Pflege zu Hause Test

Was tun, wenn die Eltern ge­pflegt werden müssen? Viele Familien setzen auf preiswerte Kräfte aus Osteuropa. Wir haben die Vermittler dieser Hilfen getestet. Werden Kunden gut beraten, Betreuerinnen passend ausgewählt?

Berta W., 90 Jahre alt, lebt noch in ihrer Wohnung. Dort ging ihr Katharina aus Polen zur Hand, half auch bei Toilettengängen. Nun ist Berta W. bettlägerig geworden, muss wegen des Risikos von Druckge­schwüren stets neu gebettet werden, auch nachts. Hier hilft Katharina ebenfalls – für Tochter Eva S. ein Glücksfall: „Ich habe Katharina über eine Agentur gefunden. Für mich gab es dazu keine Alternative.“

Finanziell geht es darum, ob zuhause für eine 24-Stunden-Betreuung pro Monat zwischen 1 200 und etwa 2 500 Euro plus freie Kost und Logis fällig werden oder 2 700 bis 3 200 Euro: Die fallen laut einem Faltblatt der Verbraucherzentralen pro Monat bei einer entsprechenden Betreuung durch einen zugelassenen ambulanten Pflegedienst an. Je nach Betreuungs- und Pflegeaufwand kann es deutlich teurer werden.

Ambulante Pflegedienste bieten zudem nur selten eine 24-Stunden-Betreuung mit einer Kraft an, die mit im Haushalt wohnt. Eine Heimunterbringung ist häufig mit hohen Kosten verbunden und, so Angehörige, dem Wohlbefinden von Mutter oder Vater nicht zuträglich. Nach Schätzungen wirken in deutschen Haushalten etwa 100 000 Pflegekräfte aus EU-Beitrittsländern wie Polen, Tschechien, der Slowakei. Akuter Pflegebedarf besteht laut einer Studie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung in etwa 145 000 Haushalten.

17 Vermittlungsagenturen im Test

Hilfs- und Pflegekräfte aus Osteuropa werden durch in Deutschland ansässige Agenturen gegen Gebühr vermittelt. Wir haben Service und Beratung von 17 dieser Vermittler geprüft. Kommen geeignete Kräfte ins Haus oder handeln sich Kunden Probleme ein? Unsere Tester suchten Kräfte für die Pflege einer Schlaganfallpatientin und einer Demenzkranken sowie eine Hilfskraft zur Betreuung eines alten Herrn, auch als Begleiterin bei Ausflügen. Im Test hat das Gros der Vermittler die Personalsuche zufriedenstellend gelöst.

Personalvorschläge und Angebote

Am Beginn eines Kontakts zwischen Vermittler und Kunden steht in der Regel ein Telefongespräch. Die meisten Vermittler verweisen dann zunächst auf einen Fragebogen zur Bedarfssituation auf ihrer Website. Der wirkt zwar oft umfangreich, doch nur zehn Vermittler fragten dort etwa nach, ob auch nachts Unterstützung notwendig ist, wie beim Toilettengang. Und in folgenden Telefonaten werden mitgeteilte Informationen nur wenig hinterfragt.

Insgesamt erhielten wir 98 Personalvorschläge, oft Frauen mit Pflege­erfahrung, aber selten mit entsprechender beruflicher Qualifikation – so die zur Verfügung gestellten Personalbögen. Ein entscheidendes Kriterium sind die Deutschkenntnisse. Meist werden sie angegeben, manchmal ist aber die Qualität unklar („Küchensprache“). Selten: Der Partner von ActioVita bot dem Testkunden an, die Sprachkenntnisse im direkten telefonischen Kontakt zu prüfen.

Der Kunde sollte eine Auswahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Pflege­kräften und Haushaltshilfen haben. Mindestens zwei Personalvorschläge hatten wir pro Anfrage erwartet. Nur fünf Anbieter leisteten das in allen drei Testfällen. McCare lieferte auf eine Anfrage 13 Vorschläge – viel zu viele und oft nicht „passgenau“. Negativ: Beim Vermittler a.s.i. kann der Kunde keine Auswahl treffen, a.s.i. behält sie sich selbst vor.

Nicht kundenfreundlich ist es auch, dass sieben Anbieter verlangten, der Kunde solle den Vermittlungsvertrag vor Erhalt von Personalvorschlägen unterschreiben. Erst nach energischer Nachfrage lenkten einige ein – die Vertragsunterzeichnung sollte nun erst nach Durchsicht der Perso­nal­vor­schläge erfolgen. Es gab auch einen Vermittler, der mit einer Absage des Kunden nicht klarkam: Die Deutsche Seniorenbe­treuung schickte unserem Testkunden eine wütende E-Mail, nachdem der die Vermittlung absagte und den Vertrag kündigte. Bei Fragen nach der Vermittlungsgebühr blieb übrigens manchmal unklar, ob sie einmal oder mehrmalig zu zahlen ist – bei Preisen zwischen 140 und 800 Euro keine Kleinigkeit.

Viele Indizien für Rechtsverstöße

Die Hilfs- und Pflegekräfte werden zurzeit nach den Bestimmungen des Entsenderechts nach Deutschland geschickt. Familien, die eine legale Betreuung organisieren wollen, sollten sich darauf verlassen können, dass alles gesetzeskonform abläuft. Damit eine Entsendung legal ist, sind für alle Beteiligten spezielle Regeln zu beachten. Da wir nicht das Einhalten aller Voraussetzungen prüfen konnten, haben wir kein test-Qualitätsurteil vergeben.

Einige Vermittler bemühen sich um Legalität, andere weniger. Rechtlich bedenkliche Aussagen gab es bei allen. Agiert wird häufig in einer Grauzone. Positiv ist, wenn gesagt wird, wer die Partner im Ausland sind. Negativ, was ein Anbieter bekannte: „Richtige Pflegedienste existieren im Ausland gar nicht. Das sind Vermittlungsdienste“.

Wir haben erwartet, dass Kunden die wichtigsten Informationen erhalten, damit sie sich sicher fühlen können. Oft dominierten aber Halbwahrheiten und Unwissen das Gespräch – und häufig ein laxer Umgang mit der Umsetzung des Rechts. Kein Anbieter gab systematisch richtige Antworten. Nicht einmal in jedem zweiten Kundengespräch wurde darüber informiert, dass ausländische Helfer eine Entsendebescheinigung nachweisen müssen, die zeigt, dass sie sozialversichert sind. Dass zudem deutsche Mindestarbeitsbedingungen bei angestellten Kräften einzuhalten sind und die ausländische Kraft nicht einfach rund um die Uhr im Einsatz stehen darf, darüber wurde kaum informiert.

Tipp: Informieren Sie sich, etwa im Faltblatt der Verbraucherzentralen. Erste Hilfe bietet unsere Checkliste.

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