Pflegegeld: Steuerfreies Pflegegeld und Tücken für Fach­familien

Welche staatlichen Leistungen bekommen Pfle­geeltern?

  • Das Jugend­amt zahlt Pflegegeld für Ernährung, Unterkunft, Bekleidung, Schulbedarf und Taschengeld für Kinder in Voll­zeit­pflege (siehe Tabelle unten).
  • Auf Antrag gibt es Beihilfen für die nötige Grund- und Erst­ausstattung etwa mit Bekleidung und Mobiliar.
  • Pfle­geeltern können Kindergeld erhalten.
  • Das Jugend­amt erstattet Beiträge für die private Unfall­versicherung (bis etwa 155 Euro pro Jahr) und die hälftigen Kosten einer privaten Alters­vorsorge (bis etwa 43 Euro pro Monat) des Kindes. Die Beiträge können variieren.
  • Haft­pflicht­schutz kann über das Jugend­amt bestehen. Falls nicht, sollten Pfle­geeltern das Kind mit in ihre Police aufnehmen.
  • Gesetzlich Kranken­versicherte können Pflege­kinder in die Familien­versicherung aufnehmen. Bei privat Kranken­versicherten über­nimmt das Jugend­amt die Kranken­hilfe­kosten.

Monatliche Pauschal­beträge* für ein Pflegekind

* Empfehlung des Deutschen Vereins für öffent­liche und private Fürsorge e. V. (deutscher-verein.de). Je nach Kommune und Bundes­land kann es Abweichungen geben.

Alter des Pflegekindes

Sach­aufwand (Euro)

Pflege und Erziehung (Euro)

Pflegegeld insgesamt (Euro)

0 bis 5 Jahre

508

237

745

6 bis 11 Jahre

589

237

826

12 bis 18 Jahre

676

237

913

      Muss das Pflegegeld versteuert werden?

      Nein, das Pflegegeld gibt es steuerfrei (§ 3 Nr. 11 EStG), aber es gehört als Einnahme aus freiberuflicher Tätig­keit (§ 18 EStG) in die Steuererklärung, in Zeile 46 der Anlage S. Aufgrund der Steuerfreiheit gibt es für Betreuungs­kosten keinen Abzug (§ 3c EStG).

      Worauf müssen sogenannte Fach­familien achten?

      Hat ein Eltern­teil eine pädagogische Vorbildung, die ihn befähigt auch verhaltens­auffäl­lige Kinder außer­halb eines Heims zu betreuen, kann die Familie als Fachfamilie (§ 34 SGB VIII) gelten. Die Pfle­geeltern dürfen ein höheres Pflegegeld aushandeln, müssen das aber versteuern. Im Gegen­zug können sie Kosten als Betriebs­ausgaben angeben. Statt Ausgaben im Einzelnen darzulegen, akzeptiert das Finanz­amt bei einer Betreuung von 40 Stunden je Woche pauschal 300 Euro im Monat.

      Tipp: Vor dem Bundes­finanzhof laufen derzeit mehrere Verfahren gegen die Besteuerung von Fach­familien. Legen Sie Einspruch gegen Ihren Steuer­bescheid ein und beantragen Sie die Aussetzung der Voll­ziehung und Ruhen des Verfahrens.

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