Viele Menschen haben hohe Ausgaben für Pflege und Betreuung. Daran können sie das Finanz­amt beteiligen.

Pflege­kosten absetzen Special

Tilly Roggel und ihre Haus­halts­hilfe Ludmila Wegrzyn verstehen sich. Sie fanden sich über ein Modell­projekt der Caritas.

Tilly Roggel fühlt sich noch fit. Lediglich ihre Augen machen ihr zu schaffen, sie sieht wenig. Damit sie weiter in ihrer Wohnung bleiben kann, entschied sie sich für eine Hilfe im Haushalt.

Ludmila Wegrzyn ist für sie da. Sie putzt und unterstützt die 93-Jährige bei alltäglichen Aufgaben. So erledigt sie die Einkäufe und kocht. Aber auch bei Arzt­besuchen begleitet sie Tilly Roggel und passt auf, dass sie nicht stürzt.

„Seit sie Hilfe bekommt, geht es meiner Mutter viel besser“, sagt der Sohn Günter Roggel über die Unterstüt­zung im Haushalt. Er hilft seiner Mutter, wo er nur kann. So über­nimmt er etwa den Papierkram, mit dem sie alleine über­fordert wäre, und über­weist den Lohn an die Haus­halts­hilfe.

Hilfe gibt es für Tilly Roggel aber auch vom Finanz­amt. Sie kann die Ausgaben von der Steuer absetzen. Würde ihr Sohn die Kosten aus eigener Tasche bezahlen, könnte er das auch in seiner Steuererklärung angeben.

Pflege­kosten absetzen Special

Günther Roggel hilft seiner Mutter beim Klein­gedruckten – egal ob bei Antrags­formularen, Steuer­erklä­rung oder Über­weisungen.

Ludmila Wegrzyn bekommt einen Tarif­lohn von 1 370 Euro. Hinzu kommen etwa 360 Euro Sozial­versicherungs­abgabe und ein Unfall­versicherungs­beitrag von 21 Euro im Jahr. So kommen rund 20 800 Euro im Jahr zusammen, die Tilly Roggel zahlen muss. Gibt sie die Kosten beim Finanz­amt an, sinkt ihre Steuerlast um 4 000 Euro.

Würde Roggel statt­dessen einen Minijobber auf 400-Euro-Basis beschäftigen, könnte sie nur 510 Euro im Jahr abziehen.

Da Ludmila Wegrzyn direkt im Haushalt mitarbeitet, kann Roggel die Ausgaben als haus­halts­nahe Dienst­leistungen absetzen. Das Finanz­amt zieht 20 Prozent der Kosten, maximal 4 000 Euro, von der Steuer ab. Anerkannt werden auch Ausgaben für den Pflege­dienst, die die gesetzliche Pflege­versicherung nicht über­nimmt. Dafür ist keine Pfle­gestufe oder ärzt­liche Verordnung nötig.

Das zählt beim Finanz­amt

Für sozial­versicherte Haus­halts­hilfen zählen in der Steuererklärung der Brutto­arbeits­lohn, die Sozial­versicherungs­beiträge, Lohn­steuer, Solidaritäts­zuschlag und Kirchen­steuer sowie die Umlagen nach dem Aufwendungs­ausgleichs­gesetz und Unfall­versicherungs­beiträge. Auch Kosten für Reinigungs- oder Spül­mittel können mit angegeben werden.

Ist die Haus­halts­hilfe auf 400-Euro-Basis bei der Minijobzentrale angemeldet, erhält der Steuer­pflichtige über alle Ausgaben wie das Arbeits­entgelt und die Beiträge zur Sozial­versicherung eine Bescheinigung.

Hohe Pflege­kosten

Wenn hohe Pflege­kosten entstehen, ist eine andere Lösung oft güns­tiger. Als außergewöhnliche Belastungen mindern sie dann das zu versteuernde Einkommen.

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen unter anderem Ausgaben für die Pflege und Heim­kosten. Auch Krank­heits­kosten etwa für Medikamente, Hilfs­mittel, Physio­therapeut oder die Praxis­gebühr gehören dazu. Genauso zählen Zahnimplantate, Augen­operationen mit Lasik-Verfahren und Kuren.

Die Pflege­kosten können vom Pflegebedürftigen selbst, aber auch vom Ehepartner oder den Kindern abge­setzt werden, wenn die zu pflegende Person die Ausgaben selbst nicht tragen kann. Die Kosten müssen mit Einzel­belegen nachgewiesen werden.

