Wird ein Mensch pflegebedürftig, hat die ganze Familie viele Fragen. Hilfe geben unterschiedliche Anlauf­stellen – fast immer gratis.

Pflegegeld, Tages­pflege, Verhinderungs­pflege, Familien­pflege­zeit, Sach­leistungen, Entlastungs­betrag – diese Leistungen stehen Pflege­versicherten zu, wenn sie selbst oder ein Angehöriger pflegebedürftig sind. Doch wie bekommt man diese Leistungen, wer bietet sie an und welche gibt es noch? Nach fünf Pflegereformen in neun Jahren ist für Laien kaum über­schaubar, was ihnen zusteht. Klar ist: Ohne professionellen Rat kommt kaum jemand weiter. Wir wollten wissen, wohin sich Menschen mit ihren Fragen zum Thema Pflege wenden können.

Rechts­anspruch auf Pflegeberatung

Wer Leistungen aus der Pflege­versicherung bezieht oder beantragt, hat einen Rechts­anspruch auf eine kostenlose Beratung durch die Pflegekasse oder den Kranken­versicherer (Unser Rat). In einer Beratung kann die nötige Unterstüt­zung gefunden werden, um den Pfle­geall­tag zu Hause zu organisieren. Pflegeberater helfen, nach einem Kurz­zeit­pfle­geplatz zu suchen, oder begleiten pflegende Angehörige in schwierigen Situationen.

Martin Kamps berät in der Pflege- und Wohn­beratung in Ahlen, Nord­rhein-West­falen: „In 25 Prozent der Fälle erstellen wir auch einen Versorgungs­plan.“ Der Plan bringt Beteiligte wie Angehörige, Pflege­dienst, Betreuungs­dienst und die Versorgung mit Hilfs­mitteln unter einen Hut. Auch nennt er die Kosten­träger.

Gut 500 Pfle­gestütz­punkte

Nach dem Willen des Gesetz­gebers sollen Pflege­versicherte ihren Anspruch auf eine unabhängige und fachlich kompetente Beratung vor allem in Pfle­gestütz­punkten einlösen. Das sind Beratungs­stellen in Wohn­ortnähe (Wichtige Anlaufstellen bei Fragen zur Pflege). Deutsch­land­weit gibt gut 500 – unterschiedlich verteilt: Während es in Rhein­land-Pfalz mehr als 135 und in Nieder­sachsen über 70 gibt, haben Sachsen und Sachsen-Anhalt gar keinen Stütz­punkt.

Neues Gesetz will mehr Beratung

Aber auch Pflege­dienste und freie Pflegeberater helfen weiter. Insgesamt gibt es inzwischen bundes­weit mehr als 4 500 dieser Anlauf­stellen; aufgeführt sind sie in der Daten­bank des Zentrums für Qualität in der Pflege (Unser Rat).

Auf den ersten Blick scheint das Angebot groß. Doch nicht über­all haben Pflege­versicherte gleich gute Chancen, in nächster Nähe beraten zu werden. Vor allem außer­halb größerer Städte müssen sie bis zur nächsten Pflegeberatung weit fahren. Christian Heerdt vom Kuratorium für Deutsche Alters­hilfe (KDA) sagt: „In ländlichen Gegenden fehlt häufig bedarfs­gerechte und unabhängige Beratung.“

Um dieses Problem zu lösen und mehr Versicherten eine anbieter­unabhängige Beratung zu ermöglichen, will der Gesetz­geber die Kommunen an der Beratung beteiligen. In 60 Städten und Kreisen sollen modell­haft kommunale Beratungs­stellen entstehen. So steht es im Pfle­gestärkungs­gesetz III. Die Kommunen sollen die Beratungs­aufgaben der Pflegekassen über­nehmen. Bis die neuen Stellen geschaffen sind, wird es noch dauern.

