So haben wir getestet

Im Test

Finanztest hat 23 Pfleg­etagegeld­tarife ohne staatliche Förderung sowie den Tarif der Debeka untersucht, der nur in Kombination mit einem geförderten Tarif abschließ­bar ist. Außerdem haben wir 17 Pfleg­etagegeld­tarife mit staatlicher Förderung untersucht, auch Pflege-Bahr genannt. Ebenfalls untersucht, aber nicht in Tabellen dargestellt haben wir 17 Tarife, die einen geförderten mit einem unge­förderten Tarif kombinieren.

Wir haben die zum Stichtag angebotenen Tarife privater Kranken­versicherer ausgewählt und bewertet, aus denen Pflegebedürftige sowohl bei ambulanter als auch bei stationärer Pflege in allen Pfle­gestufen und bei fest­gestellter einge­schränkter Alltags­kompetenz (Demenz, sogenannte Pfle­gestufe 0) ein Tagegeld erhalten.

Die Nürn­berger Versicherung hat eine Teil­nahme an der Unter­suchung abge­lehnt.

16 Angebote sehen eine fest­gelegte Verteilung der Leistung auf die einzelnen Pfle­gestufen vor und zahlen für eine voll­stationäre Pflege in Pfle­gestufe III 100 Prozent des vereinbarten Tagegelds. Acht Anbieter lassen den Kunden dagegen die Wahl, wie viel Tagegeld sie in jeder einzelnen Pfle­gestufe versichern wollen (flexible Tarife). Allerdings darf auch bei diesen Produkten eine höhere Pfle­gestufe nicht nied­riger versichert werden als die darunter­liegende und für die häusliche Pflege kann keine höhere Leistung vereinbart werden als für eine Versorgung im Heim.

Bietet ein Versicherer mehrere Tarif­arten an, so haben wir die von uns besser bewertete dargestellt.

Abwertungen

Wenn das Gruppen­urteil Leistungs­niveau bei Demenz/Pfle­gestufe 0 mangelhaft ist, kann das Qualitäts­urteil nicht besser als befriedigend sein.

Geförderte Tarife

Modell­kunden. Gemäß den gesetzlichen Vorgaben bieten geförderte Tarife eine Absicherung in Höhe von mindestens 600 Euro in Pfle­gestufe III. Wir haben in der Tabelle für den Vertrags­abschluss mit 45, 55 und 65 Jahren dargestellt, welchen Eigen­anteil die Versicherten monatlich zahlen müssen und welche Leistungen abzüglich des heutigen Beitrags in den Pfle­gestufen ausgezahlt werden. Einige Tarife bieten eine Dynamisierung der Leistung bis zur Höhe der Inflations­rate an. Das bedeutet, dass Versicherte in einigen Jahren, wenn sie pflegebedürftig werden, höhere Leistungen erhalten können als von uns dargestellt. Allerdings steigen dementsprechend auch die Beiträge.

Unge­förderte Tarife

Modell­kunden. Wir haben Tarif­angebote für 45- und 55-Jährige bewertet, die bei Vertrags­abschluss gesund sind. Die 45-Jährigen zahlen einen von uns vorgegebenen Monats­beitrag von rund 55 Euro. Damit lässt sich eine Leistung erzielen, die den von uns berechneten Finanzbedarf in den einzelnen Pfle­gestufen weit­gehend deckt. Bei Vertrags­schluss mit 55 Jahren zahlen Kunden für diese Absicherung bereits rund 85 Euro monatlich. Für den Vergleich haben wir errechnet, welches Leistungs­niveau die Tarife bei dem von uns stan­dardisierten Beitrag bieten. Kunden können die Versicherung in der Regel nicht exakt zu diesen Beiträgen abschließen.

Um die flexiblen Tarife (gekenn­zeichnet mit einer Fußnote) in der Unter­suchung vergleich­bar zu machen, haben wir eine feste Verteilung der Leistung auf die Pfle­gestufen vorgegeben. Diese entspricht annähernd der Verteilung des Geldbe­darfs, den wir für die einzelnen Pfle­gestufen errechnet haben.

Leistungs­niveau (70 %)

Wir haben die Leistungen, die Versicherte für einen stan­dardisierten Beitrag von 55 oder 85 Euro im Pflegefall erhalten würden, dem erwarteten Finanzbedarf gegen­überge­stellt.

