Zum 1. Januar 2015 verbessern sich die Leistungen – vor allem für die Pflege zuhause. Demenzpatienten und ihre Angehörigen profitieren besonders.

Pflege­versicherung Special

Betreuung. Angehörige können Pflegebedürftige in die Tages­pflege bringen.

Zum 1. Januar 2015 verbessern sich die Leistungen – vor allem für die Pflege zuhause. Demenzpatienten und ihre Angehörigen profitieren besonders.

Am Anfang sind es nur Kleinig­keiten. Verlegte Schlüssel. Versalzener Tee. Lücken im Namens­gedächt­nis. Irgend­wann aber wird der Kampf mit dem Vergessen bei Demenz­kranken zum Voll­zeitjob – für sie selbst und ihre Familien.

Eine besondere Heraus­forderung ist die Betreuung von Menschen mit leichter und mittel­schwerer Demenz. „In dieser Phase sind sie körperlich noch fit, können aber ihren Alltag nicht mehr strukturieren und orientieren sich am gesunden Partner oder den Kindern“, sagt Alwin Emmen­ecker, Leiter eines Senioren­hauses der Arbeiter­wohl­fahrt Pfalz. „Oft können pflegende Angehörige dann nicht einmal mehr allein zum Einkaufen gehen.“

Diese Rund-um-die-Uhr-Betreuung ist nicht nur kräftezehrend und zeit­intensiv, sondern auch teuer: Viele Familien­mitglieder müssen ihre Arbeits­zeit reduzieren oder ihren Job aufgeben, um zu pflegen. Auf dem finanziellen Verlust bleiben sie zum Groß­teil sitzen. Die Pflegereform mildert das ab 2015 ab.

Entlastung für die Familie

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Kurz­zeit­pflege. Die Leistungen für eine Pflege auf Zeit, zum Beispiel nach einem Kranken­haus­auf­enthalt, steigen.

Laut Bundes­gesund­heits­ministerium stehen im neuen Jahr 1,4 Milliarden Euro mehr für die Pflege zuhause zur Verfügung als bisher. In allen Pfle­gestufen gehen die Sätze nach oben, Tabelle. Vor allem aber kommen neue Leistungen dazu – insbesondere für Demenzpatienten.

Die Reform soll pflegenden Angehörigen die Organisation des Alltags erleichtern. Entlastung verspricht zum Beispiel die Ausweitung der Tages- und Kurz­zeit­pflege. „Auch die Möglich­keit, Leistungen zu kombinieren, ist ein richtiger Ansatz, um Pflege zuhause zu sichern“, sagt Ralf Suhr, Vorsitzender der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege. „Es müssen aber noch weitere Maßnahmen auch mit Blick auf kritische Pflegesituationen folgen.“

Anfangs war die Pflege­versicherung nur für Menschen konzipiert, die mit körperlichen Einschränkungen zu kämpfen hatten. Je nach Beein­trächtigung, etwa beim Essen oder Fortbewegen, wurden sie in die Pfle­gestufen eins bis drei einge­teilt – und erhielten gestaffelte Leistungen.

Erst die Einführung der Pfle­gestufe 0 im Jahr 2013 sorgte dafür, dass auch körperlich gesunde Menschen Zuwendungen aus der Pflegekasse erhalten, wenn sie eine „erheblich einge­schränkte Alltags­kompetenz“ haben – also zum Beispiel an Demenz leiden.

Tages- und Nacht­pflege für alle

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Auch für Menschen, die an Demenz leiden, wird ab 2015 die Betreuung in einer Tages­pflege bezahlt.

Ab 2015 kommt eine neue Leistung hinzu: Menschen mit Pfle­gestufe 0 dürfen dann die Angebote der Tages- oder Nacht­pflege nutzen. Das entlastet auch pflegende Angehörige. Bei der Tages­pflege werden Pflegebedürftige tags­über in einer Pfle­geeinrichtung betreut und kommen am Abend wieder zurück nach­hause. Bei der Nacht­pflege ist es umge­kehrt: Hier schlafen die Pflegebedürftigen meist in einem Heim. Tags­über werden sie von Angehörigen oder einem Pflege­dienst zuhause versorgt.

