Pflegerenten­versicherungen. Sie sind viel teurer als andere Policen für den Pflegefall. Dafür bieten sie mehr Flexibilität und mehr Geld bei Demenz.

Pflegerenten­versicherung Test

Der Uhren­test wird oft bei der Diagnose von Demenz­erkrank­ungen einge­setzt. Je nach Schwere der Demenz hat der Patient Probleme, Auf­gaben zu lösen. Hier sollten alle Patienten eine Uhr zeichnen, die 10 Minuten nach 11 Uhr anzeigt. Viele Demenz­patienten gelten in der gesetz­lichen Pflege­versicherung nicht als pflege­bedürftig, auch wenn sie sich im Alltag nicht mehr orien­tieren können und ständig jemanden um sich haben müssen.

Pflegerenten­versicherungen sind die teuersten Vorsorgeangebote für den Pflegefall. Sie bieten – wie andere Versicherungen auch – eine lebens­lange monatliche Leistung, wenn der Kunde pflegebedürftig wird. Anders als andere Policen helfen sie aber schon, wenn ein Mensch dement wird und gleich­zeitig körperlich noch fit ist.

Solche Verträge laufen über Jahr­zehnte – die meisten Menschen werden, wenn über­haupt, erst mit über 80 Jahren pflegebedürftig. Hier kommt ein weiterer Vorteil der Pflegerenten­versicherung ins Spiel. Kunden können einige Jahre aufhören, Beiträge zu zahlen, wenn es eng wird. Sie verlieren nicht gleich alles wie zum Beispiel in der Pfleg­etagegeld­versicherung.

Doch diese Vorteile kosten viel Geld: Schließt eine Frau den Vertrag mit 45 Jahren, erhält sie für 100 Euro Monats­beitrag 781 Euro Rente in allen Pfle­gestufen aus der Pflegerenten­police der Ideal im Test.

Mit einer Pfleg­etagegeld­versicherung, wie wir sie vor einem Monat getestet haben, könnte sie sich schon für 58 Euro viel mehr Leistung im Pflegefall sichern. Im Tarif PZ der Düssel­dorfer bekäme sie dafür beispiels­weise in jeder Pfle­gestufe monatlich 1 050 Euro (siehe Test „Mehr Geld für die Pflege“ Finanztest 02/2011).

Wie viel Leistung es für 100 Euro gibt

Wir haben für 13 Pflegerenten­tarife untersucht, welche Leistungen Kunden in den einzelnen Pfle­gestufen bekommen, wenn sie einen Beitrag von 100 Euro im Monat zahlen.

Uns war wichtig, dass Versicherte in allen drei Pfle­gestufen Geld bekommen. In jeder Stufe sollten die Leistungen so hoch sein, dass sie zusammen mit den Leistungen aus der gesetzlichen Pflege­versicherung für eine gute Versorgung reichen. Ein geringer Beitrag war deshalb nicht sinn­voll.

Das Ergebnis fällt je nach Geschlecht und Alter des Kunden sehr unterschiedlich aus: Eine Frau, die mit 45 Jahren abschließt, bekommt für ihr Geld rund ein Drittel weniger Leistungen als ein gleich alter Mann. Ist jemand beim Abschluss der Police schon älter, schmälert das bei gleichem Beitrag die Leistungen ebenfalls deutlich.

Wir haben in unserer Tabelle Männer und Frauen mit 45 und 55 Jahren unterschieden und die Leistungen mit einer Kenn­zahl bewertet. Je höher diese Zahl, desto höher die garan­tierte Leistung. Die höchsten Werte in allen vier Modell­fällen erreichen Angebote von WWK (Flexi), Ideal, Signal Iduna (Premium) und DANV (Ergo ). Neben den garan­tierten Leistungen kann der Kunde noch Über­schüsse bekommen, falls das Unternehmen beim Anlegen des einge­zahlten Geldes hohe Erträge erwirt­schaftet. In den meisten Tarifen erhöht sich dann die Rente.

Die AachenMünchener verrechnet als Einzige die Über­schüsse mit den Beiträgen. Das heißt, dass unsere Modell­kunden hier nach einigen Jahren weniger als 100 Euro im Monat zahlen, falls es Über­schüsse gibt. Im Gegen­zug erhalten sie im Pflegefall lediglich ihre garan­tierte Rente.

Bei allen anderen bleibt der Beitrag konstant. Auch das ist ein Vorteil gegen­über der Pfleg­etagegeld­versicherung. Die kostet zwar zunächst viel weniger. Doch der Versicherer kann die Beiträge erhöhen, wenn er mehr für Leistungen ausgeben muss als ursprüng­lich kalkuliert.

Für die Pflegerenten­versicherung müssen die Versicherten außerdem keine Beiträge mehr zahlen, wenn sie pflegebedürftig sind. Für die meisten Tagegeld­policen zahlen sie bis zum Lebens­ende.

