Interview: Was eine gute Pflegeberatung ausmacht

Pflegeberatung Special

Andreas Büscher

Pflegewissenschaftler Prof. Andreas Büscher von der Hoch­schule Osnabrück weiß, was gute Beratung ausmacht. Er hat gemein­sam mit Vertretern von Kosten­trägern, Ministerien, Erbringern von Leistungen Qualitäts­kriterien für die Pflegeberatung entwickelt. Im Interview mit test.de erklärt er, warum es so wichtig ist, dass der Pflegeberater immer auf die individuelle Situation eingeht.

Höchst unterschiedliche Angebote

Was ist das Problem auf dem Markt der Pflegeberatung? Fehlt gute Beratung?

Büscher: Es gibt zwar eine Vielzahl von Anlauf­stellen, bei denen Ratsuchende beraten werden, jedoch sind einzelne Angebote recht unterschiedlich ausgestaltet. Wie gut diese tatsäch­lich sind und im Pfle­geall­tag weiterhelfen, darüber liegen kaum Erkennt­nisse vor. Die von uns entwickelten Qualitäts­kriterien geben Hinweise wie eine qualitativ hoch­wertige Beratung aussehen sollte.

Was sind Kriterien für eine gute Pflegeberatung?

Versicherte, die in eine Beratung kommen, fragen selten konkret und beschreiben oft erst einmal die Situation, in der sie sich befinden. Der Berater muss in so einem Fall erst einmal die Situation strukturiert erfassen, um die Haupt­probleme zu heraus­zuarbeiten. Darauf aufbauend eröffnet er dem Ratsuchenden best­mögliche Lösungen, die zum Alltag der Ratsuchenden passen und in ihrem Alltag auch umge­setzt werden können. Vielfach reicht es zum Beispiel nicht, lediglich die Leistungen der Pflege­versicherung aufzuzählen ohne die individuelle Pflegesituation zu berück­sichtigen.

Berater sollte auf individuelle Situation eingehen

Können Sie das an einer konkreten Situation verdeutlichen?

Jede Pflegesituation bringt Besonderheiten mit sich. In einem Fall sind es pfle­gepraktische Fragen, die es zu lösen gilt, etwa wie man am besten mit einer Mobilitäts­beein­trächtigung umgehen kann. In einem anderen Fall steht die Belastung von Angehörigen angesichts der vielen und dauer­haften Pfle­geaufgaben im Mittel­punkt. Auch kann die Beziehung zwischen pflegender und gepflegter Person angespannt sein und die Pflege erschweren. Manche Ratsuchende brauchen Hilfen, um zu entscheiden, wie sie weiter mit der Pflege umgehen sollen, andere brauchen sehr praktische Hilfen und wiederum andere benötigen einen Über­blick über die Leistungen der Pflege­versicherung und professionelle Unterstüt­zungs­angebote in ihrer Stadt

Was macht einen guten Berater aus?

Die zugewandte Begleitung des Fragenden in der Pflegesituation ist die Haupt­aufgabe des Beraters. Er muss Fachwissen besitzen, also etwas von Pflege verstehen, und er muss persönlich kompetent sein. Das zeigt sich zum Beispiel darin, ob er zuhört und sein Gegen­über ernst nimmt. Geht er auf seine Geschichte ein und schlägt individuelle Lösungen vor? Auch erklären gute Berater nach dem Erfassen der Situation das weitere Vorgehen: Was für wen zu tun ist, welche Dienste und Einrichtungen einbezogen werden sollten und wie er selbst unterstützen kann.

Jetzt freischalten

SpecialPflegeberatungFinanztest 04/2017
0,50 €
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 3 Seiten).

Wie möchten Sie bezahlen?

  • Unser Tipp
    test.de-Flatrate

    Freier Zugriff auf alle Testergebnisse und Online-Artikel für 7,00 € pro Monat oder 50,00 € im Jahr. Abonnenten von test oder Finanztest zahlen die Hälfte.

    Flatrate neu erwerben

  • Diesen Artikel per Kreditkarte kaufen
  • Diesen Artikel per PayPal kaufen
  • Diesen Artikel per Handy kaufen
  • Gutschein einlösen
Preise inkl. MwSt.
  • kauft alle Testprodukte anonym im Handel ein,
  • nimmt Dienstleistungen verdeckt in Anspruch,
  • lässt mit wissenschaftlichen Methoden in unabhängigen Instituten testen,
  • ist vollständig anzeigenfrei,
  • erhält nur rund 6 Prozent ihrer Erträge als öffentlichen Zuschuss.

Dieser Artikel ist hilfreich. 30 Nutzer finden das hilfreich.