Pflege ist teuer, und die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt nur einen Teil der Kosten. Finanztest hat private Zusatzversicherungen getestet.

Pflegebedürftig? Ich doch nicht! Auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, ist den meisten Menschen so unangenehm, dass sie am liebsten nicht darüber nachdenken. Erst wenn die eigenen Eltern oder Freunde zum Pflegefall werden, wird vielen klar: Gut gepflegt alt zu werden, kann richtig teuer sein.

Die Pflegeversicherung – für Kassenpatienten und für privat Krankenversicherte gesetzlich vorgeschrieben – ist nur eine Grundsicherung. Kosten, die sie nicht abdeckt, muss jeder aus eigener Tasche bezahlen. Wenn er kann.

Wenn nicht, helfen die Sozialämter. Sie können allerdings von nahen Angehörigen eine Beteiligung verlangen.

Die Alternative ist eine private Pflegezusatzversicherung, die die Leistung der Kasse ergänzt. Eine Frau, die mit 33 Jahren zum Beispiel eine Pflegetagegeldversicherung über 40 Euro am Tag abschließt, zahlt für einen geeigneten Tarif ohne rechtliche Fußangeln zurzeit 13 bis 31 Euro im Monat. Finanztest hat 42 Angebote untersucht und erläutert, welcher Zusatzschutz für wen am besten geeignet ist.

Wenn Profis pflegen, wird es teuer

Mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Experten gehen davon aus, dass diese Zahl bis zum Jahr 2050 auf 4,7 Millionen steigen könnte. Die Pflegebedürftigen des Jahres 2050 sind Frauen und Männer, die heute zwischen 25 und 40 Jahre alt sind. Sie werden unter anderen Bedingungen alt als die Senioren heute.

Bislang werden noch die meisten Pflegefälle von Angehörigen betreut. Doch das wird sich in Zukunft ändern. Verwandte wohnen bereits heutzutage oft über die ganze Republik verteilt, die Zahl der Singlehaushalte wächst, und es werden künftig weniger Frauen ihren Beruf aufgeben, um ihre kranken Eltern, Schwiegereltern oder Ehemänner zu pflegen.

Wenn Profis pflegen, sind die finanziellen Reserven schnell aufgebraucht: Leben zum Beispiel Schwerpflegebedürftige (Pflegestufe II) in einem Heim, stehen ihnen 1 279 Euro im Monat von der Pflegekasse zu. Tatsächlich kostet ein Pflegeheimplatz zwischen 2 000 und 3 000 Euro im Monat. Häusliche Pflege durch ambulante Dienste kostet oft genauso viel, doch die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt noch weniger dazu.

Pflegebedürftigkeit ist definiert

Da private Zusatzversicherungen den gesetzlichen Schutz ergänzen sollen, ist es wichtig, zunächst die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung kennen zu lernen.

Die gesetzliche Pflegeversicherung wurde 1995 eingeführt. Auch den privat Krankenversicherten schreibt der Gesetzgeber eine Pflegepflichtversicherung vor. Sie leistet das Gleiche wie die gesetzliche Versicherung.

Ob die Pflegekasse zahlt und wie viel, hängt davon ab, in welchem Umfang jemand dauerhaft Hilfe braucht. Es wird unterschieden zwischen den drei Pflegestufen erhebliche, schwere und schwerste Pflegebedürftigkeit.

Voraussetzung für die Einordnung in die niedrigste Pflegestufe ist, dass der Mensch täglich mindestens 90 Minuten Hilfe benötigt. Mindestens 45 Minuten von dieser Zeit müssen auf die Grundpflege entfallen. Grundpflege ist die Unterstützung bei grundlegenden regelmäßigen Verrichtungen des täglichen Lebens, zum Beispiel Hilfe beim Aufstehen und Zubettgehen, beim An- und Auskleiden, beim Essen, bei Körperpflege und dem Gang zur Toilette. Außerdem muss mehrmals die Woche Hilfe im Haushalt notwendig sein.