Sie werden allerdings nicht voll­ständig berück­sichtigt. Das Finanz­amt zieht davon einen Eigen­anteil des zwischen 1 und 7 Prozent ab. Die Höhe hängt von der Kinder­anzahl, dem Familien­stand und dem Gesamt­betrag der Einkünfte ab (siehe Tabelle „Steuererleichterungen für Haushaltshilfe, Pflege und Behinderung“).

Beispiel. Bei Einkünften von 36 000 Euro im Jahr muss beispiels­weise ein Single 6 Prozent, also 2 160 Euro, selbst über­nehmen, bevor sich die Kosten bei der Steuerlast bemerk­bar machen.

Dieser Anteil kann aber als Steuerermäßigung für haus­halts­nahe Dienst­leistungen geltend gemacht werden.

Ausgaben für die Unterbringung

Diese Möglich­keit nutzt auch Erika Hager. Da sie Pfle­gestufe I hat, kann sie die Kosten für die zusätzliche ambulante Pflege und die Unterbringung als außergewöhnliche Belastungen anrechnen lassen. Das wäre auch möglich, wenn die 81-Jährige, die in einem Wohnungs­stift in einem eigenen Apart­ment lebt, schwer erkrankt wäre. Sie hat Einkünfte von 30 000 Euro im Jahr.

Von ihren Ausgaben zieht das Finanz­amt noch eine Haus­halts­ersparnis von 8 004 Euro im Jahr (667 Euro pro Monat) ab, da sie keine weitere Wohnung mehr hat, sowie den zumut­baren Eigen­anteil von 6 Prozent.

Erika Hagers außergewöhnliche Belastung:

Miet- und Betriebs­kosten: 13 400 Euro
Zusätzliche Pflege­kosten: + 6 500 Euro
Haus­halts­ersparnis: - 8 004 Euro
Zumut­bare Belastung (6 % von 30 000 Euro Einkünften): - 1 800 Euro
= Außergewöhnliche Belastung: 10 096 Euro
Steuerersparnis 2 967 Euro

Erika Hager hat ein steuerlich relevantes Einkommen von 27 000 Euro im Jahr. Das Finanz­amt zieht davon die außergewöhnlichen Belastungen ab. Am Ende bleiben noch 16 904 Euro zu versteuerndes Einkommen. Darauf entfallen 1 992 Euro Einkommensteuer inklusive Solidaritäts­beitrag. Das sind 2 967 Euro weniger Steuern, als sie ohne die Ausgaben für Pflege und Unterbringung hätte aufbringen müssen. Weiteren Steuer­abzug bringen die zumut­bare Belastung und Reinigungs­kosten.

Steuer­abzug für Haus­halts­hilfen:

Pflege­leistung: maximal zumut­bare Belastung (eintragen in Mantelbogen Zeile 71): 1 800 Euro
Reinigungs­kosten: + 1 800 Euro
= Gesamt­kosten: 3 600 Euro

20 % von 3 600 Euro: 720 Euro
Abzug von Steuerschuld: 720 Euro

Zusammen mit der Steuerermäßigung von 720 Euro beträgt die Steuerersparnis bei der Einkommensteuer inklusive dem Solidaritäts­zuschlag 3 687 Euro.

Pflegende Familien­angehörige, die ihre Ausgaben nicht einzeln nach­weisen wollen, bekommen den Pflegepausch­betrag von 924 Euro. Auch wird ihnen keine zumut­bare Belastung abge­zogen. Bedingung ist, dass sie ihre Angehörigen persönlich und unentgeltlich pflegen.

Möglich ist das auch, wenn eine dritte Person das Pflegegeld der gesetzlichen Pflege­versicherung für die Betreuung bekommt. Kümmern sich mehrere Kinder gemein­sam um einen Pflegebedürftigen, wird der Pausch­betrag geteilt. Voraus­setzung für den Frei­betrag ist, dass der Pflegebedürftige Leistungen der Pfle­gestufe III erhält oder einen Schwerbehinderten­ausweis mit dem Merkzeichen „H“ vom Versorgungs­amt besitzt.

Tipp: Sind die Pflege­kosten höher als der Pausch­betrag, lohnt es sich meistens, wenn Sie die Ausgaben einzeln nach­weisen und als außergewöhnliche Belastungen geltend machen.

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