Photovoltaik Special

Haus­eigentümer, die ihre Solar­anlage nach dem 31. März 2012 in Betrieb nehmen, bekommen für ihren Strom deutlich weniger Geld als bislang. Der Gesetz­geber hat die Vergütung für Betreiber kleiner Anlagen um rund 20 Prozent gesenkt. test.de erklärt, wann sich neue Anlagen nach den neuen Fördersätzen noch rechnen.

[Update: 03.07.2012]

Der Bundes­tag hat die zuvor im Vermitt­lungs­ausschuss beschlossene Kürzung der Solar­förderung gebil­ligt. Die nun gefundene Einigung mildert die Kürzung der Solar­strom-Förderung in mehreren Punkten ab:

  • Kleine Anlagen. Solar­anlagen-Betreiber können wie bisher auch den kompletten Sonnen­strom zum Satz ihrer Einspeise­vergütung verkaufen. Das gilt für Besitzer kleiner Anlagen bis zehn Kilowatt Leistung. Für alle, die ihre kleine Anlage ab 1. April 2012 in Betrieb genommen haben, zahlt der Netz­betreiber nur noch 19,5 Cent statt bislang 24,43 Cent. Betreiber von Anlagen über zehn und bis 1 000 Kilowatt können künftig nur 90 Prozent zum garan­tierten Vergütungs­satz einspeisen. Die übrigen 10 Prozent müssen sie zu Markt­preisen verkaufen oder selbst verbrauchen.
  • Mitt­lere und große Anlagen. Betreiber von Anlagen mit mehr als 10 kW Leistung erhalten eine gemischte Vergütung. Für erzeugten Strom aus Modulen bis zur Berechnungs­grenze von 10 Kilowatt erhält der Betreiber 19,5 Cent pro kWh. Für Sonnen­strom aus den weiteren Modulen ist die Vergütung bis zu einer Anlagengröße von 40 Kilowatt Leistung auf 18,5 Cent pro Kilowatt­stunde abge­senkt. Diese Förderkategorie für mittel­große Anlagen ist neu. Für Strom­erträge aus dem darüber hinaus­gehenden Teil der Anlage bis 100 Kilowatt Leistung gibt es den geringeren Satz von 16,5 Cent je Kilowatt­stunde.
  • Monatliche Senkung. Zusätzlich zu dieser Absenkung, die rück­wirkend ab 1. April in Kraft tritt, wird die Einspeise­vergütung für neue Anlagen künftig monatlich um ein Prozent abge­senkt. Pro Jahr macht das – Zins­effekte einge­rechnet – ein Minus von 11,4 Prozent aus. Dies gilt allerdings nur, wenn die Gesamt­leistung aller neuen Anlagen zwischen 2 500 und 3 500 Megawatt im Jahr liegt. Liegt sie – wie in den vergangenen Jahren – darüber, sinkt die Vergütung stärker.
    [Ende Update]

[Update: 14.05.2012]

Der Bundes­rat hat die Pläne der Regierung zur Kürzung der Solar­strom-Förderung vor­erst gestoppt und eine gründliche Über­arbeitung gefordert. Die Länderkammer stimmte mit einer Zwei-Drittel-Mehr­heit für die Anrufung des Vermitt­lungs­ausschusses. Nun müssen beide Kammern eine Einigung finden. [Ende Update]

[Update: 28.03.2012]

Die Bundes­tags­fraktionen von CDU/CSU und FDP haben die Kürzungs­pläne für die Solar­strom-Förderung mit Änderungen bestätigt. Stimmt der Gesetz­geber zu, würden Haus­eigentümer, die vor dem 24. Februar 2012 einen Antrag auf Netz­anschluss für ihre Dach­anlage beim Versorger gestellt haben, noch die 24,43 Cent für jede Kilowatt­stunde erhalten. Sie hätten bis zum 30. Juni 2012 Zeit, ihre Module in Betrieb zu nehmen. Zwischen Mai und Oktober dieses Jahres soll die Einspeise­vergütung für alle neuen Anlagen monatlich um ein Prozent gekürzt werden. Ab November richtet sich die monatliche Kürzung dann nach dem Zubau im dritten Quartal. Dies gilt, wenn im Quartal hoch­gerechnet auf ein Jahr insgesamt mehr als 7,5 Gigawatt Spitzen­leistung an neuen Solarmodulen installiert werden. [Ende Update]

[Update: 07.03.2012]

Die angekündigten Kürzungen für Strom aus neuen Solar­anlagen sollen erst am 1. April in Kraft treten. Das hat der Chef der CDU/CSU Bundes­tags­fraktion, Volker Kauder, mitgeteilt. Voraus­sicht­lich am 30. März wird der Deutsche Bundes­tag die Änderung des Erneuer­baren Energien Gesetzes (EEG) beschließen. Danach wird der Bundes­rat frühestens am 11. Mai darüber entscheiden, ob er Einspruch erhebt. Legt die Länderkammer Einspruch ein aber ohne Zwei-Drittel-Mehr­heit, kann ihn der Bundes­tag anschließend mit Regierungs­mehr­heit über­stimmen. [Ende Update]

Nur noch 19,5 Cent je Kilowatt­stunde

Geht es nach den Plänen der Bundesregierung, dann gilt für neue Solar­anlagen, die ab dem 1. April 2012 in Betrieb gehen: Für jede Kilowatt­stunde (kWh) Solar­strom, den Haus­eigentümer ins öffent­liche Netz einspeisen, zahlt der Netz­betreiber nur noch 19,5 Cent statt bislang 24,43 Cent. Das sind die Pläne für Anlagen mit bis zu 10 Kilowatt (kW) Spitzen­leistung, wie sie für viele Ein- und Zweifamilienhäuser typisch sind. Eigenheim­besitzer, die dann eine Anlage mit einer Leistung bis zu 30 kW betreiben, sind nach den Plänen sogar noch schlechter dran. Für sie sollen dann die Regeln für Photovoltaik-Anlagen zwischen 10 und 1 000 kW gelten, wonach es für jede Kilowatt­stunde zukünftig nur noch 16,5 Cent geben soll. Das entspricht einer Kürzung von bis zu 29 Prozent. Hinzu kommt: Ab Mai 2012 soll dann die Vergütung bei neuen Anlagen Monat für Monat um jeweils 0,15 Cent/kWh sinken. Geht die Solar­anlage erst im Januar 2013 ans Netz, gibt es dann nur noch 18,15 Cent für die Kilowatt­stunde.

