Pflegegeld für Angehörige und professionelle Pflege lassen sich kombinieren. Das ist praktisch und finanziell günstig.

Pflege Special

„Immer wieder beraten Pflege­dienste oder Sozial­dienste in Krankenhäusern unzu­reichend.“ Manuela Brock­meier vom Pfle­gestütz­punkt Potsdam.

Pflegeberaterin Manuela Brock­meier räumt bei Ratsuchenden oft Miss­verständ­nisse aus: „Erst kürzlich rief ein Mann an, der seine Frau pflegt, und wissen wollte, ob sie mit dem Pflegegeld auch den Pflege­dienst bezahlen müsse.“ Der Mann hatte vom Pflege­dienst eine falsche Information bekommen. Das Paar kann in Wirk­lich­keit mehr Leistung bekommen, als das Pflegegeld von 700 Euro in Pfle­gestufe III.

Die Beraterin hilft dem Mann bei der Lösung. Nur die wenigsten ihrer Kunden wissen: Die Leistungen der Pflegekasse können miteinander kombiniert werden. So kann die pflegebedürftige Frau des Mannes neben Pflegegeld zusätzlich noch Pflege durch den Pflege­dienst erhalten. Der Dienst rechnet direkt mit der Pflegekasse ab. Kombiniert steigt der Gesamt­wert beider Leistungen auf deutlich mehr als 700 Euro in der Pfle­gestufe Stufe III.

Manuela Brock­meier arbeitet im Pfle­gestütz­punkt Potsdam, einer von vielen solcher Einrichtungen der gesetzlichen Pflegekassen und kommunalen Träger. Für sie ist das kein Einzel­fall: „Immer wieder beraten Pflege­dienste und Sozial­dienste der Krankenhäuser nicht ausreichend – oft weil sie die Bürokratie scheuen.“

Zahlen des Bundes­gesund­heits­ministeriums zeigen: Im Jahr 2010 nahmen gerade einmal 13 Prozent der Pflegebedürftigen die Kombination von Pflegegeld und Pflegesach­leistungen in Anspruch. Knapp 45 Prozent bekamen allein das Pflegegeld.

Verknüpft werden können nicht nur Pflegegeld und Sach­leistungen des Pflege­dienstes. Auch teil­stationäre Pflege­leistungen – die Betreuung in Tages- oder Nacht­pflege – können Teil einer Kombination sein.

Wie viel Pflegegeld am Ende übrig bleibt, ist abhängig von der Pfle­gestufe und davon, wie viel professionelle Pflege gewünscht ist. Das zeigen zwei Beispiele aus der Praxis.

Pflege Special

Beispiel: Zu dem Ehepaar, von dem die Beraterin erzählt hat, kommt der Pflege­dienst morgens und wäscht die Ehefrau. Dafür bezahlt die Kasse dem Dienst 350 Euro im Monat. Das entspricht knapp 23 Prozent von 1 550 Euro, der maximalen Leistung der Pflegekasse für Sach­leistungen in Stufe III. Für den Rest des Tages über­nimmt der 80-jährige Ehemann die Pflege. Dafür steht dem Paar ein anteiliges Pflegegeld in Höhe der verbleibenden 77 Prozent zu, also 539 Euro im Monat, zusammen sind das 889 Euro.

Mehr mit Tages- und Nacht­pflege

Noch vorteilhafter kann es sein, wenn die Leistungen durch den Pflege­dienst mit der teil­stationären Pflege kombiniert werden. Dann erhöht sich der Betrag für die gesamten Pflege­leistungen auf 150 Prozent.

Teil­stationäre Pflege heißen die Tages- und Nacht­pflege. Der Mensch, der Pflege braucht, schläft zum Beispiel zuhause und wird tags­über in einer Tages­pfle­geeinrichtung betreut. Er trainiert dort sein Gedächt­nis, macht Kraft- und Balanceübungen und bekommt Essen. Das Gegen­stück ist die Nacht­pflege. Die Besucher werden von Pfle­gekräften gewaschen und umge­zogen. Sie essen und schlafen hier.

Pflege Special

Beispiel: Ein Mann hat Pfle­gestufe II und besucht die Tages­pflege in seinem Stadt­viertel an 15 Tagen im Monat. Bevor der Fahr­dienst ihn abholt, kommt eine Pflegerin und hilft bei der Morgen­toilette und beim Essen. Dafür rechnet sie am Monats­ende 419 Euro ab. Das sind 38 Prozent von 1 100 Euro, der Maximal­leistung für den Pflege­dienst in Stufe II. Die Tages­pflege kostet 538 Euro – 49 Prozent von 1 100 Euro.

Beide Einrichtungen rechnen mit der Kasse ab. Danach über­weist sie dem 85-Jährigen 277 Euro Pflegegeld. Das Geld gibt er seiner Tochter, die ihm ebenfalls hilft.

Sollen Pflege­dienst und Tages­pflege mehr leisten, können in Stufe II bis zu 1 650 Euro abge­rechnet werden, 150 Prozent der maximalen Einzel­leistung von 1 100 Euro. Für Pflegegeld bleibt dann nichts mehr.

Die richtige Lösung finden

Welche Art von Hilfe sinn­voll ist, stellt sich oft erst im Pfle­geall­tag heraus. „Ich frage in meiner Beratung die Angehörigen zuerst, wie und wann sie pflegen wollen“, sagt Manuela Brock­meier. Anschließend klärt sie, wie das am besten umge­setzt werden kann.

Zwei Varianten der Abrechnung mit der Pflegekasse sind möglich, wenn verschiedene Pflege­leistungen kombiniert werden sollen. In der ersten Variante werden die Anteile der Kombination schon im Antrag zur Pfle­gestufe an die Pflegekasse fest­gelegt. Die Aufteilung gilt dann mindestens sechs Monate lang und das anteilige Pflegegeld wird am Monats­anfang über­wiesen.

Flexibler ist die zweite Möglich­keit. Der Pflegebedürftige nimmt die Leistungen von Pflege­dienst oder Tages­pflege in Anspruch, wie er sie braucht. Das anteilige Pflegegeld wird ihm dann anschließend nach der monatlichen Abrechnung der Pfle­gepro­fis von seiner Pflegekasse über­wiesen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 8 Nutzer finden das hilfreich.