Pflanzen­versender im Test Test

Es grünt im Karton. Die Chance ist gut, dass Versandware im Garten wächst und gedeiht.

Wie gut gedeihen Sträucher und Stauden aus dem Paket? Meist wachsen sie ordentlich bis prächtig, zeigt der Test. Aber nicht alle grünen Träume gehen in Erfüllung.

Vergangenes Früh­jahr am Gartenzaun: „Jetzt ist sie durch­gedreht“, raunt der eine Nach­bar dem anderen zu und deutet auf die Straßenseite gegen­über. Dort quittiert Rentnerin Christel T. soeben beim Paketboten den Empfang einer großen Sendung. „Da sind bestimmt wieder Pflanzen drin. Gestern hab ich für sie auch schon zwei Pakete angenommen. Und auch in der letzten Woche kamen mehr­mals Lieferungen. So viele Blumen kann die Frau doch gar nicht in ihrem Garten unterbringen.“

Stimmt. Aber die Seniorin hatte auch nie geplant, die Ware selbst einzupflanzen. Sie war im Undercover-Einsatz für die Stiftung Warentest tätig. Damit die Versender nichts von unseren Test­absichten bemerkten, ließen wir das bestellte Grün an normale Verbraucher wie Christel T. liefern. Bei den Tarn­adressen blieben die Pflanzen nur für kurze Zeit. Unsere Mitarbeiter holten die Sendungen ab und trans­portierten sie schnellst­möglich zu ihrer neuen Heimat: einem fast 2 000 Quadrat­meter großen Versuchs­feld mit idealen Voraus­setzungen zum Wachsen und Gedeihen.

Acht Versender, drei Baumarkt­ketten

Inner­halb weniger Wochen kauf­ten wir rund 2 500 Pflanzen. Rechnungs­summe: mehr als 13 000 Euro. Im Test sind acht Pflanzen­versender mit breiter Produktpalette vertreten sowie – zum Vergleich – Gartencenter der Baumarkt­ketten Bauhaus, Hornbach und Obi. Eine Saison lang hegten wir die Pflanzen und beob­achteten, wie sie sich entwickeln. Das Ergebnis ist durch­wachsen: Die Qualität der frisch gekauften Ware ließ mitunter zu wünschen übrig. Doch bei optimaler Pflege auf dem Feld blühten viele Pflänz­chen auf. Allerdings nicht alle und nicht immer in der gewünschten Farbe. Am Ende lauten die test-Qualitäts­urteile acht­mal gut, zweimal befriedigend und einmal ausreichend.

Auspacken, kontrollieren, pflanzen

Pflanzen­versender im Test Test

Ausgepackt. Beim ersten Blick auf die Boden­deckerrosen von Gärtner Pötschke zeigt sich viel Kunststoff.

Unsere Garten­experten hatten alle Hände voll zu tun. Pakete auspacken, Ware kontrollieren, einpflanzen – das dauerte mitunter bis in den Abend und ins Wochen­ende hinein. Parallel zu den Bestel­lungen besuchten unsere Mitarbeiter drei Wochen lang Baumärkte. Auf jeweils drei Shopping­touren pro Anbieter und in jeweils mehreren Filialen versuchten sie, ihre Einkaufs­zettel abzu­arbeiten.

Keine Angst vorm Bestellen

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Himbeeren. Die leckeren Früchte versüßten unseren Testern die Garten­arbeit.

Im Gartencenter haben die Kunden es selbst in der Hand, halb­wegs ordentliche Gewächse nach­hause schleppen zu können. Anders beim Versand­handel. Da kauft man die „Katze im Sack“ und riskiert oben­drein Trans­port­schäden. Ist die Paketware also grund­sätzlich schlechter? Der Test gibt eine klare Antwort: Nein. Versender können gleich­wertige Qualität liefern. Allerdings schafften dies nur die Guten. Die Zier­pflanzen des Testsiegers Schlüter waren insgesamt sogar von besserer Qualität als die aus den Baumärkten.

Die grüne Ware mehrerer Versender hatte mitunter Mängel. Sie kam zum Beispiel zu klein an, zu nass oder mit zu wenig durch­wurzelten Ballen. Die häufigsten Bean­standungen protokollierte unsere Expertin bei der Eingangs­kontrolle an Pflanzen der Firma Bakker. Zum Beispiel haftete auf etlichen, vom Mohn bis zur Johannis­beere, ein Schimmelpilzbelag.

Die meisten blühen auf

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Lavendel. Ihre violetten Blüten krönten am Ende das Wachs­tum auf der Test­plantage.

Im Test beob­achteten wir auch, ob Stress beim Versenden womöglich zu Spätschäden führt. Eine Garten­saison lang kontrollierten wir das Wachs­tum. Die Versuchs­ergeb­nisse sind ermutigend und machen Lust auf die kommende Garten­saison. So entwickelten sich Erdbeeren, Dahlien und Fackel­lilien zu den Pracht­stücken der Test­fläche. Selbst die schimmeligen Johannis­beeren und die bei Anlieferung spärlich wirkenden Fackel­lilienwurzeln von Bakker wuchsen sehr gut, sodass die Pflanzen am Ende prächtig aussahen.

