Kinder­geld: Familien­kasse und Finanz­amt über­zeugen

Wann stehen Pfle­geeltern Kinder­geld oder Kinder­frei­beträge zu?

  • Pfle­geeltern müssen nicht unbe­dingt das Sorgerecht für die betreuten Kinder innehaben. Entscheidend ist vielmehr, dass sie das Pflegekind in einem familien­ähnlichen Verhältnis dauer­haft betreuen. Das Pflege­verhältnis kann sogar zwischen Groß­eltern und Enkeln oder zwischen erwachsenen und minderjäh­rigen Geschwistern bestehen.
  • Es finden höchs­tens gelegentliche Besuche der leiblichen Eltern statt. Bei einem nicht schul­pflichtigen Kind dürfen für ein Jahr „keine für die Wahrung des Obhuts- und Pflege­verhält­nisses ausreichenden Kontakte bestehen“. (Bundes­finanzhof [BFH], Az. III R 14/94), bei schul­pflichtigen Kindern wird nach zwei Jahren davon ausgegangen (BFH, Az. III R 95/93). Je älter das Kind, desto weniger Kontakt muss mit den leiblichen Eltern bestehen.
  • Das Kind lebt im selben Haushalt wie die Pfle­geeltern, es wird dort versorgt und betreut wie in einer Familie. Ziehen aber die Pfle­geeltern zum Kind, wird das nicht als Pflege­verhältnis anerkannt (BFH, Az. III R 70/09).
  • Die Pfle­geeltern dürfen kein gewerb­liches Interesse mit der Pflege verfolgen. Ein Gewerbe wird ihnen unterstellt, wenn sie bereits mehr als sechs Pflege­kinder aufgenommen haben. Auch wer als Fachfamilie (siehe Kasten oben) Geld für die Unterbringung des Kindes in einer betreuten Wohn­form bekommt, hat keinen Anspruch auf Kinder­geld oder Frei­beträge.

Wer bekommt den Kinder­frei­betrag und wer das Kinder­geld?

  • Hier gibt es keinen Unterschied zu leiblichen Kindern. Der Frei­betrag wirkt sich aus, wenn er steuerlich mehr bringt als das Kinder­geld. Mit der Steuererklärung prüft das Finanz­amt auto­matisch, was güns­tiger ist, und vergleicht Kinder­frei­betrag plus Erziehungs­frei­betrag mit dem Kinder­geld. Der volle Kinder­frei­betrag beträgt 4 716 Euro pro Jahr. Hinzu kommt der Erziehungs­frei­betrag von 2 640 Euro. Das Kinder­geld liegt bei 192 Euro im Monat für das erste und zweite Kind, 198 Euro für das dritte und 223 Euro für jedes weitere Kind. Sollten die Frei­beträge nicht güns­tiger sein als das Kinder­geld, mindern sie trotzdem Solidaritäts­zuschlag und Kirchen­steuer.

Dieser Artikel ist hilfreich. 38 Nutzer finden das hilfreich.