Check­liste: Das sollten Sie bedenken

Eine osteuropäische Betreuungs­kraft nach Hause zu holen, ist eine große Entscheidung. Neben der Finanzierung sind weitere wichtige Fragen zu klären.

Erwartungen abste­cken

Eine osteuropäische Betreuungs­kraft kann im Alltag eine enorme Hilfe sein – in höchst vertraulicher Weise. Sie wohnt mit im Haushalt und hat meist auch mit den Angehörigen des Gepflegten viel zu tun. Teils wechseln die Helfe­rinnen häufig. Können Sie sich das vorstellen?

Wohn­situation prüfen

Können Sie der Betreuungs­kraft ein eigenes möbliertes Zimmer zur Verfügung stellen, am besten auch ein eigenes Bad? Ebenfalls wichtig: Können Sie ihr Zugang zu Telefon und Internet geben, damit sie Kontakt nach Hause halten und Heimatmedien nutzen kann.

Finanzierung klären

Laut unserem Test müssen Sie mit Kosten von etwa 1 500 bis 3 400 Euro im Monat rechnen. Hinzu kommen Ausgaben fürs Essen, da die Hilfe immer voll im Haushalt verpflegt wird. Auch An- und Abreisen können gesondert zu Buche schlagen. Ein Teil der Kosten ist steuerlich absetz­bar, bis zu 4 000 Euro im Jahr. Bei anerkannter Pflegebedürftig­keit lässt sich zudem das Pflegegeld für die Betreuungs­kraft nutzen. Es beträgt monatlich 316 bis 901 Euro. Beispiel­rechnung: Wenn jemand mit Pfle­gegrad 3 monatlich 545 Euro Pflegegeld erhält und seine Betreuungs­kraft 2 000 Euro pro Monat kostet, muss er einen Eigen­anteil von 1 455 Euro im Monat leisten. Das Pflegegeld kann anteilig sinken bis ganz entfallen, wenn professionelle Hilfen hinzukommen (siehe Punkt „Hilfen dazu­holen“).

Richtig suchen

Sie können selber Arbeitgeber werden. Doch weit mehr Suchende nutzen Vermitt­lungs­agenturen. Die nehmen Kunden viele organisatorische Dinge ab. Bei dieser Variante wechseln sich in der Regel verschiedene Betreuungs­kräfte alle paar Wochen ab. Inoffizielle Wege sollten Sie nicht wählen. Wer eine Hilfe schwarz beschäftigt, riskiert unter anderem hohe Bußgelder und Nach­zahlungen von Steuern und Sozial­abgaben.

Bedarf gut darlegen

Vermitt­lungs­agenturen ergründen die Ausgangs­situation meist mit Fragebögen und zusätzlichen Telefonaten oder Vor-Ort-Besuchen. Es spricht für eine Agentur, wenn sie das detailliert erhebt und daraus zwei bis drei Personal­vorschläge ableitet. Kunden können auch Wünsche bezüglich Alter und Geschlecht der Betreuungs­kraft äußern, wobei über­wiegend Frauen tätig sind. Ebenfalls wichtig: die Sprach­kennt­nis. Wenn die Helferin flüssig deutsch sprechen und verstehen kann, sind die monatlichen Betreuungs­kosten mitunter höher.

Aufs Auto achten

Manche Betreuungs­kräfte fahren bei ihrer Arbeit das Auto des Pflegebededürftigen, etwa um ihn zu Terminen zu bringen oder Einkäufe zu erledigen. Dann sollte seine Haft­pflicht­versicherung die Nutzung des Wagens durch Dritte, konkret die Betreuungs­kraft, abdecken. Achten Sie zudem darauf, dass das ausländische Unternehmen laut Vertrag bei grober Fahr­lässig­keit der Betreuerin haftet.

Verträge sorgfältig prüfen

Lesen Sie die Verträge vor dem Unterzeichnen gut durch. Die ausländische Firma sollte im Dienst­leistungs­vertrag unbe­dingt zusichern, dass alle geltenden recht­lichen Grund­lagen einge­halten werden. Von Vorteil ist eine Vereinbarung, nach der der Vertrag kostenfrei ruht in Zeiten, in denen die betreute Person zum Beispiel ins Kranken­haus muss.

Versicherungs­nach­weis fordern

Lassen Sie sich von Betreuungs­kräften gleich zu Anfang ihre „A1-Bescheinigung“ zeigen. Liegt sie noch nicht vor, was oft passiert, sollten Sie zumindest den Nach­weis sehen, dass sie beantragt ist. Kopieren Sie die Dokumente am besten. Sie belegen, dass die Sozial­versicherungs­beiträge im Heimatland fällig werden. Damit sind Sie im – unwahr­scheinlichen, aber nicht ausgeschlossenen – Fall, dass der deutsche Zoll eine Kontrolle macht, auf der sicheren Seite. Sie zeigen damit, dass Sie auf eine reguläre Beschäftigung der Betreuungs­kraft achten.

Hilfen dazu­holen

Um die Betreuungs­kraft zu entlasten, ihr etwa den freien Tag pro Woche zu ermöglichen, können Angehörige einspringen; auch Angebote wie soziale Dienste oder Tages­pflege lassen sich nutzen. Die Pflegekasse finanziert viele Dienste.

Tipp: Wer solche Bausteine geschickt kombiniert, kann oft eine Alternative zur Betreuungs­kraft zu Hause schaffen. Wie das am besten geht, lesen Sie in unserem Test Pflege zu Hause, test 6/2017.

Aufgaben korrekt­fest­legen

Betreuungs­kräfte machen typischer­weise klassische Haus­arbeit wie Kochen, Putzen, Einkaufen. Sie leisten ihrem Schützling zudem Gesell­schaft und kümmern sich häufig auch um allgemeine Pflege, helfen etwa beim Waschen oder Essen. „Behand­lungs­pflege“ – wie Verbände wechseln, Spritzen geben oder Arzneien zusammen­stellen – ist laut Dienst­leistungs­vertrag meist ausgeschlossen. Betrauen Sie einen Pflege­dienst mit diesen Aufgaben. Die Krankenkasse des Bedürftigen trägt die Kosten, wenn ein Arzt Behand­lungs­pflege verordnet. Achtung: Tätig­keiten wie Garten­arbeit, Fens­terputzen, Keller­entrümpeln gehören nicht zu den üblichen Leistungen von Betreuungs­kräften.

Probleme lösen

Es kann ein biss­chen dauern, bis sich der gemein­same Alltag mit einer neuen Betreuungs­kraft einspielt. Versuchen Sie Schwierig­keiten erst im direkten Gespräch zu lösen. Positiv ist, wenn Kunden sich bei Problemen an die Vermitt­lungs­agentur wenden können.

Dieser Artikel ist hilfreich. 235 Nutzer finden das hilfreich.