Pflegekurse Meldung

Pflegekurse für Laien informieren pflegende Angehörige und ehrenamtliche Pfleger, wie sie die häusliche Pflege organisieren können und geben praktische Tipps für den Alltag und erklären auch technische Hilfen.

Wer Angehörige zuhause pflegt, kann lernen, wie er den Alltag besser meistern und Belastungen verringern kann. Die Pflegekassen bezahlen den Kurs.

Der größte Pflegedienst in Deutschland ist die Familie. Denn zwei Drittel der über zwei Millionen Pflegebedürftigen werden zuhause betreut. Wenn die Eltern oder ein Ehepartner auf Hilfe angewiesen sind, springen meist Angehörige, Partner, Freunde und Nachbarn ein. Sie helfen beim Einkaufen, Kochen, Putzen. Nach und nach übernehmen sie auch pflegerische Auf­gaben, wenn die Kraft der Betreuten weiter nachlässt, die Körperpflege, An- und Ausziehen immer mehr Mühe bereiten oder gesundheitliche Probleme zunehmen.

Von der Situation überfordert

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In den Pflegekursen sollen die Angehörigen auch angeregt werden, ihre eigene Gesundheit nicht zu vernachlässigen.

Doch nur wenige Menschen sind auf eine solche Aufgabe vorbereitet. Nach einem Unfall oder Schlaganfall sind Ehepartner oder erwachsene Kinder plötzlich mit einem pflegebedürftigen Angehörigen konfrontiert und meist von der Situation überfordert. Und gerade, wenn die Hilfebedürftigkeit nur langsam zunimmt, besteht die Gefahr, dass die Pflegenden ihre eigenen Kräfte und ihre Belastbarkeit überschätzen. Denn Mitgefühl und guter Wille allein tragen nicht über die häufig lange Strecke ständiger Betreuung.

Spezialkenntnisse für Laien

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Entspannungsübungen oder Gedankenaustausch in Gesprächskreisen können zum Beispiel zur seelischen Entlastung beitragen.

Wenn Angehörige zuhause pflegen, brauchen sie auch Spezialkenntnisse, zum Beispiel wie sie noch vorhandene Fähigkeiten fördern können oder was bei der Körperpflege und der Hilfe beim Toilettengang zu beachten ist. Und wer weiß, wie er bettlägerige Patienten vor einem Druckgeschwür bewahrt, kann ihnen Schmerzen und eine langwierige Therapie ersparen.

Um pflegende Angehörige und andere ehrenamtliche Helfer zu unterstützen und zu beraten, fördern und finanzieren die Pflegekassen unter anderem Pflegekurse für Laien. Diese Kurse werden meist in Zusammenarbeit mit Verbänden der freien Wohlfahrtspflege, mit Volkshochschulen, der Nachbarschaftshilfe, mit Bildungsvereinen und ambulanten Pflegediensten an­geboten. Arbeiter-Samariter-Bund und Ar­bei­terwohl­fahrt zum Beispiel veranstalten regelmäßig Kurse, aber auch spezialisierte Anbieter wie etwa die Hamburger Angehörigenschule oder Premio in Berlin.

Praktische Ratschläge

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Pflegekurse sollen die häusliche Pflege erleichtern und verbessern, indem sie pflegerische und medizinische Grundkenntnisse vermitteln. Dort gibt es auch Ratschläge, wie der eigene Rücken beim Umgang mit bettlägerigen Patienten geschont werden kann, aber ebenso Tipps zum einfühlsa­men Umgang mit den Pflegebedürftigen. Außerdem lernen die Teilnehmer, wie sie Pflegemittel und technische Hilfsmittel sinnvoll nutzen können. Die Kurse sollen die Angehörigen und ehrenamtlichen Pflegekräfte auch bei seelischen Belastungen unterstützen und den Erfahrungsaustausch untereinander ermöglichen.

Abends oder am Wochenende

Einführende Kurse dauern meist 10 bis 15 Doppelstunden – beispielsweise mehrere Wochen lang abends oder kompakt an einem Wochenende. Vereinzelt können je nach Bedarf und Interesse auch kürzere Kursbausteine zusammengestellt werden, wie etwa rechtliche Informationen, Rückenschulung, Ernährung im Alter oder Körperpflege. Eine individuelle Pflegeschulung kann auch in der Wohnung des Pflegebedürftigen stattfinden, wenn zum Beispiel Pflegetätigkeiten oder der Gebrauch von Hilfsmitteln gezeigt werden sollen.

Angehörige nutzen Angebote selten

Doch die Kursangebote werden nur zurückhaltend wahrgenommen. Das zeigte zum Beispiel unsere Leserumfrage vom vergangenen Jahr. Drei Viertel der pflegenden Angehörigen, die sich an unserer Umfrage beteiligten, haben noch nie ein Entlastungsangebot genutzt. Zu ähnlich ernüchternden Ergebnissen kommen auch größere Studien, wie das EU-Projekt über pflegende Familienangehörige „Eurofamcare“ oder eine Untersu­chung des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung.

Häufig fehlen einfach die Informationen. Angehörige wünschen sich denn auch vor allem, über wohnortnahe Unterstützungsangebote und Beratungsstellen besser informiert zu werden. Und von ihrer Pflegekasse möchten sie automatisch und regelmäßig über alle Hilfsmöglichkeiten aufgeklärt werden. Das fanden die Eurofamcare-Wissenschaftler in persönlichen Gesprächen mit den Pflegenden heraus. Ein Hindernis für eine Kursteilnahme sind manchmal aber auch lange Wartezeiten bis zum nächsten Kursbeginn oder unregelmäßige Kurstermine, so das Institut für Pflegeforschung.

