Pflanzen­schutz­mittel Riskantes Gift für jedermann

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Viele Pflanzen­schutz­mittel sind giftig für die Umwelt und auch für den Menschen. Deshalb dürfen sie auch nicht an Hobby­gärtner und Gartenfreunde verkauft werden, sondern nur an professionelle Gärtner, Land­wirte und Winzer. Auf Amazon, Ebay und Co. bieten gewerb­liche und private Verkäufer die verbotene Ware jedoch oft für jeden an – ohne Hinweise und ohne Kontrollen. In Testkäufen haben wir die verbotenen Mittel auch erhalten.

Wirkungs­lose Vorschriften

Internet­shops unter­wandern immer häufiger die strengen Vorgaben des Pflanzenschutzgesetzes für die Abgabe von Profi-Pflanzen­schutz­mitteln wie Glyfos und Mospilan. So bieten Händler auf Amazon.de, Ebay.de und Alibaba.com beispiels­weise 5-Liter-Kanister des Profi-Unkraut­vernichters Glyfos mit dem hoch umstrittenen Wirk­stoff Glyphosat an. So hat die Interna­tionale Agentur für Krebs­forschung der Welt­gesund­heits­organisation (WHO) erst kürzlich Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ für den Menschen einge­stuft. Auch Klein­packungen des Profi-Insektizids Mospilan, das von Privatleuten nicht gegen die Kirsch­frucht­fliege einge­setzt werden darf, werden angepriesen. „Drei, zwei eins, meins“ heißt es im Internet, ohne den gesetzlich vorgeschriebenen Hinweis, dass nur Land­wirte oder Gärtner diese Produkte kaufen dürfen. Sogar längst gänzlich verbotene Wirk­stoffe wie DDT oder Lindan kann jedermann leicht finden und bestellen.

Chemiekeule per Post – kommt über Nacht

Mühelos und zu güns­tigen Preisen konnten Testkäufer der Stiftung Warentest Mospilan und Glyfos bestellen – an Privat­anschriften. In einem Fall kam die giftige Fracht bereits über Nacht. Die Pflanzen­schutz­ämter der Bundes­länder registrieren zwar solche Verstöße von Internethänd­lern, haben aber wegen der schieren Masse der Angebote zunehmend Probleme, sie zu verfolgen. Ausländische Shops recht­lich zu belangen, gestaltet sich für die Behörden extrem schwierig.

Mehr Kontrollen sollen helfen

Die Pflanzen­schutz­ämter haben angekündigt, die Online-Kontrollen zumindest für ordnungs­widrige Angebote aus Deutsch­land noch in diesem Jahr zu verstärken. Das wird auch nötig sein, da ab dem 27. November 2015 sogar strengere Bedingungen als bisher gelten: Verkäufer von Profi-Pflanzen­schutz­mitteln müssen dann nicht mehr nur auf den Profi-Charakter ihrer Produkte hinweisen. Sie sind ab diesem Zeit­punkt auch verpflichtet, sich von ihren Kunden einen sogenannten Sachkundenachweis zeigen zu lassen. Alle Internet­shops dahin­gehend zu über­prüfen, dürfte allerdings schwierig werden.

Umsatz von Pflanzen­schutz­mitteln steigt

Obwohl sie wegen ihrer negativen Auswirkungen auf die Umwelt umstritten sind, ist der Nettoin­lands­umsatz von Pflanzen­schutz­mitteln laut Industrie­verband Agrar 2014 erneut stark gestiegen: um 6,2 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro.

Kostenlose Informationen

Verbraucher, die ihre Pflanzen vor Schädlingen schützen wollen, können sich im Fach­handel zu legalen Mitteln und ökologischen Alternativen informieren. Viele Pflanzen­schutz­ämter bieten außerdem immer wieder auch Fortbildungsseminare für Hobby­gärtner an.

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HorstL am 18.06.2015 um 08:00 Uhr
BlaBlaBla ...

Das ist wieder mal so ein dümmliches Vorgehen ohne Mehrwert. Auf der einen Seite wird der private Verbraucher durch immer mehr überflüssige Vorschriften gegängelt, auf der anderen Seite bekommen große Firmen immer mehr Ausnahmegenehmigungen ihren (Sonder-)Müll oder Industrieabfälle irgendwo, auch zu Lasten der Umwelt, zu entsorgen. Vom großflächigen Einsatz von Düngemitteln oder sonstigen schädlichen Dingen welche auf die Felder aufgebracht werden, mal zu schweigen.

Die inzwischen – für den Privatanwender – zugelassenen Unkraut-Vernichtungsmittel sind inzwischen so wirkungslos, dass man entweder die x-fache Menge der Dosierungsanleitung verwenden muss um einen Erfolg zu erzielen – was ja auch nicht unbedingt gut ist – oder man kann es gleich sein lassen.

Hier haben die Profimittel zumindest den Vorteil, dass sie – wenn man sich auch ohne Sachkundeschulung an die Anleitung hält – zumindest so funktionieren, wie sie sollen.