Will ein Kind von einem Eltern­teil nach dem Tod des anderen Informationen über den Wert des Nach­lasses und fordert es in diesem Zusammen­hang Geld, riskiert es, nach dem Tod des über­lebenden Eltern­teils seine spätere Stellung als Erbe zu verlieren. So hat das Ober­landes­gericht Köln entschieden.

Der Fall

Ein Ehepaar hatte sich in seinem gemeinschaftlichen Testament gegen­seitig als Allein­erben einge­setzt und bestimmt: Nach dem Tod des Längst­lebenden sollen ihre vier Kinder das Vermögen zu gleichen Teilen erben. Ihr Testament enthielt allerdings eine Pflicht­teils­strafklausel: Sollte eines der Kinder nach dem Tod des Erst­versterbenden vom Über­lebenden seinen Pflicht­teil fordern, so solle es auch nach dem Tod des über­lebenden Eltern­teils nur noch seinen Pflicht­teil bekommen.

Perspektive des über­lebenden Ehegatten zählt

Nach dem Tod der Mutter verlangte ein Sohn ein Sach­verständigen­gut­achten zur Wert­ermitt­lung des elterlichen Haus­grund­stücks. Gegen eine Einmalzahlung von 10 000 D-Mark, die auf das Erbe ange­rechnet werden solle, sei er aber bereit, auf das Gutachten zu verzichten. Nach der Zahlung sah der Vater das Kind nicht mehr als seinen Erben an. Zu Recht, wie das Gericht erklärte. Es komme allein auf die Perspektive des über­lebenden Ehegatten an. Das Kind habe die Pflicht­teils­strafklausel ausgelöst und ist damit nach dem Tod des Vaters nicht mehr Erbe (Az. 2 Wx 314/18).

Tipp: Wie Sie Ihr Erbe nach Ihren Wünschen regeln, erklären wir in unseren Special Testament. Darin erläutern wir auch, was bei einem sogenannten Berliner Testament zu beachten ist.

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