Mehr Chance auf Leistungen

Ab wann ein Versicherter Leistungen erhält, richtet sich bei der Pflegerente nicht allein nach den Pfle­gestufen der gesetzlichen Versicherung. Wenn der Kunde dies wünscht, kann er sich auch nach den sogenannten ADLs (Aktivitäten des täglichen Lebens) einstufen lassen. Ein Arzt stellt dabei fest, wie viele Tätig­keiten jemand nicht mehr selbst­ständig ausführen kann. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Aufstehen und Zubett­gehen,
  • Fortbewegen in der Wohnung,
  • An- und Auskleiden,
  • Waschen, Baden oder Duschen,
  • Essen und Trinken,
  • Verrichten der Notdurft

Schafft ein Patient mindestens drei dieser Tätig­keiten nicht mehr alleine, wird er als pflegebedürftig anerkannt. Anders als in der gesetzlichen Pflege­versicherung spielt es aber keine Rolle, wie viel Zeit die Hilfe in Anspruch nimmt. Das kann helfen, an Leistungen zu kommen, wenn die gesetzliche Pflege­versicherung die Pfle­gestufe verweigert.

Alle Pflegerenten­versicherungen in unserem Test bieten Menschen mit Demenz so viel Leistung, wie sie sonst in Pfle­gestufe II bekämen, der Volks­wohl Bund zahlt sogar so viel wie für Stufe III. In den gesetzlichen Pfle­gestufen und meisten privaten Pfleg­etagegeld­versicherungen dagegen haben körperlich gesunde Demenzpatienten oft keinen Anspruch auf Leistungen.

Ist jemand zum Beispiel körperlich noch in der Lage, sich anzu­kleiden, braucht aber jemanden, der ihn Schritt für Schritt anleitet, die richtigen Kleidungs­stücke anzu­ziehen, dann wird es schwierig für ihn, auch nur die Pfle­gestufe I zu bekommen. Von der gesetzlichen Pflege­versicherung gäbe es dann maximal 200 Euro im Monat für den „allgemeinen Betreuungs- und Beaufsichtigungs­bedarf“. Dieser rein körperliche Pflege­begriff soll zwar geändert werden, wann und wie ist aber noch unklar.

Pflegerenten­versicherer zahlen, wenn ein Arzt dem Patienten mindestens eine mittel­schwere Demenz bescheinigt. Die Schwere der Demenz wird häufig nach der „Reisberg-Skala“ einge­stuft. Sie hat sieben Stufen.

Stufe 1 und 2 entsprechen ungefähr dem, was man als normale Alters­vergess­lich­keit bezeichnen würde. In den Stufen 3 und 4 hat der Mensch klare Defizite, findet beispiels­weise Wörter nicht, verliert und verlegt wichtige Gegen­stände. Ab Stufe 5, der mittel­schweren Demenz, gibt es in allen Pflegerenten­versicherungen unseres Tests Leistungen. Patienten können sich dann zum Beispiel nicht mehr ohne Anleitung ankleiden oder finden gewohnte Wege nicht mehr.

Kunden dürfen Beiträge aussetzen

Kunden mit einer Pflegerenten­versicherung können vorüber­gehend oder für immer aufhören, Beiträge zu zahlen. Das ist zwar mit erheblichen Einbußen bei der Leistung verbunden, doch immer noch besser, als wenn sie den gesamten Versicherungs­schutz verlieren – wie es meist mit einer Pfleg­etagegeld­versicherung passieren würde.

Selbst wenn ein Kunde 20 Jahre nach Vertrags­schluss gar keine Beiträge mehr zahlen kann, erhält er von den meisten Versicherern etwas mehr als die Hälfte der vereinbarten Leistungen. Nur Ergo bietet hier auffallend wenig.

Kein Vertrag für Kranke

Die Versicherer stellen älteren Interes­senten im Antrag die gleichen Gesund­heits­fragen wie jüngeren. Deshalb ist es sinn­voll, schon mit Mitte 40 über eine solche Absicherung zu entscheiden, auch wenn noch Jahr­zehnte vergehen, bis die Police vielleicht einmal gebraucht wird.

Menschen, die schon ernst­haft erkrankt sind, bekommen im ungüns­tigsten Fall keinen Vertrag mehr. Versicherer fragen im Antrag beispiels­weise, ob jemand in den letzten fünf Jahren wegen Rheuma, Diabetes, psychischen Erkrankungen oder Blut­hoch­druck untersucht oder behandelt wurde.

Angebote mit „vereinfachter Gesund­heits­prüfung“ sind mit Vorsicht zu genießen: Interes­senten sollten genau prüfen, ob sie ausreichend hohe garan­tierte Leistungen in allen drei Pfle­gestufen enthalten und ob es längere Warte­zeiten gibt, bevor sie erst­mals Leistungen aus der Versicherung bean­spruchen können.

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