Pflichten für Versicherungskunden Meldung

Sofort melden. Ein Gerüst erhöht die Einbruchgefahr. Die Bewohner müssen ihren Hausratversicherer informieren.

Viele Versicherte besitzen zwar eine Police, aber keinen Schutz. Denn sie haben die Regeln missachtet.

Audio
Audio abspielenLautstärke einstellen

Macht ein Autofahrer nach einem Unfall bewusst falsche Angaben zum Zustand der Straße und zum Tempo, bekommt er von seiner Kaskoversicherung keinen Cent. Denn er hat gegen seine Pflicht verstoßen, alles zu tun, um die Umstände des Unfalls aufzuklären.

Versicherungskunden müssen Regeln befolgen – beim Vertragsabschluss und während der Laufzeit. Den meisten Menschen mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder einer privaten Krankenversicherung ist das klar. Sie wissen, dass sie zum Beispiel Fragen zu ihrem Gesundheitszustand im Antrag wahrheitsgemäß beantworten müssen.

Doch auch in Sachversicherungen wie in der Auto- oder der Hausratversicherung hat der Kunde Pflichten. Sie werden im Versicherungsdeutsch Obliegenheiten genannt. Wer sie verletzt, setzt seine Versicherung ganz oder teilweise aufs Spiel. Sogar ein Versehen kann den Schutz kosten. Im Streit entscheiden die Gerichte.

Bevor der Vertrag geschlossen wird, muss der Kunde alle Fragen im Antrag korrekt beantworten. Dies ermöglicht es der Versicherungsgesellschaft, das Risiko einzuschätzen und den Beitrag zu kalkulieren.

Schummelt der Kunde bei den Antworten, um das Risiko geringer erscheinen zu lassen und Beitrag zu sparen, riskiert er seinen Versicherungsschutz. So ersetzt die Hausratversicherung einen Schaden nur anteilig, wenn der Kunde den Wert seines Hausrats zu niedrig veranschlagt hat.

Ist der Vertrag geschlossen, hat der Versicherte weitere Pflichten. Er muss dafür sorgen, dass die Gefahr nicht leichtfertig erhöht wird. Fährt er zum Beispiel mit abgefahrenen Reifen im Winter Auto, handelt er grob fahrlässig und kann sich bei einem dadurch entstandenen Unfall nicht auf seine Vollkaskoversicherung verlassen.

Der gesetzliche Haftpflichtschutz kommt zwar auch dann für die Verletzungen anderer und die Schäden an ihrem Auto auf. Doch der Fahrer muss bis zu 5 000 Euro des Schadens selbst tragen.

Schließt ein Versicherter die Haustür nicht ab, sondern zieht sie nur zu und verlässt dann für eineinhalb Tage das Haus, bekommt er bei Einbruch nichts von seiner Hausratversicherung. So ein Urteil des Landgerichts Koblenz (Az. 16 O 150/04).

Ein anderer Versicherungskunde stellte in der Frostperiode seine vollautomatische Heizung auf eine niedrige Stufe und fuhr für eine Woche in Urlaub. Die Heizung fiel aus und er blieb auf dem Leitungswasserschaden durch Frost sitzen. Das Oberlandesgericht Frankfurt entschied, der Kunde habe seine Pflicht verletzt, das Haus zu beheizen (Az. 14 U 104/04).

Erhöhte Gefahr melden

Wenn während der Vertragslaufzeit das Risiko unvermeidlich größer wird, muss der Kunde dies dem Versicherer unverzüglich mitteilen. Eine solche „Gefahrenerhöhung“ liegt zum Beispiel vor, wenn eine Wohnung oder ein Haus mehr als 60 Tage nicht bewohnt wird. Vor einem besonders langen Urlaub muss also der Kunde seinen Hausratversicherer informieren.

Er muss es ihm auch melden, wenn an seinem Haus ein Baugerüst angebracht wird, das es Einbrechern erleichtert, in die Wohnung einzusteigen.

Ist der Schaden da, müssen Kunden wieder Regeln befolgen, damit der Versicherer auch wirklich zahlt. Ihre erste Pflicht besteht darin, den Schaden so klein wie möglich zu halten: Sie müssen beispielsweise nach einem Leck in einem Wasserleitungsrohr so schnell wie möglich den Haupthahn zudrehen. Gestohlene Kreditkarten sind unverzüglich zu sperren.

Als Nächstes ist der Kunde verpflichtet, den Schaden seiner Versicherung zu melden – und zwar in der Regel unverzüglich. Bei einem Schaden am Auto reicht eine Meldung innerhalb von einer Woche. Nur wenn die Polizei ermittelt, muss auch der Autoversicherer unverzüglich informiert werden.

Der Kunde hat die Aufgabe, alles zu tun, damit aufgeklärt werden kann, was passiert ist. Diese Pflicht verletzt er zum Beispiel, wenn er nach einem schweren Wasserschaden in seiner Wohnung einen angeblich defekten Zuleitungsschlauch einer Waschmaschine entsorgt hat.

Weil der Versicherte die Aufklärung des Schadens grob fahrlässig behindert hat, muss die Hausratversicherung den Schaden nicht bezahlen, entschied das Landgericht Münster (Az. 15 O 236/05).

Neues Vertragsrecht

Kunden, die ihre Pflichten verletzt haben, sollen im Schadensfall in Zukunft nicht mehr ganz leer ausgehen. Das neue Versicherungsvertragsgesetz sieht vor, dass ab 2008 das Alles-oder-nichts-Prinzip abgeschafft werden soll. Je nach Grad seines Verschuldens bekommt der Kunde künftig wenigstens einen Teil des Schadens ersetzt.

„Allerdings entscheidet der Versicherer, wie viel der Kunde bekommt“, erläutert Hubert van Bühren, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltverein. Ist der Kunde damit unzufrieden, muss er klagen.

Auf die Gerichte kommt also wohl auch mit diesen neuen Vertragsregeln viel Arbeit zu.

Dieser Artikel ist hilfreich. 799 Nutzer finden das hilfreich.