Der neue Pfle­gegrad 1

Ganz neu ist Pfle­gegrad 1. Keiner der bisher Pflegebedürftigen wird in ihn überge­leitet. Er ist für Menschen gedacht, die die Pflegekassen bisher nicht als pflegebedürftig anerkannt haben, weil ihre Selbst­ständig­keit bisher wenig einge­schränkt ist, etwa durch Probleme beim Gehen und Stehen (Neue Regeln für Pflegegutachten). Solche Menschen haben jetzt einen Teil­zugang zu den Leistungen der Pflegekasse, die vor allem helfen, ihre Selbst­ständig­keit zu erhalten oder wieder­herzu­stellen. Das Bundes­gesund­heits­ministerium schätzt, dass so mittel­fristig eine halbe Million mehr Menschen erst­mals Leistungen von der Pflegekasse beziehen können.

4 000 Euro für Wohnungs­anpassung

Eine wichtige Leistung des Pfle­gegrads 1: Ein Zuschuss zur Wohnungs­anpassung in Höhe von bis zu 4 000 Euro, wie er auch in den Pfle­gegraden 2 bis 5 (derzeit Pfle­gestufe 0 bis III) gezahlt wird. Voraus­setzung: Die Anpassung ermöglicht oder erleichtert die häusliche Pflege und hilft bei einer selbst­ständigen Lebens­führung. Das können Türverbreiterungen sein, fest installierte Rampen und Treppenlifte oder auch der pflegegerechte Umbau des Bade­zimmers.

Der Zuschuss zur Wohnungs­anpassung kann auch ein zweites Mal gewährt werden, wenn die Pflegesituation sich so verändert hat, dass erneute Maßnahmen nötig werden.

Wenn mehrere Pflegebedürftige zusammen in einer gemein­samen Wohnung leben, hat jeder von ihnen Anspruch auf bis zu 4 000 Euro. Insgesamt gibt es pro Wohnung und Maßnahme aber höchs­tens 16 000 Euro.

Unterstüt­zung von Pflege-WGs

Für Pflegebedürftige mit Pfle­gegrad 1 gibt es auch – wie für alle anderen Pflegebedürftigen – bei Gründung einer ambulant betreuten Wohn­gruppe eine Anschub­finanzierung von 2 500 Euro pro Person; höchs­tens sind es 10 000 Euro pro Wohn­einheit. Bewohner solcher Pflege-WGs haben zudem einen Anspruch auf einen Wohn­gruppen­zuschlag von bis zu 214 Euro pro Monat.

Anspruch auf weitere Leistungen

Pflegebedürftige mit Pfle­gegrad 1 haben zudem Anspruch auf:

  • den Entlastungsbetrag von 125 Euro oder
  • einen Zuschuss von 125 Euro bei der voll­stationären Pflege,
  • Pflegeberatung,
  • Pfle­gehilfs­mittel im Wert von bis zu 40 Euro pro Monat und
  • Pflege­kurse für pflegende Angehörige und Freunde.

Tipp: Wenn die Pflege­versicherung Ihren Antrag auf Pfle­gestufe I zuvor abge­lehnt hatte, stellen Sie ab Januar 2017 einen neuen Antrag. Die Hürden für Pfle­gegrad 1 sind nied­riger.

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