Chronische Stresssituation

Dabei könnten pflegende Angehörige von den Unterstützungsangeboten profitieren. Studien belegen, dass die häusliche Pflege als chronische Stress- und Belastungssituation erlebt wird, die häufig zu psychischen und psychosomatischen Beschwerden führt. Die seelischen Belastungen reichen von Gefühlen der Überforderung und Hilflosigkeit bis hin zu Verzweiflung. Enttäuscht sind pflegende Angehörige aber auch von der fehlenden Anerkennung der Gesellschaft, so das Institut für Pflegeforschung. Außerdem vermissen sie das Verständnis von Familie und Freunden, wie unsere Leserumfrage im vergangenen Jahr ergab. Und viele Frauen geben zugunsten der Pflege auch ihre Berufstätigkeit auf und erleiden dadurch finanzielle Einbußen.

Angst, Sorge, Verantwortung, Wut

„Es ist immer wieder festzustellen, dass viele Menschen in die Pflegeversorgung ‚reingeworfen‘ werden, ohne sich wirklich klar darüber zu werden, welchen Einsatz eine Pflegeversorgung abverlangt“, schildert Christine Schmidt, Gründerin und Leiterin von Premio, die Situation der Angehörigen. Das Berliner Unternehmen hat sich auf Pflegeberatung und Pflegekurse spezialisiert. Menschen, die sich noch nie mit dem Thema Pflege befasst haben, brauchen viele Informationen zur Pflegeversi­cherung und ihren Möglichkeiten, beobachtet die Krankenschwester und Pflegedozentin. „Nicht zu vergessen ist auch die emotionale Not und Gefühle wie Angst, Sorge, Trauer, Verantwortung, Wut und Ekel“, betont sie.

Pflegende Angehörige, die an einem Kurs teilgenommen haben, empfinden die fachliche Unterstützung als hilfreich und den Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten als positiv und entlastend, bestätigt das Ins­titut für Pflegeforschung.

Das sieht auch Christine Schmidt so: „Nach einem Kurs kann jeder Pflegende sein Umfeld so herrichten, dass die Pflege für die individuelle Situation durchführbar ist. Oder aber es konnte die Erkenntnis gewonnen werden, dass diese Pflege allein nicht mehr zu bewältigen ist und Fachpflege, Kurzzeitpflege, Tagespflege oder ein vollstationärer Einsatz erforderlich wird.“

Das Institut für Pflegeforschung spart aber auch nicht mit Kritik an den Pflegekassen und Pflegekursen. Es mahnt vor allem eine bessere regionale Planung von Pflegekursen an, die sich am Bedarf der pflegenden Angehörigen orientiere. Sinnvoll sei auch ein gemeinsames Kursangebot mehrerer Träger. Und nicht zuletzt müsse die Öffentlichkeitsarbeit für die Kurse verbessert werden, zum Beispiel in Arztpraxen, Apotheken oder Seniorengruppen.

Faltblätter und DVDs für Laienpfleger

Pflegekassen wollen die Pflege durch Angehörige ermutigen. Sie haben ihre Informationen über die Fortbildungsmöglichkeiten für Laienpfleger inzwischen verbessert. AOK, Barmer und DAK beispielsweise informieren im Internet, auf Faltblättern und in Broschüren über die Angebote. Die Barmer hat zusammen mit dem Trias Verlag die DVD „Kompetent und sicher zu Hause pflegen“ veröffentlicht, und auch die DAK bietet ihren Versicherten einen „visuellen Pflegekurs“ als Video oder DVD an.

Es gibt auch zunehmend spezielle Angebote der Pflegekassen, so zum Beispiel für die Angehörigen von Demenzkranken. Dar­über hinaus arbeitet zum Beispiel die AOK Berlin mit dem Verein „Pflege in Not“ zusammen und bietet Beratungstermine bei Konflikten und Gewalt in der Pflege an.

Bewegungsschulung beugt vor

Die Barmer hat für das neue Schulungsprogramm „Kinaesthetics – individuelle Be­wegungsunterstützung für pflegende Angehörige“ eine Rahmenvereinbarung mit Kinaesthetics Deutschland abgeschlossen. Die Schulung soll Pflegenden dabei helfen, körperlichen Folgeschäden vorzubeugen. Gleichzeitig soll diese Technik die Bewegungsmöglichkeiten und Aktivitäten der Pflegebedürftigen selbst fördern.

Auch die Hamburger Angehörigenschule, die in den Asklepios Kliniken Barmbek und Harburg beheimatet ist, bietet eine solche Bewegungsschulung regelmäßig an. Hinzu kommen monatliche Orientierungskurse zur Pflegebedürftigkeit und mehrere Spezialkurse zu Demenz, Parkinson und anderen Erkrankungen. In einem Beratungsbüro können die Angehörigen sich außerdem mehrmals in der Woche über Hilfen nach dem Pflegegesetz beraten lassen – auch dann, wenn die Pflegebedürftigen nicht in der Klinik liegen.

Nicht leicht ausfindig zu machen

Nicht nur dort, sondern im gesamten Bundesgebiet gibt es Unterstützungsangebote für Pflegebedürftige und ihre Familien. Solange die Pflegestützpunkte noch nicht flächende­ckend aufgebaut sind (siehe „Pflegebedürftige und Angehörige“), ist es allerdings nicht ganz leicht, sie auch ausfindig zu machen.

Wer die Informationen bietet

Neben den Kranken- und Pflegekassen ­informieren unter anderem Pflegebera­tungs­stellen der Gemeinden über Unterstützungsangebote, aber auch Krankenhaus-Sozialdienste, Wohlfahrtsverbände und soziale Dienste, Altenbegegnungsstätten und Seniorencafés, Einrichtungen der Al­ten­hilfe und Behindertenfürsorge, Agenturen für ehrenamtliche Arbeit.

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