Pflegeversicherung Test

Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der Kosten. Für den Rest sind viele Pflegebedürftige auf ihre Kinder ­angewiesen. Doch seit einigen Jahren gibt es private Zusatzversicherungen.

Jeden Monat überweist der Kölner Bankkaufmann Stephan Jauernig* 750 Euro an das Pflegeheim, in dem sein Vater lebt. Der alte Herr ist demenzkrank und seit einem Sturz mit Oberschenkelhalsbruch zu Winterbeginn nicht mehr auf die Füße gekommen.

Die Kasse hat ihm die Pflegestufe I ­bescheinigt. An den Pflegekosten beteiligt sie sich mit 1 023 Euro im Monat. Doch der Heimplatz kostet monatlich knapp 2 800 Euro. Darin sind neben der Pflege auch Unterkunft und Essen, das Wäschewaschen und der Zuschlag fürs Einzelzimmer enthalten. Die Rente und das Ersparte von Jauernig* senior reichen dafür nicht.

Kinder zahlen für ihre Eltern

Pflegeversicherung Test

Im hohen Alter steigt das Risiko stark, zum Pflegefall zu werden. In der Altersgruppe der 70- bis 74-Jährigen sind nur etwa 5 Prozent pflegebedürftig. In der Altersgruppe der 85- bis 90-Jährigen sind es schon nahezu 40 Prozent. Mit einer privaten Pflegezusatz-
versicherung kann man selbst vorsorgen.

Ist die Rente klein und das Vermögen aufgezehrt, springt zunächst das Sozialamt ein. Das musste es im Jahr 2004 bei etwa einem Drittel der rund 630 000 in Heimen lebenden Pflegebedürftigen tun. Haben Heimbewohner einen Ehepartner oder Kinder, müssen diese damit rechnen, dass sie als Unterhaltspflichtige vom Sozialamt zur Kasse gebeten werden.

Sie müssen auch zahlen, wenn der Pflegebedürftige zu Hause von einem professionellen Pflegedienst versorgt wird. Auch dafür reichen die Zuschüsse der Pflegeversicherung oft nicht.

Die Versicherung ist zwar Pflicht für alle gesetzlich und privat Krankenversicherten, sie deckt aber bei weitem nicht die Kosten. Die Zuschüsse der Pflegeversicherung reichten schon bei ihrer Gründung im Jahr 1995 nicht und wurden noch nie erhöht.

Ob die Kasse zahlt und wie viel, hängt davon ab, in welcher Pflegestufe jemand eingestuft ist. Die Pflegestufe bemisst sich danach, wie viel Hilfe ein Mensch dauerhaft braucht. Dann kommt es noch darauf an, wo und von wem er versorgt wird. Lebt der Mensch im Heim oder lässt er sich zu Hause von einem professionellen Pflegedienst betreuen, zahlt die Kasse direkt an das Heim oder den Pflegedienst.

Wird ein Pflegebedürftiger zu Hause von Angehörigen versorgt, zahlt die Kasse ihm ein Pflegegeld, das er an seine Helfer weitergeben kann. Das ist aber viel weniger, als die Kasse bei gleicher Pflegestufe an den ambulanten Pflegedienst überweist.

Im Höchstfall zahlt die Pflegeversicherung 1 432 Euro im Monat für die professionelle Pflege eines Schwerstpflegebedürftigen in der Pflegestufe III. Für die Pflege durch Angehörige gibt es im gleichen Fall nur 665 Euro monatlich.

Mehr als 80 Prozent der etwa zwei Millionen Pflegebedürftigen sind aber in die Stufe I oder II eingestuft und müssen noch mit deutlich weniger auskommen.

Das leistet die Pflegekasse

Auch für vorübergehende Pflege in einem Heim, die Kurzzeitpflege, oder für die Tages- oder Nachtpflege zahlt die Pflegekasse einen Zuschuss. Außerdem trägt sie bis zu vier Wochen im Jahr die Kosten für eine Ersatzkraft, wenn pflegende Angehörige krank werden oder Urlaub machen. Dafür zahlt sie allerdings höchstens 1 432 Euro im Jahr.

Die Kassen bieten Beratung und Pflegekurse für pflegende Angehörige an. Sie können sich auch am Einbau technischer Hilfen im Haushalt wie einer ebenerdigen Dusche oder breiterer Türen beteiligen. Pro Umbaumaßnahme kann der Zuschuss bis zu 2 557 Euro betragen.

All diese Leistungen gibt es aber erst, wenn jemand als pflegebedürftig anerkannt ist. Das ist nicht immer einfach zu erreichen. Ist ein alter Mensch körperlich noch rüstig, braucht aber trotzdem sehr viel Hilfe, bekommt er unter Umständen gar keine oder nur eine niedrige Pflegestufe.

Stephan Jauernigs* Vater hat trotz star­ker Demenz nur die Pflegestufe I und bekommt wenig Geld fürs Heim. Denn die Pflegeversicherung orientiert sich überwiegend an den körperlichen Fertigkeiten oder Einschränkungen.

Für Menschen, die zu Hause gepflegt werden und die so verwirrt sind, dass sie besonders beaufsichtigt werden müssen, gibt es einen kleinen Zuschlag zu den normalen Pflegeversicherungsleistungen: Sie können zusätzliche Leistungen der Kurzzeit-, Tages- oder Nachtpflege im Wert von 460 Euro pro Jahr in Anspruch nehmen.

Zusatzversicherung für alle

Privatpatienten stehen in der Pflege nicht besser da als gesetzlich Versicherte: Die Pflegeversicherung sieht für sie dieselben Leistungen vor. Eine Ergänzung ist deshalb für alle sinnvoll. Finanztest zeigt auf den folgenden Seiten, wie sie sich mit einer ­privaten Zu­satzversicherung gute Pflege ­sichern können.

*Name von der Redaktion geändert.

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