Phosphatfreie Geschirr­spültabs Test

Auch bei Geschirr­spültabs gibt es Ökoprodukte. Sie sind phosphatfrei. Die meisten taugen aber nichts. Nur zwei Ökotabs machen eine Ausnahme und sind gute Spül­hilfen.

Weiße Baumwoll­hand­schuhe, eine schwarze, hell ausgeleuchtete Box und einen wach­samen Blick – das brauchen Prüfer von Geschirr­spül­mitteln. Sie nehmen jedes Glas, jeden Teller und jedes Messer penibel in Augen­schein. Kein Schmutzrest, kein Kalk­schleier, kein Wasser­tropfen entgeht ihnen. An den mehr als 10 000 gespülten Geschirr­teilen dieser Unter­suchung hatten sie vieles auszusetzen. Sie sahen jede Menge blinde Gläser, schil­lernde Bestecke und dreckige Teller.

11 von 17 Geschirr­spültabs fielen beim Test durch, mit einer Ausnahme alles Ökotabs. Nur drei Reiniger zeigten eine gute Qualität: fit Grüne Kraft Classic, OPM Grün und finish Calgonit Powerball Quantum.

Ökotabs ohne belastendes Phosphat

Im Unterschied zu herkömm­lichen Geschirr­spültabs enthalten Bioreiniger kein gewässerbelastendes Phosphat. Meist steht „phosphatfrei“ auch prominent auf der Verpackung. Daran und auch an Bezeichnungen wie „nature“, „ökologisch“ oder „grün“ sind sie zu erkennen, nicht nur im Ökoladen. Auch Discounter und Drogerieketten wie dm, Lidl, Ross­mann und Schle­cker führen bereits Biolinien.

Phosphate sind Nähr­stoffe. In Geschirr­spültabs haben sie zwei Aufgaben: Sie halten den abge­lösten Schmutz im Spül­wasser, damit er sich nicht auf das Geschirr absetzt. Und sie enthärten (entkalken) das Wasser, um Kalkbeläge zu verhindern. Mit dem Abwasser gelangt ein Teil dieser Nähr­stoffe in Flüsse, Seen und Küsten­gebiete. Besonders in stehenden Gewässern fördern sie das Algen­wachs­tum. Das wieder­umführt zu Sauer­stoff­mangel – schlecht für die Fische. Aus Wasch­mitteln sind Phosphate deshalb seit Jahren verbannt. Aus Geschirr­spül­mitteln noch nicht, weil Phosphat­ersatz­stoffe in der Vergangenheit unschöne Neben­effekte zeigten. Sie machten das Geschirr kaputt. Inzwischen sind phosphatfreie Tabs wieder im Kommen.

Wir haben jetzt 13 phosphatfreie Geschirr­spültabs geprüft, darunter 9 Solo- und 4 Multitabs. Bei Solo­tabs kommenKlarspüler und Enthärtersalz separat in den Geschirr­spüler, bei Multitabs sind alle nötigen Zusätze bereits enthalten. Neben den Ökotabs sind in diesem Test aber auch vier klassische Multitabs vertreten, die bei unserem großen Vergleichs­test herkömm­licher Geschirr­spültabs im März noch nicht dabei waren (siehe Test Geschirrspültabs aus test 03/2010). Alle Produkte mussten jetzt zeigen, was sie können – unter den gleichen Prüfbedingungen wie die Tabs im Früh­jahr.

Weiß­lich­stumpf über­zogenes Geschirr

Phosphatfreie Geschirr­spültabs Test

Auf dunklen Tellern ärgern Kalkbeläge ganz besonders.

Für Ökotabs setzen die Hersteller zum Enthärten schonendere Zitrate ein (Salz der Zitronensäure), Poly­karb­oxylate (Enthärter auf Erdölbasis) oder Phosphonate (Salz der Phosphonsäure). In Solo­tabs können sie Kalkbeläge wirkungs­voll verhindern. Aber in Multitabs versagen sie, jedenfalls bei hartem Wasser, das immerhin in etwa jedem zweiten deutschen Haushalt aus dem Hahn fließt. Der Salz­ersatz in den Multitabs reicht dann nicht aus. Fast alle Geschirr­teile kamen weiß­lich­stumpf über­zogen aus der Maschine.

Regenbogen­farbene Messer

Phosphatfreie Geschirr­spültabs Test

Während das unbe­nutzte Edelstahl­messer oben schön glänzt, schil­lert das gespülte Messer unten in allen Regenbogen­farben. Mit Zitronensäure abreiben kann helfen.

