In Heft 01/2009 berichtete Finanztest ausführlich über Pflegetagegeld-Versicherungen. Zu dem komplexen Thema hatten viele Leserinnen und Leser aber noch weitere Fragen. An dieser Stelle gibts nun die wichtigsten Antworten.

Kinder haften für ihre Eltern

Frage: Inwieweit haften wir als Kinder mit unserem Einkommen und Vermögen, wenn die Eltern nicht genug Geld haben, um ihre Pflegekosten zu tragen?

Finanztest-Antwort: Wenn Sie genug Geld haben, müssen Sie unter Umständen alle Kosten übernehmen, die Ihre Eltern nicht selbst bezahlen können. Zunächst springt zwar das Sozialamt ein, es fordert das Geld aber später von den Kindern zurück. Gibt es mehrere Geschwister, wird bei allen geprüft, inwieweit sie einen Beitrag zum Unterhalt der Eltern leisten können.

Allerdings müssen Sie nur Mittel einsetzen, die Sie nicht für den Lebensunterhalt der eigenen Familie und für ihre eigene Altersvorsorge benötigen. Wie hoch die Freigrenze für den angemessenen Lebensunterhalt ist, und welches Vermögen als „Schonvermögen“ unangetastet bleibt, müssen die Sozialämter in jedem Einzelfall prüfen. Die Freigrenzen liegen aber grundsätzlich höher, als beispielsweise für den Bezug von Hartz IV-Leistungen.

Die Beträge können jedoch im Einzelfall sehr unterschiedlich hoch ausfallen. Finanztest empfiehlt deshalb, sich beim zuständigen Sozialamt zu informieren. Denn die Verwaltungspraxis ist keineswegs bundesweit einheitlich geregelt. Die Sozialämter haben sich aber an der gängigen Rechtsprechung zu orientieren. So hat der Bundesgerichtshof festgelegt, dass Sie bis zu 5 Prozent Ihres Bruttoeinkommens für zusätzliche private Altersvorsorge einsetzen dürfen, bevor Sie zum Unterhalt für Ihre Eltern herangezogen werden (Az. XII ZR 98/ 04).

Unantastbar sind selbst genutzte Häuser und Eigentumswohnungen, soweit sie nicht unangemessen luxuriös sind. Die Verwertung von Vermögen hat außerdem zu unterbleiben, wenn sie wirtschaftlich mit unverhältnismäßig hohen Nachteilen verbunden ist.
Hinweis: Weitere Informationen finden Sie im Artikel Elternunterhalt aus Finanztest 01/2007. Außerdem haben die Verbraucherzentralen zusammen mit ARD Ratgeber Recht den Ratgeber Unterhaltspflichten - Kinder - Eltern, Eltern - Kinder herausgegeben.

Frage: Unsere Eltern werden im Alter nur eine sehr geringe Rente haben. Wie können mein Bruder und ich am besten vorsorgen, damit wir später nicht den Großteil unseres Einkommens aufbringen müssen, um die Pflege unserer Eltern zu bezahlen?

Finanztest-Antwort: Sie können sich der Unterhaltspflicht für die eigenen Eltern generell nicht entziehen. Verwandte in gerader Linie sind gesetzlich verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren. Allerdings nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Kümmern Sie sich deshalb zunächst einmal um Ihre eigene Altersvorsorge. Sparverträge oder andere Formen der Geldanlage, die ausdrücklich diesem Zweck dienen, müssen Sie in der Regel nicht auflösen, um Elternunterhalt zahlen zu können. Auch selbst genutztes Wohneigentum brauchen Sie nicht zu verkaufen oder zu beleihen, um die Pflegekosten für Ihre Eltern zu bezahlen. Falls Ihre Eltern momentan noch nicht deutlich über 55 Jahre alt und weitgehend gesund sind, könnten sie sich auch Angebote für eine von Finanztest mit „gut“ bewertete Pflegetagegeldversicherung machen lassen. Falls Sie und Ihr Bruder es sich finanziell erlauben können, übernehmen Sie die Beiträge ganz oder teilweise. Sollten Ihre Eltern nicht pflegebedürftig werden, ist das eingezahlte Geld allerdings verloren.

... weiter zu Pflegetagegeld: Steuern, Beihilfe und Höhe der Versicherung

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