Die Pflegebedürftigkeit darf nicht nur vorübergehend sein, sondern muss mindestens ein halbes Jahr dauern. Kurzfristige Hilfe ist kein Fall für die Pflegeversicherung: Bricht sich jemand beispielsweise beide Arme und gerät dadurch in eine hilflose Lage, dann hat er unter bestimmten Bedingungen stattdessen Anspruch auf häusliche Krankenpflege auf Kosten der Krankenkasse.

Das zahlt die Pflegeversicherung

Die Leistungen der Pflegeversicherung hängen nicht nur von der Stufe der Pflegebedürftigkeit ab, sondern auch davon, ob jemand zu Hause oder im Heim lebt. Für die vollstationäre Pflege im Heim gibt es die höchsten Leistungen, für häusliche Pflege weniger.

Bei der häuslichen Pflege können die Versicherten wählen. Entweder übernimmt die Pflegekasse bis zu einer Obergrenze die Kosten für einen ambulanten Pflegedienst oder der Versicherte erhält das – niedrigere – Pflegegeld. Das Pflegegeld kann dann pflegenden Angehörigen oder anderen Helfern zugute kommen, die die Pflege nicht erwerbsmäßig betreiben. Möglich ist außerdem eine Kombination aus einem Pflegegeld und der Kostenübernahme für eine professionelle Pflege.

Die Pflegekasse zahlt außerdem

  • für teilstationäre Pflege in einer Einrichtung der Tages- oder Nachtpflege,
  • für Kurzzeitpflege in einer stationären Einrichtung, etwa wenn sich der Zustand vorübergehend verschlechtert,
  • befristet für eine professionelle Vertretung, wenn die Pflegeperson krank wird oder Urlaub machen will,
  • Zuschüsse zu Pflegehilfsmitteln wie zum Beispiel Spezialmatratzen gegen das Wundliegen,
  • Zuschüsse zu Wohnungsumbauten, zum Beispiel die Verbreiterung von Türen für Rollstuhlfahrer.

Pflegende Angehörige oder andere nicht professionelle Pflegepersonen können außerdem an Kursen teilnehmen, die die Kassen veranstalten. Haben sie ansonsten kein oder nur ein sehr kleines Einkommen, dann erarbeiten sie sich mit der Pflege Rentenansprüche.

Der Pflegebegriff, der dem Gesetz zugrunde liegt, ist rein körperlich gefasst. Das ist vor allem ein Problem für Menschen, die körperlich gesund sind, aber aufgrund psychischer Störungen, geistiger Behinderung oder wegen einer Demenzerkrankung ständig betreut und beaufsichtigt werden müssen.

Für sie wurde mit dem Pflegeleistungs-Ergänzungsgesetz im April 2002 zumindest eine kleine Hilfe geschaffen. Ist ein solcher Patient als pflegebedürftig eingestuft, kann er über die Leistungen für seine jeweilige Pflegestufe hinaus noch bis zu 460 Euro im Jahr für spezielle Betreuungsleistungen erhalten.

Der Gutachter kommt ins Haus

Ob jemand pflegebedürftig ist, stellt für die gesetzlichen Kassen der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) fest. Für privat Versicherte erfüllt die gleiche Aufgabe der Gutachterdienst Medicproof.

Der Versicherte stellt bei seiner Kasse oder privaten Versicherung einen Antrag. Diese schickt dann einen Arzt oder eine Pflegefachkraft des Medizinischen Dienstes zu dem Versicherten. Sie schreibt ein Gutachten und empfiehlt die Eingruppierung in eine bestimmte Pflegestufe. In der Regel folgen die Kassen dem Urteil der Experten.

Leider ist die Wartezeit, bis endlich Geld von der Pflegeversicherung fließt, oft sehr lang. Für stationäre Pflege dauert die Bearbeitung eines Erstantrags nach Angaben des Medizinischen Dienstes im Schnitt 39 Tage. In der häuslichen Pflege müssen zwei Drittel der Pflegebedürftigen zwischen vier und zwölf Wochen auf ihre Einstufung warten und 17 Prozent sogar länger als zwölf Wochen. Die Kasse bezahlt dann zwar rückwirkend ab dem Datum des Antrags. Doch zunächst muss der Pflegebedürftige das Geld vorstrecken.

