Pflege- und Krank­heits­kosten Special

Steuerzahler, die wegen einer Erkrankung in ein Senioren­wohn­stift gezogen sind, können nicht nur die Kosten fürs Wohnen von der Steuer absetzen, sondern auch die 24-Stunden-Grund­versorgung. Finanztest sagt, welche Ausgaben wie in der Steuererklärung zählen, wenn ein Mensch eine Behin­derung hat, krank ist oder pflegebedürftig – und nennt wichtige Urteile des Bundes­finanzhofs, auf die sich Steuer­pflichtige berufen können.

Hohe Pflege­kosten minus Eigen­anteil

Hohe Pflege­kosten können das zu versteuernde Einkommen mindern, wenn sie als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Dazu zählen Ausgaben für die Pflege und Heim­kosten, aber auch Krank­heits­kosen etwa für Medikamente oder Hilfs­mittel. Die Pflege­kosten kann der Pflegebedürftige selbst von der Steuer absetzen, sie können aber auch vom Ehepartner oder den Kindern geltend gemacht werden, wenn die zu pflegende Person die Ausgaben selbst nicht tragen kann. Die Kosten müssen Steuer­pflichtige mit Einzel­belegen nach­weisen. Das Finanz­amt berück­sichtigt die nachgewiesenen Kosten allerdings nicht voll­ständig: Es zieht einen Eigen­anteil zwischen 1 und 7 Prozent der Einkünfte des Steuerzah­lers ab. Die Höhe des Anteils hängt von der Kinder­anzahl, dem Familien­stand und dem Gesamt­betrag der Einkünfte ab.

Beispiel: Bei Einkünften von 36 000 Euro im Jahr muss etwa ein Single 6 Prozent, also 2 160 Euro, selbst über­nehmen, bevor sich die Kosten bei der Steuerlast bemerk­bar machen.

Bei wieder­kehrenden Kosten

Behinderte Menschen können behin­derungs­bedingte Ausgaben mit dem Behindertenpausch­betrag absetzen. Die Pauschale richtet sich nach dem Grad der Behin­derung und liegt zwischen 310 Euro (BG 25) und 3 700 Euro (BG: hilf­los oder blind). Abge­golten werden damit wieder­kehrende Kosten, wie sie etwa bei hohem Wäschebedarf anfallen. Der Vorteil: Dafür sind keine Einzeln­achweise nötig. Behinderte können auch wählen: Sie weisen entweder alle Krank­heits­kosten nach oder sie beantragen einen Behindertenpausch­betrag und setzen zusätzlich nur besondere Ausgaben ab – zum Beispiel für eine akute Krankheit.

Ohne Nach­weis mit Pflegepausch­betrag

Pflegende Angehörige, die ihre Ausgaben nicht einzeln nach­weisen wollen, bekommen den Pflegepausch­betrag von 924 Euro. Ihnen wird keine zumut­bare Belastung wie bei den außergewöhnlichen Lasten abge­zogen. Bedingung ist, dass sie persönlich und unentgeltlich pflegen. Den Pflegepausch­betrag können Angehörige auch nutzen, wenn eine dritte Person das Pflegegeld der gesetzlichen Pflege­versicherung für die Betreuung bekommt.

Haus­halts­hilfe: 20 Prozent der Kosten

Wollen auf Hilfe oder Pflege angewiesene Menschen weiter in ihrer Wohnung wohnen, kann eine Haus­halts­hilfe die Lösung sein. Sie unterstützt bei alltäglichen Aufgaben wie Putzen, Kochen oder Einkaufen. Beschäftigt der Steuer­pflichtige eine Hilfe im Haushalt bekommt er dafür Steuer­erleichterung.
Beispiel: Bei einem Lohn von 1 370 Euro im Monat für die Haus­halts­hilfe einschließ­lich Sozial­abgabe und Unfall­versicherung kommen rund 20 800 Euro im Jahr zusammen. Das Finanz­amt zieht 20 Prozent der Kosten, maximal 4 000 Euro, von der Steuer ab. Für eine Minijobber auf 450-Euro-Basis wird die Steuerschuld nur um 510 Euro im Jahr gemindert.

Auch Lohn­neben­kosten zählen

Zu den Ausgaben für sozial­versicherte Haus­halts­hilfen zählen beispiels­weise der Brutto­arbeits­lohn, die Sozial­versicherungs­beiträge, Lohn­steuer, Solidaritäts­zuschlag, Kirchen­steuer und Unfall­versicherungs­beiträge. Ist die Haus­halts­hilfe auf 450-Euro-Basis bei der Minijobzentrale angemeldet, erhält der Steuer­pflichtige über alle Ausgaben eine Bescheinigung.

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