Viele Pflegebedürftige bekommen ab Januar 2017 mehr Pflegegeld und mehr Pflege­leistungen. Vor allem in der häuslichen Pflege und bei Demenz können das mehrere hundert Euro im Monat sein. Finanztest gibt einen Über­blick über die wichtigsten Neuerungen des Pfle­gestärkungs­gesetzes. Wir sagen, was es mit den Pfle­gegraden auf sich hat, wofür es künftig wie viel Geld gibt, welche neuen Regeln für Pflege­gut­achten gelten – und wie die Versicherer laufende Verträge umstellen.

Was kann ein Mensch und was braucht er?

Zentral für das Pfle­gestärkungs­gesetz ist ein erweiterter Pflegebedürftig­keits­begriff: Er definiert von Grund auf neu, wer pflegebedürftig ist und Anspruch auf Leistungen aus der sozialen Pflege­versicherung hat. Bisheriger Maßstab waren die Minuten, die eine ungelernte Pflege­person brauchte, um den Pflegebedürftigen bei Hand­lungen wie dem Aufstehen oder Anziehen zu unterstützen. Künftig orientiert sich der Gutachter dagegen daran, wie selbst­ständig ein Mensch in seinem Alltag noch ist: Kann er allein aufstehen, sich duschen und auch seinen Tag sinn­voll strukturieren? Anhand von 64 Kriterien in sechs Lebens­bereichen erfasst der Gutachter, wie viel Unterstüt­zung ein Mensch braucht.

Statt drei Pfle­gestufen gibt es nun fünf Pfle­gegrade

Vorteil der neuen Regeln: Das Gutachten schließt neben körperlichen auch psychische Beein­trächtigungen mit ein. Die alte Systematik berück­sichtigte vor allem körperliche Einschränkungen. Menschen mit einer psychischen Erkrankung wie einer Demenz erhielten meist keine oder nur eine nied­rige Pfle­gestufe. Die Stufe bestimmt bisher, wie viele Leistungen der Pflegebedürftige erhält. Ab 2017 wird es statt der bisherigen Pfle­gestufen 0 bis III die Pfle­gegrade 1 bis 5 geben. Sie spiegeln das Maß der Selbst­ständig­keit eines Menschen und bestimmen zum Beispiel, wie viel Pflegegeld oder Leistungen vom Pflege­dienst jemand bekommt.

Bis zu 609 Euro mehr Geld für die Betreuung

Die Reform entlastet vor allem Menschen mit einge­schränkter Alltags­kompetenz und ihre Angehörigen. Bis zu 609 Euro mehr zahlt die Pflegekasse zum Beispiel einem an Demenz leidenden Menschen in Pfle­gestufe I. Die Leistung steigt von 689 Euro auf 1298 Euro im Monat, wenn der Pflege­dienst Pflege und Betreuung über­nimmt.

Das bietet der Finanztest-Artikel

Unsere Tabellen zeigen für die verschiedensten Pflege-Varianten (zu Hause oder im Heim, teil- oder voll­stationär, durch Angehörige oder Pflege­dienste), wie viel Geld es bei welchem Pfle­gegrad gibt.

Wir erklären,

  • wie die Umstellung auf die neuen Pfle­gegrade funk­tioniert und wer in welchen Pfle­gegrad eingruppiert wird.
  • welche Leistungen mit dem jeweiligen Pfle­gegrad verbunden sind.
  • nach welchen neuen Regeln die Begut­achtung erfolgt und wie sich Pflegebedürftige und ihre Angehörigen am besten darauf vorbereiten können.
  • welche Auswirkungen die Pflegereform auf bestehende Pflege­zusatz­versicherungen hat und für welche Versicherten Hand­lungs­bedarf besteht.

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