Pflege- und Krank­heits­kosten Special

Das Finanz­amt beteiligt sich auch an den Ausgaben für Hilfs­mittel, wie zum Beispiel für einen Roll­stuhl.

Treppenlift, Heim­kosten, Pflege­dienst – braucht ein Mensch Hilfe, kostet das viel Geld. Das Finanz­amt beteiligt sich.

Durch­schnitt­lich 2 460 Euro im Monat zahlt ein Bewohner in einem Pfle­geheim in Hessen in Pfle­gestufe II. In Sachsen kosten Verpflegung, Wohnen und Pflege im Heim knapp 1 900 Euro und in Baden-Württem­berg 2 600 Euro. Übers Jahr kommen viele tausende Euro zusammen.

Einen großen Teil können Heimbe­wohner selbst oder Ehepartner und Kinder, falls sie die Kosten über­nehmen, in der Steuererklärung angeben. Gleiches gilt für Kosten einer Pflege zuhause. Die Ausgaben werden entweder auf den Euro genau als außergewöhnliche Belastungen abge­rechnet oder pauschal abge­golten.

Notwendig­keit der Kosten beweisen

Sind die Ausgaben wie bei Heimbe­wohnern besonders hoch, zählen sie zu den außergewöhnlichen Belastungen. Damit der Finanz­beamte sie anerkennt, will er Belege für die Notwendig­keit der Kosten sehen. Verordnungen über Medikamente, der Bescheid der Pflegekasse über die Pfle­gestufe oder der Schwerbehinderten­ausweis weisen den Hilfebedarf nach. Für Heim­kosten reicht ein Attest vom Haus­arzt. Im Ideal­fall stellt er es vor dem Umzug aus.

Wird ein Treppenlift einge­baut, braucht das Finanz­amt kein Attest des Amts­arztes oder des Medizi­nischen Dienstes der Kranken­versicherung mehr. Ein Schreiben des Haus­arztes genügt, hat der Bundes­finanzhof (BFH) entschieden (Az. VI R 61/12).

Alle Kosten für Krankheit und Pflege

Als außergewöhnliche Belastung geben Steuerzahler alles an, was sie wegen Krankheiten und Pflege ausgegeben haben. Leistungen aus Versicherungen wie Pflegegeld und Pfleg­etagegeld ziehen sie vorher ab (BFH, Az. VI R 8/10).

Kommt der Pflege­dienst in die Wohnung oder ins eigene Apart­ment im Wohn­stift und über­nimmt dort mehr, als die Pflegekasse bezahlt, zählt diese Extra­leistung zu den absetz­baren Kosten. Teure Arznei, die Behand­lung beim Physio­therapeuten, das neue Zahnimplantat und die Augen­operation mit dem Lasik­verfahren werden genauso anerkannt wie der Aufenthalt im Seniorenheim nach einem Knochenbruch – und sei er noch so kurz.

Service­pauschale gehört dazu

Die Ausgaben für die Unterbringung in einem Wohn­stift darf das Finanz­amt nicht einfach kürzen und pauschal abrechnen, entschied der BFH. Eine behinderte und pflegebedürftige Steuerzah­lerin hatte geklagt, weil ihr das Amt pro Tag nur 50 Euro Wohn­kosten zugestehen wollte. Die Richter stellten sich auf die Seite der Klägerin. Sämtliche Kosten, auch solche für die 24-Stunden-Grund­versorgung, seien zwangs­läufig und als außergewöhnliche Belastung abzieh­bar (Az. VI R 20/12).

Das Urteil erlaubt es Heimbe­wohnern, neben den Kosten für Wohnen und für die Verpflegung auch die Service­pauschale abzu­rechnen. Sie deckt oft kleine Hausmeister­tätig­keiten und eine haus­eigene Notrufbereitschaft ab. Die Service­pauschale muss nur im Rahmen des Üblichen liegen.

Lebt der nicht pflegebedürftige Ehepartner mit im Apart­ment, bleiben seine Kosten außen vor. Erst wenn er erkrankt und auf Hilfe angewiesen ist, kann er die zwangs­läufig anfallenden Kosten anrechnen lassen (BFH, Az. VI R 51/09).

