Pflege

Ein anderer Weg

23.05.2017
Pflege - Betreuungs­kraft aus Osteuropa – die besten Vermittler
„Morgens über­legen wir, was wir kochen“ Ursula Blei­schwitz, 92, und ihre polnische Haus­halts­hilfe Barbara, 50, kümmern sich fast immer gemein­sam ums Mittag­essen. Die beiden fanden über das Projekt CariFair der Caritas zueinander. Barbara ist fest angestellt. © A. Buck

Manche Familien stellen osteuropäische Betreuungs­kräfte selbst an: Sie sind dann der Arbeit­geber. Das ist nicht ganz einfach, gilt arbeits­recht­lich aber als saubere Lösung.

Pflege Testergebnisse für 13 Ver­mitt­lungs­agenturen 05/2017

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Die Geschichte von Ursula Blei­schwitz ist typisch und auch wieder nicht. Die 92-Jährige möchte so gern weiter in ihrem Haus bleiben, das sie seit mehr als 60 Jahren bewohnt, kommt aber nicht mehr so gut allein zurecht. Also lebt jetzt Barbara bei ihr, eine zierliche, zurück­haltende Polin. Sie ist bei Frau Blei­schwitz angestellt, die nun Chefin ist – mit allen Rechten und Pflichten.

Das ist ungewöhnlich. Betreuungs­kräfte, die offiziell in Deutsch­land arbeiten, kommen zumeist über Vermitt­lungs­agenturen. Dann tragen meist osteuropäische Firmen die Personal­ver­antwortung – und wie beschrieben, lässt sich schwer heraus­finden, wie gut sie ihre Mitarbeiter bezahlen.

Mit deutschem Mindest­lohn

Im Fall von Frau Blei­schwitz steht alles schwarz auf weiß in Gehalts­abrechnungen. Sie zahlt etwas mehr als den Mindest­lohn. Das macht mit Neben­kosten im Monat etwa 2 000 Euro brutto für Frau Blei­schwitz und 1 000 Euro netto für Barbara. Der Rest fließt nicht irgend­wohin, sondern ins deutsche Sozial­system. Barbara ist steuer­pflichtig, kranken-, pflege-, renten-, arbeits­losen- und unfall­versichert, also jedem deutschen Arbeitnehmer gleich­gestellt. 

Mehr zu regeln als mit Agentur

Der Weg mag ethisch und recht­lich der beste sein, doch er geht sich nicht leicht. „Als Privatperson Arbeit­geber zu werden, ist ein Brocken – all die Abrechnungen und Formalitäten“, so Claudia Menebrö­cker. Sie arbeitet für ein Caritas-Projekt, das Familien in einzelnen Regionen dabei unterstützt. „Uns fiel auf, dass viele osteuropäische Haus­halts­hilfen am Rand der Legalität oder unter schlechten Bedingungen arbeiten. Das wollten wir verbessern.“

Für Frau Blei­schwitz kümmern sich Mitarbeiter der Caritas Biele­feld um die Vermitt­lung, erledigen auf Wunsch Lohn­abrechnungen, schauen regel­mäßig vorbei, organisieren zusätzliche Hilfen. Wichtig: die Einsatz­pläne. Sie zeigen, wann die Helferin Pausen, freie Nach­mittage und Tage hat. „Dann schlu­cken manche Familien schon, wie viel Zeit doch allein zu gestalten oder zu über­brücken ist”, sagt Menebrö­cker. „Aber wir unterstützen sie dabei und nur so klappt es einigermaßen mit den gesetzlichen Arbeits­zeiten.“

Zudem hat die Betreuungs­kraft sechs Wochen Urlaub im Jahr und mindestens einen Monat Kündigungs­schutz. Für sie rechnet sich die Variante vor allem, wenn sie lange ins deutsche Sozial­system einzahlt. Das steigert die Höhe der Rente, die sie später aus Deutsch­land erhält.

Tipp: Mehr zum Caritas-Projekt finden Sie auf carifair.de. Die Diakonie bietet in manchen Regionen Ähnliches: vij-faircare.de. Mit weniger persönlicher Beratung, aber bundes­weit vermittelt die Arbeits­agentur Betreuungs­kräfte unter arbeitsagentur.de, Stich­wort: „Haus­halts­hilfe“; holen Sie dann auch den Rat eines Steuerberaters ein.

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