Der wichtigste Teil der Reform tritt 2017 in Kraft. Deutlich mehr Geld gibt es für Demenz­kranke und Menschen, die zu Hause gepflegt werden.

Was lange währt, wird endlich besser. Mehr als zehn Jahre hat es gedauert, bis eine neue, angemessenere Definition davon, was „pflegebedürftig“ heißt, in die Praxis umge­setzt wird. Ab 2017 ist es so weit. Es gelten dann andere Regeln, die bestimmen, wer wie viel und welchen Anspruch auf Leistungen von der gesetzlichen Pflege­versicherung hat.

Viele stellen sich besser

Viele Pflegebedürftige bekommen durch das Pfle­gestärkungs­gesetz II ab Januar mehr Geld und Leistungen.

Wir erklären, was die Reform für Menschen bedeutet, die zu Hause oder im Heim gepflegt werden, und was es mit dem neuen Pfle­gegrad 1 auf sich hat. Auf den folgenden Seiten sagen wir, nach welchen Regeln die neue Begut­achtung der Pflegebedürftig­keit funk­tioniert. Sie sind vor allem für Menschen wichtig, die ab 2017 zum ersten Mal Leistungen oder eine Höher­stufung bei der Pflegekasse beantragen.

Die Reform hat auch Auswirkungen auf die privaten Pflege­zusatz­versicherungen. Viele Anbieter müssen ihre Vertragsbedingungen anpassen.

Bis zu 609 Euro mehr im Monat

Besonders stark werden Menschen mit einge­schränkter Alltags­kompetenz, etwa mit einer Demenz-Erkrankung, durch die Reform entlastet. Bis zu 609 Euro mehr im Monat zahlt die Pflegekasse, damit sie zu Hause besser versorgt werden können.

Das war nötig. Denn den Menschen mit Demenz wurde das alte System trotz mehrerer Verbesserungen im Laufe der Jahre nicht gerecht. Das neue Verfahren zur Begut­achtung schließt nun ab Januar 2017 neben körperlichen auch geistige und psychische Krankheiten gleich­wertig mit ein.

Besser stellen sich auch alle körperlich Beein­trächtigten in den Pfle­gestufen I und II, die noch zu Hause leben (Pflege zu Hause durch Pflegedienste). So bekommen Pflegebedürftige in Pfle­gestufe II sogar künftig mehr finanzielle Unterstüt­zung von der Kasse, wenn sie sich zu Hause von einem Pflege­dienst betreuen lassen, als wenn sie in ein Pfle­geheim ziehen.

Für körperlich beein­trächtigte Pflegebedürftige der Pfle­gestufe III bleibt das Leistungs­niveau dagegen nach der Umstellung gleich.

Heim­betreuung kann teurer werden

Nachteile bringt das neue System allerdings einigen, die bisher zu Hause wohnen, sich aber eine voll­stationäre Unterbringung im Pfle­geheim wünschen. Vor allem körperlich Beein­trächtigte der Stufe I würden sich besser stellen, wenn sie noch 2016 umziehen. Denn für Heimbe­wohner mit nied­riger Pfle­gestufe sind die Regeln im alten System güns­tiger (Vollstationäre Pflege im Heim).

Aufgrund des Bestands­schutzes gelten die Vorteile für die Bewohner dann weiterhin. Keiner, der bereits Leistungen bezieht oder sie bis Ende 2016 beantragt, soll sich schlechter stellen.

Auto­matische Über­leitung in Grade

Ab Januar 2017 werden die bisherigen Pfle­gestufen 0 bis III durch die Pfle­gegrade 1 bis 5 ersetzt. Die Pflegekassen müssen ihre Versicherten bis spätestens Mitte Dezember über ihren neuen Pfle­gegrad informieren. Ein neues Begut­achtungs­verfahren ist dafür nicht nötig. Die Kassen leiten die Pflegebedürftigen auto­matisch in das neue System über:

Menschen mit ausschließ­lich körperlichen Einschränkungen und

  • Pfle­gestufe I kommen in Pfle­gegrad 2,
  • Pfle­gestufe II kommen in Pfle­gegrad 3,
  • Pfle­gestufe III kommen in Pfle­gegrad 4,
  • Pfle­gestufe III mit Härtefall­regelung kommen in Pfle­gegrad 5.

