Gute Pfleg­etagegeld­versicherungen können die Finanzlücke im Pflegefall schließen. Die staatlich geförderte Vorsorge taugt aber wenig.

Die gesetzliche Pflege­versicherung wird auch künftig nur einen Teil der Kosten im Pflegefall tragen. Deswegen sollen die Deutschen privat vorsorgen. Seit Januar 2013 zahlt der Staat 5 Euro Zulage im Monat, wenn jemand eine private Pfleg­etagegeld­versicherung abschließt, die den staatlichen Vorgaben genügt. „Pflege-Bahr“ wird die neue Vorsorge nach Bundes­gesund­heits­minister Daniel Bahr auch genannt.

Die staatlich geförderten Versicherungen reichen jedoch bei weitem nicht, um den Geldbedarf im Pflegefall zu decken. Außerdem sind ihre Vertrags­bedingungen oft schlechter als die von unge­förderten Tarifen. Das zeigt sich in unserem Test, in dem wir nicht nur die neuen geförderten Tarife, sondern auch Pfleg­etagegeld­policen ohne Förderung untersucht haben.

Damit eine Versicherung die Lücke zwischen Pflege­kosten und Leistungen der Pflegekasse schließt, muss sie viel leisten:

Pflege­versicherung Test

Wir haben den Finanzbedarf für eine professionelle Pflege aufgrund heutiger Werte geschätzt und als Mess­latte für unseren Test angesetzt. Der Geldbedarf für die häusliche Pflege ist hoch, wenn jemand durch Pfle­gekräfte gut versorgt werden will.

Für eine Versorgung im Pfle­geheim haben wir die Kosten für die Pflege angesetzt, nicht jedoch den Anteil, der auf Unterkunft und Essen entfällt. Denn diese Kosten fallen zuhause ebenfalls an.

Testsieger schließt die Lücke

Die besten privaten Angebote schließen die von uns berechnete Lücke in allen Pfle­gestufen so gut wie möglich und bieten auch Leistungen für Demenz­kranke ohne körperliche Pflegebedürftig­keit – und das zu einem von uns vorgegebenen Beitrag.

Unsere Modell­kunden sind beim Abschluss des Vertrags entweder 45 Jahre alt und bezahlen etwa 55 Euro Beitrag im Monat oder sie sind 55 Jahre alt und bezahlen rund 85 Euro im Monat.

Für beide Modell­fälle hat der Tarif PA der HanseMerkur das Qualitäts­urteil sehr gut erhalten, der Tarif PZV der Deutschen Familien­versicherung (DFV) schneidet für 45-jährige Modell­kunden ebenfalls sehr gut ab, etliche weitere sind gut.

Unseren Testsieger aus dem Jahr 2011, das Angebot der DKV, haben wir in diesen Test nicht aufgenommen, weil Demenz­kranke ohne körperliche Einschränkungen damit keine Leistungen bekommen. Auch einige andere Tarife fehlen aus demselben Grund im Test. Einige Versicherer arbeiten noch an neuen Angeboten.

Wir gehen davon aus, dass die Versorgung in der sogenannten Pfle­gestufe 0 zumindest so viel kosten kann wie in Pfle­gestufe I. Denn Menschen mit Demenz können oft nicht alleine gelassen werden, auch wenn sie körperlich noch fit sind.

Beitrag nagt an der Leistung

Schließt ein Kunde beim Testsieger HanseMerkur mit 55 Jahren einen Vertrag ab und zahlt 85 Euro Beitrag, erhält er in den Pfle­gestufen 0 und I monatlich 700 Euro. Er muss allerdings die Beiträge weiterzahlen. Deshalb haben wir für die Bewertung des Leistungs­niveaus den heutigen Beitrag von der Leistung abge­zogen.

Bei etlichen anderen Tarifen in unserem Test entfällt der Beitrag, sobald jemand in Pfle­gestufe 0 oder I einge­stuft ist. Das ist besser für die Kunden, denn die Beiträge können steigen und lassen im ungüns­tigsten Fall nicht genug Leistung übrig.

Die Leistungen im Tarif PA der HanseMerkur sind jedoch im Vergleich zu anderen Tarifen so hoch, dass sie diesen Nachteil aufwiegen und einen großen Puffer für steigende Beiträge bieten.

Einkommen muss sicher sein

Billig ist eine Pfleg­etagegeld­versicherung schon heute nicht, wenn sie die von uns berechnete Pflegelücke schließen soll. Das bedeutet: Eine solche Versicherung hat nur Sinn, wenn jemand so wohl­habend ist, dass er die Beiträge auf Dauer zahlen kann.

Die Versicherer dürfen die Beiträge erhöhen, wenn sie in Schwierig­keiten geraten und in den nächsten Jahr­zehnten sehr viel mehr für Pflegefälle ausgeben, als sie ursprüng­lich kalkuliert hatten.

Wegen der hohen, kaum zu über­schauenden Beiträge empfehlen wir die Policen eher nicht für Leute unter 40 Jahren – auch wenn von Jahr zu Jahr das Risiko steigt, zu erkranken und deshalb keinen Vertrag mehr zu bekommen. Menschen am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn können normaler­weise nicht absehen, was sie in den nächsten 30, 40 Jahren verdienen werden. Und andere Versicherungen sind wichtiger, zum Beispiel eine Berufs­unfähigkeits­versicherung.

