Die Masche ist nicht neu: Eine Internet-by-call-Einwahl ist ein paar Tage lang schön günstig. Wenn genug Surfer sich an die Einwahl gewöhnt haben, steigt der Preis unversehens. Jetzt treibt die Comundo Internet GmbH die Abzockerei argloser Surfer auf die Spitze: Bis über 60 Euro pro Stunde Internetzugang kassiert das Unternehmen für Internetzugänge, die anderswo Bruchteile eines Cent pro Minute kosten. test.de sagt, wie Sie sich schützen und was zu tun ist, wenn Sie doch mal reingefallen sind.

Kein sicherer Schutz

Offensichtlich und dreist spekulieren manche Provider auf die Nachlässigkeit von Surfern. Beliebte Masche jenseits plötzlicher Preiserhöhungen: Tarife, die je nach Tageszeit von konkurrenzlos günstig zu völlig überteuert wechseln. Surfer, die sich zu spät ausloggen, zahlen auf einmal 1 000 Prozent mehr. Sicherheit vor solcher Abzockerei gibt es nicht. Selbst bei sorgfältiger Kontrolle der Tarife vor jeder einzelnen Einwahl und bei Nutzung von Least-Cost-Dialern wie dem Smartsurfer ist ein Reinfall nicht ausgeschlossen, aber immerhin: unwahrscheinlich.

Über 60 Euro pro Stunde

Früher eingerichtete Internetzugänge ohne Kontrolle des Tarifs erneut zu nutzen, ist oft ruinös teuer. Beispiel: 666net-Internetzugänge. Sofort nach der Übernahme durch die Comundo Internet GmbH in Bielefeld stieg der Preis mancher Zugänge erst auf fast 25 Cent pro Minute und liegt inzwischen sogar bei fast ein Euro pro Minute zuzüglich 1,99 Euro pro Einwahl. Für eine Stunde Surfen stehen am Ende 61,98 Euro auf der Telefonrechnung.

Verbraucherschützer sehen Betrugsverdacht

Aus Sicht von Verbraucherschützern sind solche Methoden ein klarer Fall von Wucher und vorsätzlicher und sittenwidriger Schädigung von Verbrauchern. Die Ausnutzung der Fehlvorstellung von Surfern, dass sich die einst günstigen Gebühren schon so stark nicht geändert haben werden, begründet nach Auffassung von Verbraucheranwälten außerdem Betrugsverdacht. Bisher allerdings liegen bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in Bielefeld keine Strafanträge vor. Die Behörde prüft jetzt, ob sie von Amts wegen Ermittlungen einleitet. Die Verbraucherzentrale Berlin sieht Chancen, die Abzockerei mit einer Abmahnung und gegebenenfalls Klage zu stoppen, will die Rechtslage aber noch genauer prüfen.

Chance zum Widerstand

Wer reingefallen ist und sich gegen unberechtigte Forderungen wehren will, braucht oft starke Nerven. Zunächst ists ganz einfach: Wenn ein zweifelhafter Posten auf der Telefonrechnung auftaucht, genügt ein Schreiben an die zuständige Telekom-Niederlassung, um ihn zu stornieren. Die Telekom kassiert dann nur den Rest der Telefonrechnung. In der Regel kommen nach einer solchen Stornierung Zahlungsaufforderungen und Mahnungen vom Anbieter selbst. Oft folgen harsch formulierte Schreiben von Inkassobüros mit der Drohung, kostenpflichtig rechtliche Schritte einzuleiten. Wer sich nicht bange machen lässt, hat nach Beobachtungen von Verbraucherschützern gute Chancen, ungeschoren zu bleiben. Die mit Einleitung gerichtlicher Schritte verbundenen Kosten scheuen unseriöse Unternehmen meist.

Anbieter weist Vorwürfe zurück

Soeben hat laut heise online Comundo-Geschäftsführer Dr. Markus Beforth Stellung genommen. Er behauptet: Die übernommenen Tarife kosteten bereits vor der Übernahme größtenteils über 10 Cent pro Minute und zusätzlich über 1 Euro pro Einwahl. Die Tarife seien nicht für normale Surfer gedacht. Es handle sich um Internetzugänge „für spezielle Projekte, verbunden mit besonderen Services“, zitiert das online-Portal des renommierten Fachverlags den Comundo-Vertreter. Für normale Surfer biete das Unternehmen zahlreiche günstige Einwahltarife an.

[Update 01.02.2008] Die Staatsanwaltschaft Bielefeld sieht nach Prüfung der Sachlage Betrugsverdacht. Sie hat gegen die Verantwortlichen für die Comundo-Tarifmanipulationen ein förmliches Ermittlungsverfahren eingeleitet und wird darüber entscheiden, ob sie Anklage erhebt und so einen Strafprozess einleitet.

Dieser Artikel ist hilfreich. 240 Nutzer finden das hilfreich.