Ab Herbst Informationen zur Pflegequalität: Doch die Transparenz ist getrübt

Mit Schulnoten: Bislang konnte man nur darauf vertrauen, dass ein Pflegedienst seine Arbeit gut macht. Ab Herbst müssen sich die Pflegedienste jedoch der Öffentlichkeit stellen: Dann ist im Internet nachzulesen, welche Qualität ihnen die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) bescheinigen. Wer einen Pflegedienst sucht, kann sich dann anhand von „Schulnoten“ über die Ergebnisse der gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen informieren. Ermöglicht wird dies durch die sogenannte Transparenzvereinba­rung zwischen Pflegediensten und Pflegekassen, die seit Anfang 2009 gilt.

Woran es hapert: Die Gesamtnote jedes Pflegedienstes ergibt sich aus 37 Bewertungskriterien. So prüft der MDK unter anderem, ob die Pflege­bedürftigen gut betreut werden, zum Beispiel bei der Körperpflege, ob die Pfleger auch individuelle Wünsche berücksichtigen und ob sie Angehörige auf eventuelle Risiken aufmerksam machen. Diese und ähnliche Prüfkriterien standen auch bisher schon im Mittelpunkt der Qualitätsbewertung. Einige Änderungen trüben jedoch die beabsichtigte Transparenz. Bei der neuen Prüfung bewertet der MDK nämlich verschiedene Aufgaben der Pflegedienste nur dann, wenn sie im Pflegevertrag vereinbart wurden.

Ein Beispiel: Wenn bettlägerige Patienten nicht regelmäßig umgebettet werden, entstehen leicht schmerzhafte Druckgeschwüre. Ob die Pflegekräfte auf das Risiko achten und angemessen reagieren, begutachten die Prüfer nur dann, wenn dies zwischen Patient und Pflegedienst vertraglich vereinbart wurde. Das ist ein Rückschritt für die Patienten und ihre Angehörigen. Denn Pflegedienste, die vorbeugend handeln, werden nicht mit einer guten Bewertung belohnt. Andere Dienste hingegen, die nicht sachgerecht reagieren, sind mit Verweis auf eine fehlende Vereinbarung aus ihrer pflegerischen Verantwortung entlassen.

Ein weiteres Manko: Laut Transpa­renzvereinbarung werden alle Prüf­kriterien gleich gewichtet. Ein Pflegedienst kann so im Gesamtergebnis schlechte Noten bei den pflegerischen Leistungen durch gute Organisation, Dokumentation oder Kostenvoran­schläge ausgleichen.

Tipp: Wenn Sie herausfinden wollen, wie gut ein ambulanter Pflegedienst seine Patienten betreut, sollten Sie nicht nur auf die Gesamtnote achten, die veröffentlicht wird. Sehen Sie sich auf jeden Fall die Bewertung der einzelnen Qualitätskriterien an, die sollen nämlich auch im „Zeugnis“ stehen. Achten Sie insbesondere auf die Ergebnisse bei den „pflegerischen Leistungen“ und den „ärztlich verordneten pflegerischen Leistungen“. Es ist noch nicht geklärt, auf welcher Internetseite die Infos veröffentlicht werden. Die Kranken- und Pflegekassen können dar­über Auskunft geben. Die Pflegedienste müssen die Prüfungsergebnisse auch in ihrem Büro aushängen.

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