Edelstahl­messer, die mit den phosphatfreien Multi­funk­tions­tabs von dm, Lidl und Schle­cker gespült wurden, schil­lerten in allen Regenbogen­farben. Selbst manche Geschirr­spül­maschine bekam einen irisierenden „Über­zug“. Den Anbietern scheint das nicht fremd zu sein. Seitlich oder auf der Rück­seite der Verpackung empfehlen sie, für hartes Wasser Enthärtersalz separat in die Spül­maschine zu geben. Dafür allerdings muss niemand einen „Alleskönner“ kaufen; dafür würde auch ein simpler Solo­tab ausreichen.

Alle Ökomultitabs ausreichend

Die vier phosphatfreien Multitabs im Test sind mit 10 bis 12 Cent sogar billiger als viele Solo­tabs. Für sie muss der Kunde rund das Doppelte zahlen. Als preis­werte und praktische Alternative kommen diese Multis dennoch nicht infrage, denn alle vier schneiden am Ende nur ausreichend ab.

Viele spülen mangelhaft

Phosphatfreie Geschirr­spültabs Test

Schmutzig rein, schmutzig raus: So sahen viele Teller aus, wenn sie mit den schlechten phosphatfreien Ökotabs gespült wurden.

Phosphatfreie Geschirr­spültabs Test

Verklumpte Spültabs von Ulrich natürlich: Damit kann der Benutzer wenig anfangen.

Die Inhalt­stoffe, die in den Ökotabs gegen den Schmutz antreten – Enzyme wie Proteasen und Amylasen, aber auch Tenside und Bleich­mittel – sind ähnlich wie die Inhalt­stoffe in herkömm­lichen Reinigern, manche fehlen allerdings komplett. Auch Qualität, Menge und Zusammenset­zung unterscheiden sich häufig. Das ist schlecht, wenn die Wirkung darunter leidet.

Gespült mit den Solo­tabs von Sodasan, AlmaWin, Klar, Sonett und Ulrich kam das Geschirr jedenfalls fast so schmutzig aus der Maschine heraus, wie wir es hinein­gestellt hatten. Speisereste aus Eigelb, ein Ei-Milch-Gemisch und ein Brei aus Reis,Kartoffeln, Mais und Weizen waren am schwierigsten zu entfernen, im 50-Grad-Programm genauso wie bei 40 Grad. Das ist mangelhaft. Kaum besser, nämlich ausreichend, reinigen die Solo­tabs von Ecover. In solchen Fällen haben die Enzyme versagt oder waren erst gar nicht enthalten. Diese Eiweiß­körper zersetzen Stärke und Eiweiß.

Die Ulrich-natürlich-Spültabs fielen den Prüfern noch aus einem anderen Grund negativ auf. Schon beim ersten Öffnen fanden sie in vielen Packungen statt der erwarteten Tabs nur eine feste Masse oder pulverisierte Tablettenreste vor.

Zwei Ökotabs sind wirk­lich gut

Doch es ist möglich, sauber und gleich­zeitig umwelt­schonend zu spülen: mit den guten „grünen“ Tabs von fit und OPM. Insbesondere fit ist nicht nur stark gegen Schmutz, sondern auch am stärksten gegen Kalk und besonders schonend zum Geschirr. Damit kommen Teller, Tassen, Gläser und Besteck strahlend auf den Tisch. Einen Tick schlechter, insgesamt aber auch noch gut, präsentierte sich OPM Grün. Der einzige gute phosphathaltige Multitab finish Calgonit ist kaum besser.

Bleibt die Preisfrage. Ein Spülgang mit den guten Ökotabs ist mit 10 beziehungs­weise 12 Cent rund doppelt so teuer wie mit einem guten phosphathaltigen Solo­tab vom Discounter (siehe Tabelle Noch zu haben). Selbst klassische Multi­funk­tions­tabs kosten dort etliche Cent weniger.

Tipp: Wenn Sie umwelt­schonend spülen möchten, sollten Sie auf die guten phosphatfreien Solo­tabs setzen. Den höheren Preis, den Sie für diese Geschirr­spültabs bezahlen, könnten Sie als Ihren Beitrag für den Gewässer­schutz betrachten. Auf Ökomultitabs sollten Sie aber noch verzichten, so lange die Phosphat­ersatz­stoffe nicht besser geworden sind.

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