Interview: „Die meisten sind sehr zufrieden“

Pflege zu Hause Test

Dr. Michael Isfort, Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung, zu Pflegekräften aus Osteuropa.

Wie zufrieden sind Familien mit den Hilfen aus dem Ausland?

Die meisten Pflegebedürftigen und Familien sind damit laut unserer Studie sehr zufrieden – im Sinne der Schaffung von Sicherheit und auch wegen der persönlichen Ansprache zuhause.

Gibt es Verständigungsprobleme?

Jede zweite Hilfskraft verfügt über Sprachkenntnisse, die von den Familien mit gut bis fließend eingestuft werden. Sprachkenntnisse scheinen ein wichtiges Auswahlkriterium zu sein.

Ist der legale Einsatz preiswerter Kräfte bereits eine Alternative zu klassischen Hilfsangeboten vor Ort?

Eine individuelle häusliche Versorgung wird von vielen Pflegebedürftigen gewünscht und kann durch ambulante Pflegedienste allein häufig nicht geleistet werden. Das Nutzen preiswerterer Hilfen als Ersatz für die familiäre Pflege scheint eine erfolgreiche Alternative zur vollstationären Versorgung zu sein, kann den Heimeintritt verzögern.

Um wie  viel preiswerter wird Pflege?

Das lässt sich so eindeutig nicht beantworten. Reguläre Arbeitskräfte bei Pflegediensten verdienen unterschiedlich viel. Es gibt keine pauschalen Beträge für Heimunterbringung. Die Kosten für eine vollstationäre Unterbringung sind regional unterschiedlich, abhängig von Versorgungsintensität und Zuzahlung durch die Pflegeversicherung.

Besteht ein Verdrängungswettbewerb zu ambulanten Diensten?

Ohne Sicherheit daheim müssten viele der zu Pflegenden in eine stationäre Einrichtung umziehen. Ohne ambulante Pflegedienste wäre zuhause keine medizinische Versorgung möglich. Mehr als 40 Prozent derjenigen, die eine ausländische Kraft nutzen, halten die Kombination von Pflegediensten mit Kräften aus dem Ausland für geradezu ideal. Viele Dienste sagen, sie hätten Kunden verloren, mehr sehen in einer zusätzlichen Hilfe aus dem Ausland aber eine Stabilisierung der Situation, die häus­liche Pflege erst ermöglicht.

Wird von ambulanten Diensten eine 24-Stunden-Betreuung angeboten?

Das ist eine eher ungewöhnliche Form der Versorgung. In unserer Studie hatte nur einer von vier Diensten eine 24-Stunden-Versorgung als Regelleistung. Kleinere Dienste haben keinen regulären 3-Schicht-Dienst.

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