Wir bewerten, wie gut dieser Bedarf gedeckt wird. Müssen Kunden auch im Pflegefall weiter Beiträge zahlen, so haben wir in der Berechnung den aktuellen Beitrag von der Leistung abge­zogen.

Bei der Vergabe des Urteils haben wir die Leistungen in den einzelnen Pfle­gestufen nach der Häufig­keit ihres Auftretens gewichtet. Die meisten Pflegebedürftigen sind heute in die Stufen I und II einge­stuft und werden zuhause versorgt.

Leistung bei Demenz/Pfle­gestufe 0 (15 %)

Für Menschen ohne körperliche Pflegebedürftig­keit, aber mit einer fest­gestellten Einschränkung der Alltags­kompetenz, zum Beispiel durch Demenz, gibt es die Pfle­gestufe 0. Wir setzen hier den gleichen Geldbedarf an, den wir für die Pflege in Pfle­gestufe I zuhause fest­gelegt haben. Wir haben bewertet, wie gut die Leistung diesen Bedarf deckt.

Weitere Vertrags­bedingungen (15 %)

Dynamik. Wir haben positiv bewertet, wenn der Versicherer in bestimmten Zeit­abständen ohne erneute Gesund­heits­prüfung eine Erhöhung des Tagegelds zum Ausgleich von Kosten­steigerungen anbietet (ja). Der Beitrag steigt bei einer Erhöhung der Leistung entsprechend. Einige Anbieter beschränken die Dynamik bei Pflegebedürftig­keit oder ab einem bestimmten Alter (eingeschränkt).

Sonderzahlung. Wird ein Versicherter erst­mals pflegebedürftig oder erreicht er eine bestimmte Pfle­gestufe, leisten einige Versicherer eine Einmalzahlung, beispiels­weise zum Umbau der Wohnung. Bei einigen Anbietern flexibler Tarife können Kunden eine Sonderzahlung gegen Aufpreis vereinbaren. Ein „ja“ haben wir vergeben, wenn der Tarif für unseren Modell­fall mehr als 4 000 Euro bietet. Wird weniger gezahlt, gibt es ein eingeschränkt.

Verzicht auf Warte­zeit. In den ersten drei Vertrags­jahren (bei den geförderten Tarifen in den ersten fünf Vertrags­jahren) haben Versicherte keinen Anspruch auf Leistungen. Einige Anbieter verzichten ganz auf diese Warte­zeit (ja) oder leisten zumindest dann, wenn der Versicherungs­nehmer aufgrund eines Unfalls pflegebedürftig wird (eingeschränkt).

Einfacher Nach­weis der Pflegebedürftig­keit. Oft reicht es, die Unterlagen der gesetzlichen Pflege­versicherung oder der privaten Pfle­gepflicht­versicherung vorzulegen, um die Leistungen zu erhalten (ja).

Einige Versicherer behalten sich die Möglich­keit vor, den Pflegebedürftigen durch eigene oder beauftragte Ärzte unter­suchen zu lassen (eingeschränkt) oder sogar immer wieder neue Nach­weise der fortdauernden Pflegebedürftig­keit in halb­jähr­lichen oder kürzeren Abständen zu fordern (nein).

Hilfe­leistung ohne Aufpreis. Viele Unternehmen bieten beispiels­weise Telefonhotlines an, um die Versicherten bei der Suche nach einem Pfle­geheim­platz zu unterstützen (ja).

Leistungen auch nach Sucht­erkrankung. In den meisten Tarifen zahlen die Versicherer im Pflegefall nichts, wenn jemand infolge einer Sucht­erkrankung wie Alkoholismus pflegebedürftig geworden ist (nein). Ein Angebot im Test bietet zumindest einen Teil des Tagegelds (eingeschränkt). Andere zahlen das volle Tagegeld (ja).

Leistungen auch während Kranken­haus­auf­enthalt. Die gesetzliche Pflege­versicherung zahlt für die häusliche Pflege bis zu vier Wochen weiter, wenn der Versicherte in einem Kranken­haus behandelt wird. Einige Tarife im Test tun dies auch, oder der Versicherer zahlt die Leistung sogar für mehr als vier Wochen weiter (ja).

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