Menschen mit geistigen oder psychischen Einschränkungen, deren Alltags­kompetenz erheblich beein­trächtigt ist, kommen in den über­nächsten Pfle­gegrad, das heißt Menschen mit

  • Pfle­gestufe 0 kommen in Pfle­gegrad 2,
  • Pfle­gestufe I kommen in Pfle­gegrad 3,
  • Pfle­gestufe II kommen in Pfle­gegrad 4,
  • Pfle­gestufe III (mit und ohne Härtefall­regelung) kommen in Pfle­gegrad 5.

Der neue Pfle­gegrad 1 spielt bei der Über­leitung keine Rolle. Er ist für Menschen gedacht, die im bisherigen Begut­achtungs­verfahren nicht berück­sichtigt wurden.

Beitrag zur Pflege­versicherung steigt

Um die künftigen Mehr­ausgaben für die Pflege zu finanzieren, hebt der Gesetz­geber ab Januar den Beitrags­satz zur Pflege­versicherung um 0,2 Prozent an; auf dann 2,55 Prozent für Pflege­versicherte mit Kindern und 2,8 Prozent für Kinder­lose.

Für einen Ruhe­ständler mit einer Rente von 1 500 Euro brutto bedeutet das 3 Euro mehr im Monat: Statt 35,25 Euro im Monat zahlt er dann 38,25 Euro, Kinder­lose zahlen statt 39 Euro im Monat 42 Euro. Bei Arbeitnehmern fällt die Erhöhung weniger ins Gewicht, da sie sich den Beitrag zur Pflege­versicherung mit dem Arbeit­geber teilen.

Bereits im Jahr 2015 erhöhte sich der Beitrag um 0,3 Prozent. Das Bundes­gesund­heits­ministerium rechnet damit, dass die Beitrags­sätze nun bis zum Jahr 2022 stabil bleiben.

Unser Rat

  • Neue Pfle­gegrade. Ab Januar 2017 ersetzen fünf Pfle­gegrade die bisherigen Pfle­gestufen 0 bis III. Für viele verbessern sich dann die Leistungen. Unternehmen müssen Sie nichts. Ihre Pflegekasse leitet Sie auto­matisch in Ihren neuen Grad über. Bis Mitte Dezember muss Ihre Kasse Sie per Bescheid über Ihren neuen Pfle­gegrad und die Leistungen, die Ihnen zustehen, informieren. Auch für privat Pflege-Pflicht­versicherte gelten die Reformen.
  • Antrag 2016. Für körperlich beein­trächtigte Menschen mit Pfle­gestufe I, die ohnehin mit dem Gedanken spielen, in einem Pfle­geheim zu leben, kann es finanziell güns­tiger sein, noch 2016 umzu­ziehen. Für sie gilt dann ein Bestands­schutz mit den für sie vorteilhafteren alten Regeln. Das Gleiche kann auch bei körperlich beein­trächtigten Heimbe­wohnern mit Pfle­gestufe I der Fall sein, wenn eine Höher­stufung ansteht. Unter Umständen ist es güns­tiger, diese noch dieses Jahr zu beantragen. Lassen Sie sich von Fachleuten beraten (siehe „Rat und Hilfe“).
  • Rat und Hilfe. Im Bescheid zur Über­leitung in die neuen Pfle­gegrade nennt Ihnen die Pflegekasse einen Ansprech­partner für Rück­fragen. Sie können sich aber auch an Pfle­gestütz­punkte und Pflegeberatungs­stellen wenden, wenn Sie umfassenden Rat und Hilfe wünschen. Ihre Pflegekasse nennt Ihnen Beratungs­angebote in Ihrer Nähe.

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