Beide Dienste können nun voll neben dem bisherigen Pflegegeld und den Pflegesach­leistungen (Tabelle) in den Stufen 0 bis III bean­sprucht werden. Für Pflegebedürftige in Stufe 0 zahlt die Kasse für Tages- und Nacht­pflege monatlich 231 Euro. In den Stufen I bis III steigen die Leistungen der Tages- und Nacht­pflege wie folgt:

  • in Stufe I von 450 auf 468 Euro, mit Demenz auf 689 Euro,
  • in Stufe II von 1 100 auf 1 144 Euro, mit Demenz von 1 100 auf 1 298 Euro,
  • in Stufe III von 1 550 auf 1 612 Euro, egal ob die Person an Demenz leidet.

Pflege auf Zeit

Ebenfalls aufgestockt werden die Leistungen für die Kurz­zeit- und Ersatz­pflege – von 1 550 auf 1 612 Euro pro Jahr in allen Pfle­gestufen. Vor allem für Menschen mit Pfle­gestufe 0 ist das ein großer Fort­schritt: Sie konnten die Kurz­zeit­pflege bislang nicht in Anspruch nehmen.

Eine Kurz­zeit­pflege kann bis zu vier Wochen im Jahr dauern. Sie bietet sich nach einem Klinik­aufenthalt an, wenn unklar ist, ob der Patient zuhause zurecht­kommen würde. Dann über­nimmt zunächst eine Pfle­geeinrichtung die Versorgung. Angehörigen verschafft das Luft, um gegebenenfalls einen Umzug ins Heim zu planen.

Eine weitere Variante ist die Ersatz- oder Verhinderungs­pflege. Sie kann beantragt werden, wenn pflegende Angehörige Zeit für sich brauchen, etwa um ein paar Tage Urlaub zu machen oder wenn sie krank werden. Für diese Zeit zahlt die Pflegekasse eine Ersatz­pflege durch eine professionelle Pfle­gekraft. Bis zum neuen Höchst­satz von 1 612 Euro ist das nun bis zu sechs Wochen pro Jahr möglich.

Die Angebote lassen sich ab Januar flexibler kombinieren. Angehörige, die die Ersatz­pflege nicht komplett bean­spruchen, können den Rest für eine Verlängerung der Kurz­zeit­pflege nutzen und diese auf bis zu acht Wochen ausdehnen. Dafür stehen dann zusammen 3 224 Euro zur Verfügung.

Umge­kehrt können auch unver­brauchte Beträge bei der Kurz­zeit­pflege für die Ersatz­pflege einge­setzt werden. Hier gibt es jedoch nur die Hälfte der Kurz­zeit­pflege dazu, insgesamt maximal 2 418 Euro.

Leicht erhöht wird auch der Betrag für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungs­leistungen – von 100 auf 104 Euro, für Personen mit einer stark ausgeprägten Demenz von 200 auf 208 Euro im Monat. Das Geld gibt es zum Beispiel, wenn ein Pflege­dienst auch vorliest oder mit spazieren geht. Die Kasse über­weist das Geld direkt dem Dienst, der stunden­weise betreut.

Bis zu 4 000 Euro für den Umbau

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Umbau. Haltegriffe im Bad und das Einbauen einer bodengleichen Dusche bezu­schussen die Pflegekassen stärker.

Kräftig erhöht wird der Zuschuss für Umbaumaß­nahmen, die dazu beitragen, dass Pflegebedürftige in ihrer Wohnung bleiben können, Interview mit Eckhard Feddersen. An Maßnahmen wie etwa der behindertengerechten Umge­staltung des Bade­zimmers beteiligt sich die Pflegekasse jetzt mit bis zu 4 000 Euro pro Umbau, 1 443 Euro mehr als bisher.

Finanziert wird all das über Beitrags­erhöhungen in der Pflege­versicherung. Versicherte mit Kindern zahlen künftig 2,35 Prozent, Kinder­lose 2,6 Prozent ihres beitrags­pflichtigen Einkommens – 0,3 Prozent­punkte mehr als bisher.

Lohn­ersatz für Angehörige

Eine zusätzliche Unterstüt­zung kommt ab dem Jahr 2015 vom Bundes­familien­ministerium: Angehörige, die sich freinehmen müssen, um etwa nach dem Schlag­anfall eines Familien­mitglieds dessen Pflege zu organisieren, bekommen ein Pflege­unterstüt­zungs­geld für bis zu zehn Tagen. Die Hilfe ist vergleich­bar mit dem Krankengeld für Eltern, wenn ein Kind erkrankt. Es soll bei 67 Prozent des wegfallenden Brutto­einkommens liegen.

Tipp: Weitere wichtige Informationen bieten die Specials Barrierefrei wohnen: Diese Maßnahmen helfen und Pflege organisieren: HIlfe von allen Seiten.

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