lambrecht jährlich mit 5 Prozent ab (siehe „Abrechnung mit dem Finanzamt“).

Lambrecht zahlt nicht nur Zins und Tilgung, sondern legt auch jährlich 39 Euro für Reparaturen zurück. Solarstromanlagen gelten als wartungsarm. Dennoch sollten Anlagebetreiber mit jährlichen Betriebskosten von 1,5 bis 2 Prozent des Anschaffungspreises rechnen. Ausgaben für Reparaturen und Wartung sind ebenso Betriebskosten wie Miete für den Stromzähler, Rücklagen für einen neuen Wechselrichter oder andere Ersatzteile und die Versicherungsbeiträge.

Solaranlagen versichern

Lambrecht hat online eine Fotovoltaikversicherung bei der französischen Gesellschaft Chartis abgeschlossen. Sie kostet im Jahr 71,40 Euro. Damit ist er für Feuer-, Sturm- und Hagelschäden versichert und bei Diebstahl, Vandalismus, Materialfehlern oder Einnahmeausfall.

Auch Schäden, die beim Betreiben der Anlage entstehen, sollten versichert sein. Es braucht nur ein Teil vom Dach zu fallen und jemanden verletzen. Dafür hat Lambrecht seine Privathaftpflichtversicherung bei der Huk24 für 15 Euro im Jahr aufgestockt.

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