Phishing Meldung

Phishing-Mails wirken, als kämen sie direkt von der Bank. Sie sehen täuschend echt aus. Betrüger fordern Online­kunden darin auf, ihre Geheimzahlen einzugeben: die Pin und Tan. Doch jeder durch­schnitt­liche Online­kunde muss wissen, dass dies in aller Regel Betrug ist, sagen Gerichte.

Frau gibt Pin an

Das Amts­gericht Frank­furt/Main ließ eine Frau abblitzen, von deren Konto 4 900 Euro abge­bucht wurden. Sie hatte eine Phishing-Mail erhalten: Aus Sicher­heits­gründen müsse sie ihre Pin ändern. Die Frau öffnete den E-Mail-Anhang, gab die Pin und weitere Daten ein. Den Anhang hatten Kriminelle programmiert, an sie gingen die Daten.

Was ihr hätte auffallen müssen

Der Kundin hätte auffallen müssen, dass die Phishing-Mail keine persönliche Anrede nannte, keinen konkreten Sach­bearbeiter, dass sie sprach­liche Fehler enthielt und eine falsche Zeichenset­zung. Die Frau hätte deshalb zumindest telefo­nisch bei ihrer Bank anfragen müssen (Az. 32 C 3377/15).

Seit Jahren gewarnt

Andere Gerichte urteilten ebenso. Das Ober­landes­gericht Hamm erklärte einem Mann, der 7 200 Euro verloren hatte, dass die Medien seit Jahren vor Phishing warnen. Er hätte wissen müssen, dass man nicht einen Link in einer Mail öffnen und die Pin eintragen darf, ohne vorher zumindest telefo­nisch in der Bank nach­zufragen (Az. I-31 U 31/15).

Grob fahr­lässig

Auch das Land­gericht Hannover hat die Klage eines Ehepaares gegen seine Bank abge­wiesen. Betrüger hatten Buchungen von mehr als 20 400 Euro vom Konto des Paares veranlasst. Die Bank muss das Geld nicht ersetzen. Der Mann hatte eine E-Mail erhalten und 20 Trans­aktions­nummern einge­geben. Das Phishing-Opfer hat die Warnhin­weise der Bank miss­achtet, das war grob fahr­lässig (Az. 11 O 229/15, nicht rechts­kräftig).

Andere Masche

Auch das passiert: Dem Kunden wird ein falscher Konto­stand ange­zeigt, wenn er sich bei seiner Bank einloggt. Das geht, wenn Gauner einen Trojaner auf dem PC platziert haben. Das Konto einer Frau zeigte 9 530 Euro Zahlungs­eingang. Dies sei ein Irrläufer, eine Gutschrift des Finanz­amts für eine andere Kundin, stand dabei. Sie solle das Geld an sie über­weisen. Das befolgte die Frau. Als sie sich später erneut einloggte, sah sie den echten Konto­stand, ohne den Eingang. Vorm Land­gericht Bonn verlor sie: Eine Fehl­buchung des Finanz­amts zu korrigieren, sei so ungewöhnlich, dass sie bei der Bank hätte fragen müssen (Az. 3 O 387/14).

Tipp: Welche Programme erfolg­reich Atta­cken auf Ihren PC abwehren, verrät unser Test von Sicherheitssoftware. Und wie Sie Ihr Smartphone am besten schützen, lesen Sie, wenn Sie den Test von Sicherheits-Apps frei­schalten.

Diese Meldung ist erst­mals am 24. Mai 2016 auf test.de erschienen. Sie wurde am 14. Juli 2016 aktualisiert.

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