Einige Versicherer bieten zwar an, dass Kunden für eine begrenzte Zeit den Vertrag ruhen lassen können oder sich mit einer Anwart­schaft den späteren Wieder­einstieg sichern können. Doch die Pause ist an strenge Voraus­setzungen geknüpft, zum Beispiel einen längeren Auslands­auf­enthalt.

Die neuen, geförderten Tarifen können bis zu drei Jahre ruhen – allerdings nur dann, wenn Versicherte hilfebedürftig im Sinne der Hartz-IV-Gesetze werden.

Geförderte Tarife allein bringen nichts

Die staatlich geförderten Tarife haben einen großen Vorteil: Die Versicherer dürfen keine Kunden wegen Krankheit ablehnen und keine Risiko­zuschläge oder Leistungs­ausschlüsse verhängen. Nur wer bereits pflegebedürftig ist, bekommt keinen Vertrag mehr.

In Pfle­gestufe III muss aber nur eine Leistung von mindestens 600 Euro im Monat vereinbart sein, das ist viel zu wenig. Die Leistungen in den Pfle­gestufen 0 bis II dürfen nicht weniger betragen als 10, 20 oder 30 Prozent des Betrags für Stufe III.

Die Kunden müssen in diesen Tarifen immer auch bei Pflegebedürftig­keit weiter Beitrag zahlen. Das ist ein großer Nachteil, den die monatliche Zulage von 5 Euro oft nicht wett­machen kann.

Die Bedingungen im Fall einer Demenz­erkrankung sind ebenfalls meist schlechter als in vielen unge­förderten Tarifen. Oft frisst schon bei Vertrags­schluss der Beitrag die Leistung fast auf. Jemand, der mit 55 Jahren den geförderten Tarif der DFV abschließt (siehe Tabelle), zahlt 25 Euro Monats­beitrag. Bei Demenz in Pfle­gestufe 0 bleiben ihm von der Leistung noch 35 Euro im Monat – das reicht noch nicht einmal für einen Nach­mittag Betreuung. Wenn die Beiträge über die Jahre steigen, könnte es passieren, dass der Versicherte draufzahlt.

Einen solchen Vertrag schon mit 30 Jahren abzu­schließen, löst das Problem auch nicht. Zwar ist das Verhältnis von Beitrag und Leistung dann güns­tiger. Wer zum Beispiel bei der Huk-Coburg mit 30 Jahren einsteigt, erhält für 10 Euro Monats­beitrag rund 815 Euro Leistung in Pfle­gestufe III. Doch die meisten Menschen werden erst mit über 80 Jahren pflegebedürftig. Bis zur ersten Leistung vergehen möglicher­weise mehr als 50 Jahre. Was sich in Deutsch­land bis dahin politisch und wirt­schaftlich verändert, kann heute niemand wissen.

Ein geförderter Tarif kommt am ehesten für junge Leute mit einer schweren Krankheit infrage, die zum Pflegefall werden können. Sie bekommen keinen regulären Tarif und können sich so zumindest ein wenig privat absichern. Allerdings gibt es eine Warte­zeit von fünf Jahren.

Kombinations­tarif nicht immer besser

Die Versicherer befürchten möglicher­weise einen starken Zulauf kranker Neukunden. Sie bieten unge­förderte Tarife in Verbindung mit geförderten an. Offen­bar soll die staatliche Zulage auch Gesunde in die geförderten Tarife locken, um dort die Risiko­mischung zu verbessern.

Bei der Debeka, einem der größten privaten Kranken­versicherer, erhalten Kunden gar keine unge­förderte Versicherung, wenn sie nicht auch den staatlich geförderten Tarif abschließen. Aus der Sicht der Versicherer ist das verständlich. Doch für die Kunden wiegt die staatliche Förderung die Nachteile der Zulagen­tarife oft nicht auf.

Wir haben die Kombinationen geprüft, konnten aber aufgrund der unterschiedlichen Vertrags­bedingungen kein Qualitäts­urteil bilden. Beim Leistungs­niveau in den Pfle­gestufen I bis III schneiden die Kombinations­tarife oft etwas besser ab, weil die staatliche Zulage den Beitrag subventioniert. Die Leistungen bei Demenz sind hier dagegen eher schlechter als in einem voll­ständig unge­förderten Tarif.

Unser 55-jähriger Modell­kunde bezahlt für die Kombination aus gefördertem und unge­fördertem Tarif beim Testsieger HanseMerkur sogar mehr, als wenn er sich vergleich­bare Pflegegeldzah­lungen über den unge­förderten Tarif PA sichern würde.

Für Kunden, die bei Vertrags­schluss jünger sind, wird der Beitrag in der Tarif­kombination durch die staatliche Subvention dagegen güns­tiger. Doch auch sie kaufen sich einen Vertrags­teil mit schlechteren Bedingungen ein. Es kann sein, dass lang­fristig die staatliche Zulage die Nachteile der geförderten Tarife nicht aufwiegt.

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