Das ändert sich bei Pflege­kosten- und Pflegerenten-Policen

Pflege­kosten­versicherung: Höhere Leistungen für viele

Versicherer erstatten nachgewiesene Kosten durch professionelle Pflege bis zu einer Ober­grenze oder verdoppeln das gesetzliche Pflegegeld. Je nach Tarif sind die Leistungen direkt an die gesetzliche Pflege­versicherung gekoppelt. Da diese für viele Menschen durch die Reform 2017 steigen, erhalten mehr Versicherte höhere Leistungen. Ergebnis unserer Abfrage bei Arag, DKV und Gothaer: Alle leisten auch im Pfle­gegrad 5. Unser 55-jähriger Modell­kunde zahlt dafür etwas mehr als bisher.

Arag und DKV verdoppeln weiter die gesetzliche Leistung, beide leisten auch in Grad 1. Arag begrenzt Leistungen auf tatsäch­liche Pflege­kosten.

Auch bei der Gothaer gilt diese Grenze. Ansonsten erstattet sie wie bisher die Rest­kosten – nachdem die gesetzlichen Leistungen von den Gesamt­kosten der Pflege abge­zogen wurden – bis zu ihrer Jahres­grenze.

Bei Arag und DKV sinken die Sätze wie in der gesetzlichen Pflege­versicherung in Pfle­gegrad 2 und 3 im Heim, bei der Gothaer geschieht das nicht.

Pflegerenten­versicherung: Bestehende Verträge ändern sich kaum

Aus Pflegerenten­versicherungen gibt es im Pflegefall eine Monats­rente. Ausschlag­gebend für die Einstufung war schon bisher nicht nur der gesetzliche Pflegebedürftig­keits­begriff, sondern vor allem die Einstufung nach ADL-Punkte­system (Aktivitäten des täglichen Lebens). Gemessen wird, wie viel Hilfe etwa beim Waschen, Fortbewegen oder Essen nötig ist.

Ergebnis unserer Abfrage: Allianz, Generali und Zurich berück­sichtigen ab 2017 im Neugeschäft zusätzlich den neuen Pflegebedürftig­keits­begriff. Für Bestands­kunden ändert sich dadurch aber nichts. Bei der Allianz und der Zurich haben Altkunden eine Wechsel­option in den neuen Tarif, solange sie noch nicht pflegebedürftig sind. Bei der Generali haben sie das nicht. Die Stutt­garter stellt ihr Neugeschäft vorüber­gehend ein, bis sie einen neuen Tarif hat. Die Dialog nimmt gar keine neuen Kunden in diesem Bereich mehr an. Über jede Anpassung eines bestehenden Tarifs müssen die Unternehmen ihre Versicherten informieren.

Unser Rat

  • Umstellung. Haben Sie eine Pfleg­etagegeld-, Pflege­kosten- oder Pflegerenten­police, müssen Sie wegen der Pflegereform nichts unternehmen – egal, ob Sie bereits Leistungen bekommen oder nicht. Viele Anbieter wollen ihre Tarife Anfang 2017 umstellen und an den neuen Pflegebedürftig­keits­begriff anpassen. Ihr Versicherer informiert Sie schriftlich. Beitrags- oder Leistungs­änderungen werden zu Beginn des zweiten Monats nach Erhalt wirk­sam.
  • Leistungs­garantie. Beziehen Sie bereits Leistungen aus einer Pfleg­etagegeld- oder Pflegerenten­versicherung, werden diese nicht sinken.
  • Kündigung. Sind Sie mit Ihrer Police unzufrieden oder wird sie Ihnen zu teuer, kündigen Sie nicht einfach. Die Beiträge sind weg, außer bei der Pflegerenten­versicherung. Ein neuer Vertrag ist schwerer zu bekommen.

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