Pflegeversicherung Meldung

Pflegebedürftige brauchen viel Geld, wenn sie auf professionelle Hilfe angewiesen sind. Eine Zusatzversicherung hilft.

Die gesetzliche Pflegeversicherung wird reformiert. Egal, wer die Bundestagswahl gewinnt: Alle Parteien wollen an der Finanzierung des jüngsten Zweiges der ­Sozialversicherung etwas ändern. Die ­Leistungen für Pflegebedürftige deutlich zu verbessern, hat dagegen keine Partei vor. Dabei sind sie seit der Einführung im Jahr 1995 nicht an die steigenden Kosten angepasst worden.

Die gesetzliche Pflegeversicherung ebenso wie die private Pflegepflichtversicherung sollen für Pflegebedürftige eine Art Grundabsicherung bieten. Sie zahlen ein festgelegtes Pflegegeld, wenn jemand von Angehörigen oder Freunden zu Hause versorgt wird, und sie beteiligen sich an den Kosten für professionelle häusliche Pflegedienste oder für die Pflege in einem Heim.

Wie viel finanzielle Unterstützung jemand bekommt, hängt davon ab, in ­welchem Maße er im täglichen ­Leben auf fremde Hilfe angewiesen ist. Der Maßstab hierfür steht im Sozialgesetzbuch XI. Es gibt drei Pflegestufen:

  • Pflegestufe I (erheblich Pflegebedürftige): Jemand benötigt bei Körperpflege, Essen, Aufstehen oder der Fortbewegung mindestens einmal am Tag Hilfe. Diese Versorgung wird Grundpflege genannt. Zusätzlich braucht er mehrmals pro Woche Hilfe im Haushalt. Zusammen beträgt der Hilfebedarf 90 Minuten pro Tag, davon mindestens 45 Minuten Grundpflege.
  • Pflegestufe II  (Schwerpflegebedürftige): Jemand braucht mindestens dreimal pro Tag Grundpflege und mehrmals pro Woche Haushaltshilfe. Zusammen beträgt der Bedarf drei Stunden pro Tag, davon mindestens zwei Stunden Grundpflege.
  • Pflegestufe III (Schwerstpflegebedürftige): Jemand braucht täglich rund um die Uhr Hilfe – insgesamt mindestens fünf Stunden pro Tag. Auf die Grundpflege entfallen mindestens vier Stunden.

Um festzustellen, wie viel Hilfe jemand braucht, erstellt der medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) ein Gutachten, aufgrund dessen die Pflegekasse dem Versicherten eine Pflegestufe zuweist. Bei den privaten Versicherern funktioniert die Einteilung nach dem gleichen Muster, und auch die Leistungen sind gleich hoch.

Wenn die Rente nicht reicht

Ein Pflegeheim kann für einen Schwerstpflegebedürftigen der Stufe III schnell 3 000 Euro kosten. Davon trägt die gesetzliche Versicherung gerade mal 1 423 Euro. Doch auch die Kosten zu Hause können sich leicht auf 1 500 Euro im Monat oder mehr summieren – insbesondere, wenn Pflegebedürftige mehr als die nötigsten Hilfen wünschen.

Wenn das Geld von der Pflegekasse nicht reicht, muss der Pflegebedürftige selbst zahlen. Reicht seine Rente oder sein Vermögen dafür nicht aus, springt die ­Sozialhilfe ein. Das Sozialamt versucht ­jedoch, sich das Geld von unterhaltspflichtigen Angehörigen zurückzuholen.

Wer seinen Kindern das ersparen will, kann mithilfe einer privaten Pflegezusatzversicherung vorsorgen. Die privaten Krankenversicherer bieten solche Policen ­entweder als Pflegetagegeld-Verträge an, aus denen der Kunde je nach Pflegestufe eine bestimmte Summe erhält, die er nach eigenem Ermessen verwenden kann. Oder sie beteiligen sich im Rahmen eines Pflegekostentarifs an den Restkosten nach Leistung der gesetzlichen Versicherung.

Pflegekostentarife erstatten aber nur die reinen Pflegekosten, für die der Versicherte Belege vorweist. Möchte er hingegen ­weitergehende Betreuungsleistungen wie etwa ­Begleitung beim Spazierengehen, oder will er eine eigene Putzhilfe bezahlen, nützt die Versicherung nichts.

Privatschutz für Frauen viel teurer

Eine gute Pflegezusatzversicherung sollte sowohl für häusliche als auch für statio­näre Pflege zahlen – und zwar in allen drei Pflegestufen. Die Beiträge richten sich nach dem vereinbarten Leistungsumfang sowie dem Alter und Gesundheitszustand der Kunden bei Vertragsschluss. Frauen zahlen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung deutlich höhere Beiträge als gleich alte Männer.

Möchte eine 45-jährige Frau sich gut ­absichern, zahlt sie etwa 50 bis 60 Euro im Monat. Das ist viel Geld – doch dafür verfügt sie im Falle schwerster Pflegebedürftigkeit monatlich über mindestens 1 600 Euro zusätzlich. 

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