Zumut­bare Belastung ist strittig

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Die Finanztest-Grafik zeigt, wie Sie Ihre Pflege­kosten richtig absetzen

Damit sich außergewöhnliche Lasten auf die Steuer auswirken, müssen die Kosten höher als die „zumut­bare Belastung“ sein. Diesen Eigen­anteil zieht das Finanz­amt von den Kosten ab. Er liegt zwischen 1 und 7 Prozent der Gesamt­einkünfte im Jahr. Zurzeit ist aber strittig, ob der Abzug über­haupt verfassungs­gemäß ist. Beim Bundes­finanzhof sind zwei Verfahren anhängig (Az. VI R 32/13 und VI R 33/13).

Deshalb sollte jeder seine Kosten sogar dann angeben, wenn sie sich zurzeit nicht auswirken Krankheitskosten: Ab jetzt jeden Euro angeben, Finanztest 07/2014. Entscheidet das Gericht zugunsten der Steuerzahler, muss die Finanzbehörde zu viel bezahlte Steuer wieder auszahlen.

Amt zieht Haus­halts­ersparnis ab

Bei Heimbe­wohnern, die keine eigene Wohnung haben, zieht das Finanz­amt noch die Haus­halts­ersparnis ab. Für 2013 sind das 22,58 Euro pro Tag und für 2014 dann 23,21 Euro.

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Beispiel: Der 62-jährige Klaus Koletzki ist krank und lebt seit 2012 im Heim. Er erhält Leistungen der Pflege­versicherung, doch 2 400 Euro Pflege- und 18 000 Euro Heim­kosten bezahlt er selbst. Das Finanz­amt kürzt die Kosten um die zumut­bare Belastung und 8 130 Euro Haus­halts­ersparnis.

Koletzki spart mit den 9 990 Euro außergewöhnliche Belastungen bei einem durch­schnitt­lichen Steu­ersatz von 16,32 Prozent immerhin 1 631 Euro Steuern.

Die zumut­bare Belastung von 2 280 Euro, die das Finanz­amt abge­zogen hat, kann Koletzki an anderer Stelle geltend machen. Er beantragt dafür genauso wie für die Reinigungs­kosten von 1 200 Euro im Stift die Steuerermäßigung für haus­halts­nahe Dienste. Die Behörde zieht darauf­hin 20 Prozent von 3 480 Euro, also 696 Euro, von seiner Einkommensteuer ab. Die Gesamt­ersparnis beträgt nun 2 327 Euro.

Die Hilfe im Haus

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Heimbe­wohner können Kosten für haus­halts­nahe Dienst­leistungen wie die Putz­hilfe absetzen, wenn sie im Heim ein eigenes Apart­ment haben.

Bei Allein­lebenden verhindert eine Haus­halts­hilfe oder eine Pfle­gekraft oft den Umzug ins Heim. Maximal 20 000 Euro im Jahr erkennt das Finanz­amt für haus­halts­nahe Dienst­leistungen an. Die Steuerlast sinkt dadurch um bis zu 4 000 Euro.

Ausgaben für Minijobber auf 450-Euro-Basis zählen extra und können bis höchs­tens 2 550 Euro angegeben werden. Die Steuerlast sinkt um bis zu 510 Euro.

Wahl­recht bei Behin­derung

Behinderte Menschen haben mehr Kosten als gesunde. Sie dürfen behindertenbe­dingte Ausgaben mit dem Behindertenpausch­betrag absetzen. Abge­golten werden damit wieder­kehrende Kosten, wie sie etwa bei hohem Wäschebedarf anfallen. Der Vorteil ist, dass dafür keine Einzeln­achweise nötig sind. Behinderte haben die Wahl. Sie weisen entweder alle Krank­heits­kosten nach oder sie beantragen einen Behindertenpausch­betrag und setzen zusätzlich nur besondere Ausgaben ab – zum Beispiel für eine akute Krankheit.

Eine Kombination des Pausch­betrags allein mit den haus­halts­nahen Diensten beispiels­weise einer Pfle­gekraft ist nicht möglich.

Wenn Angehörige sich kümmern

Haben die Eltern ein geringes Einkommen, sind oft die erwachsenen Kinder gefordert. Pflegen sie ihre Eltern oder nahe Angehörige mit Pfle­gestufe III persönlich und unentgeltlich, bekommen sie den Pflegepausch­betrag von 924 Euro ohne Kostenbelege.

Haben sie aber hohe Ausgaben, etwa für Fahrt­kosten zur Wohnung der Mutter, verzichten sie besser auf die Pauschale und setzen außergewöhnlichen Belastungen ab.

Zahlen Kinder ihren Eltern Unterhalt für die Unterbringung im Heim, können sie im Jahr 2013 bis zu 8 130 Euro (8 354 Euro für 2014) als Unterhalt absetzen.

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