Pflegezusatz-Versicherung: Gut gepflegt

Pflegekostenversicherungen zahlen vor allem für die ­Profipflege. Mehr Geld für die Laienpflege gibts von einer Pflegetagegeldversicherung. Finanztest hilft, ­das richtige Angebot zu finden.

Viele Pflegebedürftige oder ihre Angehörigen müssen bereits heute jeden Monat mehrere Hundert Euro aus eigener Tasche drauflegen, um die Differenz zwischen den tatsächlichen Kosten und den Leistungen der Pflegekasse zu decken. In Zukunft wird die Pflegeversicherung wohl einen immer geringeren Anteil der tatsächlich anfallenden Kosten tragen.

Eine Vorstellung von der Größe der aktuellen Versorgungslücke geben unsere Modellannahmen. Wir gehen davon aus, dass im Falle schwerster Pflegebedürftigkeit monatliche Restkosten von 1 178 Euro allein für die Pflege offen bleiben, wenn der Pflegebedürftige in einem Heim lebt, dessen Pflegesätze um ein Drittel über dem Durchschnitt liegen.

Ein privater Zusatzschutz sollte diese Lücke zumindest annähernd schließen. Das tun fast alle Tarife in unserem Test, da wir die Tarifkonditionen entsprechend festgelegt haben. Dennoch eignet sich nicht jedes der 42 untersuchten Angebote für jeden gleich gut. Geeignete Tarife haben wir in den Tabellen für Sie markiert.

Das richtige Angebot finden

Private Pflegezusatzversicherungen werden als Pflegekosten- und Pflegetage­geldtarife angeboten. Beide Varianten sollten eine Reihe von Anforderungen erfüllen.

  • Sie zahlen sowohl für stationäre als auch für häusliche Pflege. Das trifft auf alle Tarife in unserer Untersuchung zu.
  • Es gibt in allen drei Pflegestufen Leistungen. Tarife, bei denen der Versicherer in der untersten Pflegestufe nichts zahlt, halten wir für unzureichend. Denn fast die Hälfte aller Pflegebedürftigen ist derzeit in die Pflegestufe I eingruppiert.
  • Ein geeigneter Pflegezusatztarif bietet darüber hinaus die Möglichkeit, die Leistungen nachträglich mit der Pflegekostenentwicklung zu erhöhen.
  • Außerdem verzichtet der Versicherer auf eine Karenzzeit. Karenzzeit bedeutet: Wenn die Pflegebedürftigkeit anerkannt ist, lässt die private Zusatzversicherung den Kunden noch weitere drei Monate warten, bis sie beginnt, die vereinbarten Leistungen zu zahlen.
  • Eine Zumutung ist es, wenn der pflegebedürftige Kunde regelmäßig ärztliche Atteste vorlegen muss, um seine fortdauernde Pflegebedürftigkeit nachzuweisen. Kundenfreundliche Tarife schließen sich den Feststellungen der gesetzlichen Pflegeversicherung an.
  • Pflegetagegeldtarife sollten bei häus­licher Pflege durch Angehörige keine niedrigere Leistung vorsehen als für professionelle Pflege.

Pflegetagegeldtarife

Mit einem Pflegetagegeldtarif erhalten die Versicherten ein vereinbartes Tagesgeld, egal wie hoch die tatsächlichen Pflegekosten sind. Er ist vor allem dann zu empfehlen, wenn der Versicherte im Pflegefall Wert auf die freie Verfügbarkeit des Geldes legt. Zum Beispiel, weil er davon auch eine über die reine Pflege hinausgehende Betreuung bezahlen möchte oder weil er davon ausgeht, später zu Hause und überwiegend durch Angehörige versorgt zu werden.

Die Versicherer zahlen das volle Tagegeld in der Regel allerdings nur bei Pflegebedürftigkeit der Stufe III aus. Bei niedrigeren Pflegestufen gibt es weniger Geld. Bei häuslicher Pflege reduzieren einige Versicherer das Tagegeld selbst in der Pflegestufe III. Diese Tarife sind eher nicht zu empfehlen.

Das Gleiche gilt für die Tarife PZT der Vereinten, P12+P22 der Continentalen und PEU der Pax-Familienfürsorge. Sie kürzen das Tagegeld für häusliche Pflege auf die Hälfte, wenn nicht professionelle Pflegedienste die Pflege leisten. Der Tarif PT der Berlin-Kölnischen halbiert das Tagegeld ebenfalls, wenn die pflegenden Angehörigen keine krankenpflegerischen Kenntnisse haben.

Pflegekostentarife

Pflegekostenversicherungen zahlen wie die gesetzliche Pflegeversicherung in erster Linie für die Leistungen professioneller Pflegedienste oder für die Pflege im Heim. Pflegekostentarife eignen sich deshalb vor allem dann, wenn man nicht davon ausgeht, dass einen im Pflegefall Angehörige, Freunde oder Nachbarn unterstützen können.

Sie ersetzen außerdem in der Regel nur die reinen Pflegekosten. Deshalb sind sie nur dann zu empfehlen, wenn sich auch die Vorsorge auf diese Kosten beschränken soll. Weitergehende Betreuungsleistungen oder Hilfen wie zum Beispiel Begleitung beim Spazierengehen können aus einem Pflegekostentarif nicht finanziert werden.