Tipp: Mit dem aktuellen Solarrechner finden Sie schnell heraus, ob sich eine neu Solar­anlage für Sie lohnt.

Gemischte Vergütung für Anlagen über 10 kW

Betreiber von Anlagen mit mehr als 10 kW Leistung erhalten eine gemischte Vergütung. Für erzeugten Strom aus Modulen bis zur Berechnungs­grenze von 10 Kilowatt erhält der Betreiber 19,5 Cent pro kWh. Für Strom­erträge aus dem darüber hinaus­gehenden Teil der Anlage gibt es den geringeren Satz von 16,5 Cent je Kilowatt­stunde.

Weniger Geld für selbst genutzten Strom

Die bisherige luxuriöse Variante für den selbst genutzten Strom wird abge­schafft. Für selbst genutzten Solar­strom soll es nach den Regierungs­plänen ab 1. April 2012 kein Geld mehr von den Strom­versorgern geben. Die Netz­betreiber sollen dann auch nicht mehr verpflichtet sein, den erzeugten Solar­strom voll­ständig zu vergüten. Haus­besitzern mit einer neuen Solar­anlage bis zu 10 kW bekommen nach den Plänen nur noch 85 Prozent der erzeugten Strommenge vergütet. Für Neuanlagen über 10 kW zahlen Netz­betreiber dann nur noch 90 Prozent der Strommenge.

Tipp: Verbrauchen Sie so viel selbst erzeugten Solar­strom wie möglich. Denn der Preis, den Sie für Ihren Solar­strom aus neuen Anlagen erzielen können, ist in aller Regel nied­riger als Sie für zugekauften Strom bezahlen.

Rendite halbiert – Haus­besitzer müssen rechnen

Mit dieser drastischen Geldkür­zung für Solar­strom erwirt­schaften immer weniger Haus­besitzer vertret­bare Renditen. Das zeigt eine Vergleichs­rechnung, die die Experten von Finanztest aufgemacht haben:

  • Alte Regelung: Angenommen, ein Anlagen­besitzer hatte Anfang 2012 Anschaffungs­kosten von etwa 2 200 Euro pro Kilowatt Leistung, fährt einen Strom­ertrag von 900 kWh pro Kilowatt Leistung im Jahr ein und verbraucht 20 Prozent des Stroms selbst – dann kann er bei Berück­sichtigung aller Kosten der Anlage mit einer Rendite von 6,73 Prozent rechnen.
  • Neue Regelung: Geht der Haubesitzer nach dem 31. März mit seiner Anlage ans Netz, halbiert sich seine Rendite im Musterfall nach den neuen Plänen auf 3,4 Prozent. Sind die Voraus­setzungen ungüns­tiger, zum Beispiel weil die Anlage in der Anschaffung teurer ist oder weniger Strom produziert als erwartet, kann die Rendite noch deutlich dürftiger ausfallen siehe Tabelle. Wer solch eine Anlage groß­teils auf Kredit finanziert, riskiert sogar Verluste.

Tipp: Je preis­werter Ihre Solar­anlage in der Anschaffung, desto höher ist die Rendite. Schauen Sie sich in Ruhe nach güns­tigen Photovoltaik-Anlagen um. Es ist möglich, dass die Anlagen­preise in den nächsten Monaten weiter fallen. Im Zweifel sollten Sie lieber abwarten.

Stichtag: Glühbirne zum Leuchten bringen

Nehmen Haus­eigentümer ihre neue Anlage noch vor dem 1. April in Betrieb, können sie sich die alten Vergütungs­sätze bis zum Jahr 2032 sichern. Dazu ist es nicht erforderlich, dass ihre Anlage vor dem 1. April ans öffent­liche Netz ange­schlossen wird. Entscheidend ist, dass die Anlage noch vor diesem Termin Strom produziert, der außer­halb der Anlage genutzt wird. Dafür reicht es, wenn sie eine ange­schlossene Glühbirne zum Leuchten bringt.

Garantie bleibt

Für alle Strom­erzeuger, die jetzt schon am Netz sind, ändert sich durch die Pläne nichts. Ihre garan­tierten Vergütungs­sätze bleiben bestehen. Die Vergütung ist für das Jahr der Inbetrieb­nahme und für 20 Folge­jahre garan­tiert.

Umfrage und Buch „Photovoltaik“

Photovoltaik Special

Das Team von Finanztest möchte von Strom­produzenten gern erfahren, was ihre Solar­anlage gekostet hat. Finanztest bittet deshalb Anlagen­betreiber, die seit Januar 2011 eine Photovoltaik-Anlage mit einer Spitzen­leistung bis zu 30 Kilowatt installiert haben, um Teil­nahme an der Umfrage. Ausführ­liche Informationen zum Thema „Solar­strom vom Dach“ bietet der Ratgeber „Photovoltaik“ von der Stiftung Warentest. Er liefert das voll­ständige Basiswissen zur Technik und auch Check­listen für alle wichtigen Etappen der Errichtung einer Solar­strom-Anlage.

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