Oft wird im Kranken­haus klar, dass ein alter Mensch für immer Hilfe braucht. Berater helfen, die Pflege zu organisieren. Dazu bringt Finanztest eine Check­liste mit Tipps zur Organisation von Pflege.

Wenn Angehörige zu ihr kommen, liegen die Nerven häufig völlig blank, sagt Susanne Lindner vom Evangelischen Kranken­haus Köln-Weyertal. Denn im Kranken­haus stellt sich oft heraus, dass Patienten künftig noch mehr Hilfe brauchen als je zuvor. „Da fließen auch mal die Tränen“, sagt die Pflegeberaterin der Klinik.

Viel Zeit bleibt den gestressten Angehörigen nicht. Selbst nach einem Schlag­anfall oder einem Oberschenkelhals­bruch entlassen die Krankenhäuser ihre Patienten meistens nach spätestens zwei Wochen. Bis dahin muss klar sein, wohin der alte Mensch dann geht.

Der Sozial­dienst im Kranken­haus soll Angehörigen für die Zeit nach der Entlassung helfen. Viele Häuser bieten zudem eine spezielle Unterstüt­zung für die „Pflege­über­leitung“ durch Berater wie Lindner.

Die Krankenhäuser helfen im eigenen Interesse. Für jede Diagnose bekommen sie nur eine Pauschale – egal, wie lange der Patient bleibt. Wenn klar ist, wie es nach der Behand­lung weitergeht, muss der Patient nicht im Kranken­haus ausharren.

Doch weil Ärzte und Berater die Angehörigen auch mal über­sehen können, müssen diese manchmal hartnä­ckig nach­fragen. Sonst wird die Entlassung mitunter erst in letzter Minute geplant.

Reha und Geriatrie

Schnell muss es vor allem gehen, wenn ein Patient eine Rehabilitation braucht. Denn die Rehakliniken können nicht jeden Patienten sofort aufnehmen.

In einer Rehaklinik sollen Patienten nach einer anstrengenden Operation wieder zu Kräften kommen. Das soll sie vor einer Behin­derung schützen. Nach einer Knie- oder Hüft­operation, einem Oberschenkelhals­bruch, einem Schlag­anfall oder Herz­infarkt folgt fast immer die Reha.

In anderen Fällen – etwa nach einer Lungen­entzündung – kann es leicht passieren, dass die Krankenkasse der Rehabe­hand­lung nicht zustimmt.

Angehörige sollten deshalb darauf achten, dass der Arzt in seinem Befund nach­voll­zieh­bar begründet, weshalb ein Patient eine Reha braucht. Die gesetzliche Kasse darf die Reha nur über­nehmen, wenn andere Therapien nicht ausreichen würden – etwa die Behand­lung durch einen Physio­therapeuten vor Ort.

Anders sieht es aus, wenn ein Patient auf eine geriatrische Station wechseln soll. Dort werden alters­typische Krankheiten wie Alzheimer oder Diabetes behandelt, die sich während des Kranken­haus­auf­enthalts erst recht bemerk­bar machen.

Ob ein Mensch eine geriatrische Behand­lung braucht, entscheiden allein die Ärzte. Die Krankenkasse über­nimmt in jedem Fall die Kosten. Nur die Über­weisung in eine „geriatrische Reha“ – das ist eine Rehaklinik, die zusätzlich eine geriatrische Behand­lung anbietet – muss die Krankenkasse wie jede Rehabe­hand­lung über­prüfen.

Für kurze Zeit ins Pfle­geheim

Wenn die Behand­lung in Reha und Geriatrie vermutlich keine Besserung bringt, kann ein Mensch auch vorüber­gehend zur „Kurz­zeit­pflege“ in ein Pfle­geheim ziehen. Bis zu vier Wochen bleibt der Patient im Heim, die Angehörigen können in dieser Zeit die häusliche Pflege planen.

Sie können den Patienten auch zur „Tages­pflege“ oder zur „Nacht­pflege“ in ein Heim bringen. Dann ist der pflegebedürftige Mensch tags­über oder in der Nacht im Heim. Die restliche Zeit verbringt er zuhause.

Einen großen Teil der Kosten deckt die Pflegekasse. Sie zahlt, wenn ein Mensch in ein Pfle­geheim geht oder zuhause versorgt wird. Voraus­setzung für die Über­nahme der Kosten ist, dass ein medizi­nischer Gutachter die Pflegebedürftig­keit fest­stellt. Dafür ist der Medizi­nische Dienst der Kranken­versicherung (MDK) zuständig, für privat Versicherte die Firma Medicproof.

Normaler­weise besucht der Gutachter den pflegebedürftigen Menschen einige Wochen später zuhause oder im Pfle­geheim. In der alltäglichen Umge­bung des Pflegebedürftigen kann er einschätzen, wie viel Hilfe notwendig ist. Bis zur Entscheidung des Gutachters muss die Familie die Kosten vorstre­cken. Die Versicherung zahlt rück­wirkend bis zum Zeit­punkt des Antrags.

Wenn im Kranken­haus schon klar ist, dass ein Mensch für immer pflegebedürftig sein wird, können Angehörige aber auch eine „Eilbegut­achtung“ bei der Pflegekasse beantragen. Dann kommt der Gutachter binnen einer Woche. Das hat den Vorteil, dass die Versicherung sofort zahlt.

Damit der Gutachter die Pflegebedürftig­keit richtig einschätzt, sollten Ärzte, Pfleger oder Schwestern notieren, wobei ein Patient Hilfe braucht. Sonst fragt der Gutachter womöglich nur den Patienten – und der gibt sein Gebrechen aus Scham nicht immer zu.

Manchmal kommt der Gutachter gar nicht ins Kranken­haus und prüft nur die Patienten­akte. Dann bestätigt er lediglich, dass ein Patient pflegebedürftig ist und die Kasse zahlen wird. Den Grad der Pflegebedürftig­keit und somit die Höhe der Leistungen bestimmt er später bei einem Besuch.

Häusliche Pflege mit Beratern planen

Kehrt ein Patient nach­hause zurück, sollte klar sein, welche Behand­lung er zuhause braucht. Angehörige sollten schon im Kranken­haus über die häusliche Pflege sprechen. Nach der Zeit im Kranken­haus können sie dazu auch Berater vor Ort aufsuchen, zum Beispiel in einem örtlichen Pfle­gestütz­punkt oder bei einem Wohl­fahrts­verband. Manche Pflegeberater besuchen die Patienten sogar zuhause.

Pflegeberaterin Susanne Lindner geht im Kranken­haus die wichtigsten Punkte durch. Wie kam ein Mensch bisher zurecht, und welche Hilfen wird er in Zukunft brauchen? Sollte immer ein Mensch in der Nähe sein, oder reicht es aus, wenn ab und an jemand nach dem Rechten schaut. Welche Aufgaben können Angehörige über­nehmen, was sollte ein Pflege­dienst über­nehmen?

Die Pflege sei Aufgabe der ganzen Familie, sagt Lindner. Sie soll verbindlich klären, wer genau welche Aufgaben über­nimmt. „Sonst bleibt die Arbeit oft nur an den Ehefrauen und Töchtern hängen“, sagt sie. Auch von der Familie brauchen Angehörige Hilfe.

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