Restkosten sind maßgeblich

Bei einigen Pflegekostentarifen orientiert sich der Versicherer an der Höhe der Restkosten nach Abzug der Leistung durch die gesetzliche Pflegeversicherung. Er übernimmt davon einen Prozentsatz – in der Regel aber nur bis zu einer festgelegten Obergrenze.

Entstehen später sehr hohe Pflegekosten, wird der Tarif ZP der Mannheimer am meisten zahlen. Denn er kennt keine Obergrenze. Er übernimmt immer 80 Prozent der verbleibenden Kosten. Bei einem Pflegebedürftigen in Stufe II, der im Heim lebt (monatliche Restkosten 719 Euro) hieße das 80 Prozent von 719 Euro, also 575 Euro im Monat plus 80 Prozent der Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Dieser Tarif hat den Vorteil, dass die Leistungen automatisch mit den steigenden Kosten wachsen.

Im Tarif P3 der Berlin-Kölnischen beträgt die Obergrenze für Pflegestufe II 1 278 Euro im Monat – die 719 Euro Restkosten würden also komplett beglichen. Der Tarif PHN der Halleschen übernimmt laut Vertrag ebenfalls 100 Prozent der Restkosten, jedoch nur bis zu einem Anteil an dem vereinbarten Tagessatz. In unserem Fall sind das nur 300 Euro im Monat.

Zuschlag zur gesetzlichen Leistung

In einer anderen Variante legen die Versicherer auf die Leistungen der gesetzlichen Pflegekasse noch einen bestimmten Prozentsatz drauf. Die Höhe dieses Prozentsatzes wird bei Vertragsschluss vereinbart. Der Pflegebedürftige aus unserem Beispiel, der mit Pflegestufe II im Heim lebt, hat Pflegekosten von 1 998 Euro im Monat. Von der gesetzlichen Pflegeversicherung erhält er 1 279 Euro im Monat, die private gibt in unserem Beispiel noch einmal 80 Prozent dieser Summe dazu.

In den Tarifen EHP+ESP der Axa und PEV der LKH erhält der Kunde tatsächlich den vereinbarten Prozentsatz der gesetzlichen Leistung, in unserem Beispiel also monatlich 1 023 Euro. Gut für den Kunden: Wenn die Rechnung des Pflegeheims bezahlt ist, hat er darüber hinaus noch 304 Euro im Monat zur freien Verfügung.

Dagegen bezahlen zum Beispiel die Tarife 68/4 der Arag und PZ der Continentalen höchstens so viel, dass die tatsächlichen Restkosten gedeckt werden. In unserem Beispielfall also 719 Euro im Monat. Zusätzlich beteiligen sie sich aber bis zur vereinbarten Obergrenze von 1 023 Euro, hier also mit 304 Euro, an den monatlichen Kosten für Unterkunft und Verpflegung im Heim.

Ein Nachteil, den alle Pflegekostentarife gemeinsam haben: Die Kunden müssen die tatsächlich verbleibenden Kosten nach Vorleistung der gesetzlichen Pflegeversicherung nachweisen. Geld von der privaten Versicherung gibt es außerdem nur für solche Pflegeleistungen, die auch zum Katalog der gesetzlichen Pflegekasse gehören.

Besser früh abschließen

Sowohl gesetzlich als auch privat Versicherte können eine private Pflegezusatzversicherung abschließen. Allerdings müssen die Unternehmen nicht jeden Kunden nehmen. Ebenso wie in der privaten Krankenversicherung stellen die Versicherer im Antrag Gesundheitsfragen, die vollständig und korrekt beantwortet werden müssen. Danach entscheidet der Versicherer, ob er den Kunden annimmt und ob er wegen bestimmter Vorerkrankungen einen Risikozuschlag verlangt.

Die Beiträge richten sich nicht nach dem Einkommen der Kunden, sondern nach Eintrittsalter, Geschlecht und Gesundheitszustand sowie natürlich nach dem Umfang der vereinbarten Leistungen. Frauen zahlen mehr als Männer, weil sie erstens länger leben und zweitens auch innerhalb derselben Altersgruppe häufiger zum Pflegefall werden als Männer.

In den nach unseren Modellvorgaben ausgesuchten Angeboten bewegen sich die Monatsbeiträge für 33 Jahre alte gesunde Neukunden bei Pflegetagegeldtarifen zwischen 5 und 24 Euro (Mann) und zwischen 8 und 39 Euro (Frau). Versichert ist in diesem Fall ein Pflegetagegeld von 40 Euro. Für Pflegekostentarife liegen die entsprechenden Monatsbeiträge zwischen 7 und 16 Euro (Mann) und zwischen 13 und 25 Euro (Frau). Ist jemand beim Abschluss der Versicherung schon 53 Jahre alt, dann liegen die monatlichen Beiträge um das 2,5- bis 3fache höher.

Die Verträge haben in der Regel eine Laufzeit von drei, zwei oder auch nur einem Jahr und verlängern sich automatisch um je ein weiteres Jahr, wenn nicht gekündigt wird. Kündigen kann man mit einer Frist von drei Monaten zum Ende der vereinbarten Vertragslaufzeit und danach jährlich zum Ende des Versicherungsjahres. In den ersten drei Vertragsjahren hat der Versicherer ein ordentliches Kündigungsrecht.

Wer seinen Vertrag kündigen will, weil er anderswo ein besseres Angebot gefunden hat, sollte erst einen Antrag bei der neuen Gesellschaft stellen. Wegen Vorerkrankungen und dem mittlerweile gestiegenen Alter können die Beiträge höher sein, als man zunächst annimmt.

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