Pflege-Auszeit: Das sind Ihre Rechte als Berufs­tätiger

Pflege zu Hause Special

„Im Mai 2014 hatte mein Mann einen schweren Herz­infarkt. Zwei­ein­halb Jahre habe ich ihn ­gepflegt, dafür meine ­Arbeits­zeit enorm­ ­reduziert. Ein ambulanter Pflege­dienst half, manchmal war er in der Tages­pflege. Heute ist er in einem Heim. Ich konnte nicht mehr. Sich das einzugestehen, ist ­unsag­bar schwer. Was mir geholfen hat? Mich nicht selbst auf­zugeben und Rat und Hilfe annehmen zu ­können.“ Brigitte März, 61, Freuden­berg, Nord­rhein-West­falen

Hier erklären wir, was Sie als Arbeitnehmer tun müssen, wenn Sie kurz­fristig oder auf Dauer einen Angehörigen pflegen müssen. Alle notwendigen Formulare und Anträge für die Auszeiten finden Sie auf der Website wege-zur-pflege.de.

Notfall

Tritt ein akuter Pflegefall ein, können Sie sich als Arbeitnehmer für bis zu zehn Tage sofort von der Arbeit frei­stellen lassen. Erkundigen Sie sich, ob Ihr Arbeit­geber Ihren Lohn weiterzahlt, das ist eine freiwil­lige Leistung. Erhalten Sie keinen Lohn für diese Zeit, können Sie von der Pflege­versicherung Ihres Angehörigen Pflege­unterstüt­zungs­geld erhalten. Es beträgt maximal 103,25 Euro pro Tag und deckt in der Regel einen Groß­teil des Lohn­ausfalls ab.
So gehts: Informieren Sie sofort Ihren Arbeit­geber. Er kann ein Attest verlangen, in dem ein Arzt bestätigt, dass Ihr Angehöriger voraus­sicht­lich pflegebedürftig ist und Ihre Hilfe benötigt. Beantragen Sie, wenn nötig, Pflege­unterstüt­zungs­geld. Legen Sie dem Antrag die ärzt­liche Bescheinigung zur prognostizierten Pflegebedürftig­keit bei.

Pflege­zeit

Darüber hinaus dürfen Sie für die Pflege naher Angehöriger bis zu sechs Monate freinehmen oder auf Teil­zeit wechseln – wenn Ihr Angehöriger mindestens Pfle­gegrad 1 hat. Der Anspruch besteht nur in Firmen mit mehr als 16 Mitarbeitern. In der Pflege­zeit wird kein Lohn gezahlt. Sie können aber ein zins­loses Darlehen beim Bundes­amt für Familie und zivilgesell­schaftliche Aufgaben (Bafza) beantragen.
So gehts: Kündigen Sie Ihrem Chef Ihre bis zu sechs­monatige Auszeit mindestens zehn Tage vorher schriftlich an. Möchten Sie nur reduzieren, informieren Sie ihn, wie Sie die Arbeits­zeit aufteilen wollen. Legen Sie eine Bescheinigung über die Pflegebedürftig­keit Ihres Angehörigen vor.

Familien­pflege­zeit

Hat das Unternehmen mehr als 25 Mitarbeiter, besteht zusätzlich die Möglich­keit, eine 24-monatige Familien­pflege­zeit zu nehmen. Sie dürfen Ihre Arbeits­zeit reduzieren – aber nicht auf weniger als 15 Wochen­stunden. Sie können für die Familien­pflege­zeit ebenfalls ein zins­loses Darlehen erhalten.
So gehts: Kündigen Sie Ihrem Arbeit­geber die Familien­pflege­zeit mindestens acht Wochen vor Beginn an.

Kombination aus Pflege­zeit und Familien­pflege­zeit

Sie können Pflege­zeit und Familien­pflege­zeit auch kombinieren. Der Über­gang muss aber nahtlos sein, die Gesamt­pflege­zeit darf nicht länger als 24 Monate dauern.
So gehts: Wollen Sie aus der Pflege­zeit in die Familien­pflege­zeit gehen, teilen Sie Ihrem Chef dies mindestens drei Monate vorher mit. Umge­kehrt gilt eine Frist von acht Wochen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 19 Nutzer finden das hilfreich.