Für Menschen, die ausschließlich Pflegegeld beziehen, also zu Hause von Angehörigen oder Freunden betreut werden, ist vorgeschrieben, dass regelmäßig ein professioneller Pflegedienst zur Beratung der pflegenden Angehörigen vorbeikommt und nachsieht, ob die Pflege im erforderlichen Maße gewährleistet ist. Dieser Besuch kommt bei Pflegebedürftigen der Stufen I und II einmal im halben Jahr, in Stufe III einmal im Vierteljahr.

Will die Pflegekasse gar nichts zahlen oder kommt eine niedrigere Pflegestufe heraus, als man selbst für richtig hält, können gesetzlich Versicherte dagegen Widerspruch bei ihrer Pflegekasse einlegen. Die Chancen, im zweiten Anlauf doch noch zu seinem Recht zu kommen, stehen nicht schlecht: Etwa die Hälfte aller Versicherten, die gegen eine Entscheidung ihrer Pflegekasse Widerspruch einlegen, sind damit erfolgreich.

Was alles nicht drin ist

Wer sich Helferinnen oder Helfer wünscht, die aus der Zeitung vorlesen oder ihn im Rollstuhl draußen spazieren schieben, muss dafür zusätzliche Ausgaben einkalkulieren.

In vielen Pflegeheimen gibt es zwar ehrenamtliche Besuchsdienste, zum Beispiel von Mitgliedern der Kirchengemeinden, die sich um die Heimbewohner kümmern. Kirchliche und andere gemeinnützige Pflegeanbieter beschäftigen Zivildienstleistende oder junge Menschen, die ein freiwilliges soziales Jahr machen, die zu solchen Aufgaben eingesetzt werden können. Doch normalerweise kosten solche Extras auch extra. Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt nicht für soziale Betreuungsleistungen.

Muss jemand vollstationär in einem Pflegeheim versorgt werden, dann bezuschusst die Pflegekasse außerdem nicht die kompletten Heimkosten. Geld gibts für die Pflege im Heim, nicht aber für Unterkunft und Verpflegung. Die durchschnittlichen „Hotelkosten“ in Pflegeheimen lagen 1999 um die 550 Euro im Monat.

Plant jemand, seinen Lebensabend in Kalifornien zu verbringen, darf er auf die Pflegeversicherung nicht hoffen. Innerhalb der Europäischen Union haben gesetzlich Pflegeversicherte immerhin Anspruch auf das Pflegegeld, nicht aber auf die Kostenübernahme für professionelle Pflege. Außerhalb der EU entfällt der Leistungsanspruch komplett. Dieses Problem ist auch mit einer privaten Zusatzversicherung nicht zu lösen. Denn auch die privaten Versicherungsgesellschaften beschränken ihre Leistungen in der Regel auf das Bundesgebiet.

Wenn das Geld nicht reicht

Reichen die Leistungen der Pflegekasse, die Rente und das eigene Vermögen nicht mehr aus, um die laufenden Pflegekosten zu bezahlen, dann springt das Sozialamt ein. Die Sozialhilfeträger prüfen aber genau, inwieweit sie sich ihre „Hilfe zur Pflege“ von den Kindern der Leistungsempfänger zurückholen können. Denn grundsätzlich sind Kinder verpflichtet, ihren Eltern in einer finanziellen Notlage zu helfen.

Unterhaltspflichtige Kinder müssen aber keine spürbaren und dauerhaften Einschränkungen ihres Lebensstils hinnehmen und sollen noch genug Geld übrig behalten, um für ihr eigenes Auskommen im Alter vorzusorgen. Das hat der Bundesgerichtshof vor wenigen Wochen entschieden (Az. XII ZR 266/99).

Eines steht jedoch fest: Bevor es Geld vom Sozialamt gibt, müssen Pflegebedürftige und deren unterhaltspflichtigen Angehörigen ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse offen legen. Eine private Pflegezusatzversicherung hilft, dies zu vermeiden.

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