Anbieter­listen von Kassen

Fehlt eine Beratungs­stelle in der Nähe, ist der Haus­arzt ein guter Ansprech­partner. Er und sein Praxis­personal kennen häufig die Hilfeanbieter in der Gegend, manchmal liegen auch Prospekte im Warte­zimmer.

Für den Anfang hilft die eigene Pflegekasse zumindest telefo­nisch weiter. Kassen­mit­arbeiter sollten Auskunft über Hilfs­angebote in der Nähe des Pflegebedürftigen geben. Kann die Kasse selbst nicht beraten, sollte sie zumindest eine Anlauf­stelle nennen, die das in ihrem Auftrag über­nehmen kann.

Die Krankenkassen müssen außerdem ihren Versicherten auf Anfrage Leistungs- und Preislisten von Pfle­geheimen, Pflege­diensten und weiteren Hilfs­angeboten zusenden.

Pflege­dienst und Sozialstation

Bei Fragen zu Leistungen der Pflege­versicherung zu Hause sind auch Pflege­dienste und Sozialstationen zuständig. Sie beraten vor allem dann, wenn eine Pfle­gekraft schon ins Haus kommt oder kommen soll. Der Dienst kann einschätzen, wie viel Pflege notwendig ist und ab wann mehr nötig sein wird. Dann muss der Pflegebedürftige eine Höher­stufung des Pfle­gegrades bei seiner Kasse beantragen.

Beratungs­pflicht bei Pflegegeld

Pflege­dienste beraten auch, wenn nur Pflegegeld gezahlt wird – das ist der Fall, wenn sich ausschließ­lich nahe­stehende Personen kümmern. Mit Bewil­ligung der Leistung informiert die Kasse den Versicherten darüber, dass er sich regel­mäßig beraten lassen muss.

Das Gesetz schreibt bei Pfle­gegrad 2 und 3 eine halb­jähr­liche und bei Pfle­gegrad 4 und 5 eine vierteljähr­liche Beratung vor. Oft nehmen Betroffene diesen Besuch als Kontroll­besuch wahr, weiß Pflegeberater Martin Kamps aus seinen Beratungen: „Das soll er aber nicht sein. Zweck des Gesprächs ist, offene Fragen, die die Pflege betreffen, zu klären und die Qualität in der häuslichen Pflege zu sichern.“

Hilfe aus dem Internet

Einen ersten Über­blick über Leistungen der Pflege­versicherung liefert das Internet. Vor allem die großen Kassen bieten auf ihren Webseiten Daten­banken zur Suche nach Pfle­geanbietern vor Ort und Formulare wie den Antrag auf Pflege­leistungen. Zudem können Pflegende sich auf Internet­seiten und in Foren wie pflegen-und leben.de, pflegendeangehoerige.info und elternpflege-forum.de mit Psycho­logen und anderen Betroffenen austauschen. Hier werden ihre Fragen beant­wortet und sie erhalten Tipps, wie der Pfle­geall­tag leichter zu bewältigen ist.

Freie Pflegeberater

Haben Angehörige keine Zeit, den Alltag des Pflegebedürftigen zu organisieren, helfen freie Pflegeberater weiter. Gegen Honorar beraten sie in der Wohn­umgebung. Eine von ihnen ist Elisabeth Beagles. Sie arbeitet als Pflegesach­verständige in Berlin: „Oft rufen erwachsene Kinder bei mir an, die nicht in der Nähe der Eltern wohnen oder die mit der Pflege über­fordert sind.“ Beagles hilft, geeignete Pfle­geanbieter zu finden. Für eine Stunde Beratung nimmt sie 53 Euro plus Fahrt­kosten.

Nicht alle Hilfe­angebote sind jedoch seriös. Gerade im Internet tummeln sich Anbieter, die für ihre Beratung und die Hilfe bei der Einstufung in einen Pfle­gegrad mehrere Hundert Euro nehmen.

So viel Geld auszugeben, ist unnötig. Es gibt genug Anlauf­stellen für kostenlosen Rat. Auch freie Pflegeberater helfen in der Regel güns­tiger und genauso gut weiter.

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