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Falsches Gewächs. Rot blühenden Mohn hatten wir bei Baldur geordert. Was kam, war über­raschend anders.
Geranien. Sie hegten und pflegten wir im Gewächs­haus. Die meisten blühten prächtig auf.

Einzelne Sendungen bereiteten weniger Freude. So blieben einige Lavendel- und Mohn­pflanzen auf der Strecke. Einige Baldur-Edelrosen über­lebten den Sommer nicht. Die schon anfangs faulig und schimm­lig wirkenden Himbeer­sträucher von Bakker wuchsen nicht an.

In Stroh gebettet

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Umwi­ckelt. Die Wurzeln sind von Torfge­misch umgeben, das eine Folie zusammenhält.
Nicht optimal. Noch gibts unten wenige feine Wurzeln. Aber einige oben an den Trieben.
Aufgeblüht. Die Pflanzen entwickelten sich prächtig – auch dank optimaler Pflege. Am Ende blühte „The Fairy“ schön rosa­farben. Unser Urteil: Sehr gut.

Die Anbieter verschickten ihre Pflanzen entweder als Topfware oder wurzelnackt; mitunter umhüllte auch ein Gemisch aus Erde und Torf die Wurzeln. Der Test zeigt, dass alle Varianten zum Erfolg führen können. Problematisch scheint eine Umhüllung mit vielen Kunst­stoff­folien ohne Luft­löcher. Sie erhöht das Risiko, dass wenig Luft an die Gewächse kommt und Schimmelpilze oder Fäul­nisbakterien gedeihen.

Meist war die Lebendware zweck­mäßig verpackt und kam ohne Trans­port­schäden an. Die Mitarbeiter der Pflanzen­versender haben Töpfe und Verpackungs­material in der Regel mit viel Geschick so kombiniert, dass selbst heftige Stöße sicher abge­puffert wurden. Die Baumschule Horst­mann pols­terte ihre Sendungen mit Stroh, das sich später prima zum Mulchen etwa von Erdbeeren nutzen lässt.

Der Test beweist, dass die untersuchten Pflanzen mehrere Tage im geschlossenen Paket gut über­stehen können. Anderer­seits gilt: Je geringer der Stress und je schneller sie in die Erde kommen, desto besser.

Tipp: Bestellen Sie besser an kühlen Frühlings­tagen als in der Sommer­hitze. Nied­rige Temperaturen wirken schonend beim Trans­port. Sorgen Sie dafür, dass die Paket­annahme schon beim ersten Zustell­versuch klappt. Nutzen Sie den Service einiger Versender (Ahrens+Sieberz, Baldur, Horst­mann, Pflanzmich, Gärtner Pötschke, Schlüter) und vereinbaren Sie Wunsch­termine. So haben Sie bessere Chancen, dass gelieferte Ware dann eintrifft, wenn Sie Zeit und Muße zum Einpflanzen haben.

Nur wenige Anbieter (Horst­mann, Pflanzmich, Schlüter) kulti­vieren einen Teil ihrer Ware selbst. Alle anderen ordern komplett bei Gartenbau­betrieben oder im Groß­handel. Die Pflanzen mussten also in ihrem kurzem Leben oft mehrere Trans­porte über sich ergehen lassen.

Tipp: Kontrollieren Sie den Einkauf. Falsche Sorten, abge­brochene Haupt­triebe, Schädlings­befall, Fäulnis oder auseinander­fallende Wurzelballen sind Reklamations­gründe. Machen Sie Fotos und informieren Sie den Anbieter. Die Chance ist groß, dass er zumindest auf Kulanzbasis eine Lösung sucht, um Sie als Kunden zu halten. Die oft mängelfreien allgemeinen Geschäfts­bedingungen sprechen prinzipiell für die Seriosität der Versender im Test.

Nach der Blüte ist vor der Blüte

Wenn Pflanzen nicht in voller Blütenpracht oder über­sät mit Früchten eintreffen, ist das kein Grund zur Bean­standung. Bietet ein Versender den Kunden ganz­jährig eine große Auswahl an, darf naturgemäß zum Beispiel eine Staude nach der Blüte in zurück­geschnittenem Zustand wenig prächtig daher­kommen. Da tröstet die alte Gärtner­weisheit: Nach der Blüte ist vor der Blüte.

Der Garten von Rentnerin Christel T. sieht übrigens so mustergültig aus, dass sie für sich im vergangenen Jahr keine Pflanzen im Versand­handel zu bestellen brauchte. Im Gegen­teil: Sie exportiert. Nach­barn auf der Straßenseite gegen­über durften sich über Ableger freuen.

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