Philips warnt vor Mixern Meldung

Zu schweren Verletzungen kann ein Fehler an insgesamt rund 120 000 Philips-Mixern der Baureihen HR 1560, 1561 und 1565 führen. Beim versehentlichen Druck auf die „Turbo“-Taste können betroffene Geräte sich auch in Bewegung setzen, wenn sie abgeschaltet sind. Der Motor dreht dann sofort mit voller Leistung. Gefahr droht vor allem beim Wechseln von Schneebesen und Knethaken. Eine Rückrufaktion hält Philips nicht für nötig. Das Unternehmen hat nur einen so genannten Sicherheitshinweis veröffentlicht. Käufer betroffener Mixer können Ihr Gerät allerdings gegen eine fehlerfreies Gerät austauschen lassen.

[Update 21.02.2006] Inzwischen hat Philips auf Druck der italienischen Behörden einen regelrechten Rückruf gestartet und bundesweit Zeitungsanzeigen geschaltet. Betroffen sind auch Philips Essence-Mixer der Baureihen HR 1570 und 1571. Details am Ende der Meldung.

Unfall beim Stabwechsel

Philips warnt vor Mixern Meldung

Ruchbar wurde das Problem, nachdem sich eine test-Leserin eine schwere Verletzung am Daumen zugezogen hatte. Sie hatte das Gerät abgeschaltet, um die Rührer zu wechseln. Als sie die Knethaken ins Gerät stecken wollte, aktivierte sie durch den Druck versehentlich den „Turbo“-Schalter. Die Knethaken drehten los und rissen ihr das letzte Glied des rechten Daumens fast vollständig ab. Den Ärzten gelang es, den Daumen zu retten. Bis heute kann die test-Leserin den Daumen jedoch nicht wieder richtig bewegen. Klar: Laut Sicherheitshinweis in der Bedienungsanleitung ist vor dem Wechseln von Schneebesen oder Knethaken der Netzstecker zu ziehen. Daran jedoch halten sich viele Hausmänner und -frauen nicht.

Start nur mit Turbotaste

Philips warnt vor Mixern Meldung

Im Mixervergleich in test 1/2003 schnitt der Philips Cucina HR 1560/63 mit „GUT (1,7)“ ab und war nur wenig schlechter als der doppelt so teure Testsieger Braun Multimix M 830 („SEHR GUT“ 1,5). „Kräftig und robust, deshalb sehr gut zum Kneten schwerer Teige geeignet“, urteilte test. Eigentlich ist der Mixer so konstruiert, dass die Turbotaste nur funktioniert, wenn der Schiebeschalter für den Betrieb auf 1, 2 oder 3 steht. Laut Philips ist ein Produktionsfehler dafür verantwortlich, dass bei rund 200 000 Mixern allein der Druck auf den Turbotaster das Gerät startet. Der Lieferant für die Schalter des Mixers habe eigenmächtig und ohne Philips zu informieren geänderte Bauteile geliefert, erklärte Unternehmenssprecher Klaus Petri.

Identifikation über Seriennummer

Philips warnt vor Mixern Meldung

Das Unternehmen hat nach Entdeckung des Fehlers per Zeitungsanzeigen einen so genannten Sicherheitshinweis veröffentlicht. Betroffen sind zwischen Oktober 2004 und April 2005 produzierte Geräte mit den Seriennummern von 04420 bis 05170. Die Nummern sind auf dem Typenschild auf der Gehäuserückseite aufgedruckt. Bei diesen Geräten können wegen des fehlerhaften Schalters Knethaken oder Schneebesen nur gefahrlos gewechselt werden, wenn der Netzstecker gezogen ist.

Kein Rückruf, aber Austausch

Einen förmlichen Rückruf will das Unternehmen nicht starten. Betroffene Kunden können ihren Mixer jedoch gegen ein fehlerfreies Gerät austauschen lassen. Philips verspricht, den defekten Mixer abzuholen und umgehend einen neuen zu liefern. Besitzer fehlerhafter Geräte sollen sich bei der kostenlosen Hotline 0 800/16 56 50 58 melden. In Österreich ist der Philips-Service unter 0 800/20 27 53 und in der Schweiz unter 0 844/80 05 44 zu erreichen.

Hersteller zahlt Schmerzensgeld

Wenn die zweijährige Gewährleistungsfrist noch nicht abgelaufen ist, können Käufer den Mixer auch zurück ins Geschäft bringen. Der Verkäufer ist von Gesetzes wegen zwei Jahre lang in der Pflicht, für Fehler seiner Ware einzustehen und ein einwandfreies Gerät zu liefern. Vielfach nicht bekannt: Wer sich wegen des fehlerhaften Schalters am Mixer verletzt, kann von Philips als Hersteller nach dem Produkthaftungsgesetz Ersatz von Behandlungskosten, den Ausgleich von Vermögensschäden und die Zahlung eines Schmerzensgelds verlangen. Dabei müssen Verbraucher kein Verschulden nachweisen. Voraussetzung für Schadenersatz-Ansprüche und Schmerzensgeld ist nur, dass die Verletzung auf einem Produktfehler beruht. Auf die Ursache des Fehlers kommt es nicht an. Der verletzten test-Leserin hat Philips von sich aus ein Schmerzensgeld angeboten. Die Höhe nannten weder das Unternehmen noch die Leserin.

[Update 21.02.2006] Inzwischen hat Philips einen regelrechten Rückruf gestartet und ihn zusätzlich auf weitere Geräte ausgeweitet. Nach Angaben von Philips-Sprecher Klaus Petri hatten die italienischen Behörden auf dem Rückruf bestanden. Außer den genannten Cucina-Mixern sind nunmehr auch Essence-Geräte der Baureihen HR 1570 und 1571 mit den Seriennummern 04430 bis 06040 betroffen. Auch bei diesen könne der Druck auf die Turbo-Taste zum Start führen, auch wenn der Mixer eigentlich abgeschaltet ist. Die Verletzungsgefahr sei jedoch deutlich geringer, da der Fehler bei den betroffenen Essence-Geräten nur bei sehr kräftigem Druck auf die Turbotaste auftrete, erklärte der Philips-Sprecher.

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