Pflanzencreme Flair Schnelltest

Flair Kräuter und Knoblauch. Hersteller: Pflaum's feine Frische. Preis: 0,89 Euro (Becher), 1,19 Euro (Tube) je 100 Gramm.

Flair Kräuter und Knoblauch. Hersteller: Pflaum's feine Frische. Preis: 0,89 Euro (Becher), 1,19 Euro (Tube) je 100 Gramm.

Das sagt die Werbung zur Pflanzen­creme Flair: „Die pflanzliche Alternative zu Kräuterbutter“, „vitaminreich“ und „fettreduziert“. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) prämiert das mit goldenen Preisen 2006 und 2007. Der Schnelltest zeigt, ob Flair wirklich so toll ist.

Das ist an Flair verboten

Flair ist mit den Vitaminen A, D, E, B6, B12 und Folsäure angereichert. Die Vitamine A und D dürfen nur Margarine und Mischfetterzeugnissen in bestimmten Mengen zugesetzt werden. Die Rezeptur der Pflanzencreme entspricht aber nicht der einer Margarine, auch wenn der Hersteller sie in Klammern Dreiviertelfettmargarine nennt. Die Vitamine A und D hätte er also nicht zusetzen dürfen. Der Vitamin-D-Gehalt von 4 Mikrogramm pro 100 Gramm übersteigt sogar die zulässige Menge. Denn bei mehr als 2,5 Mikrogramm bedarf es einer Ausnahmegenehmigung, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit nicht erteilt hat. Deshalb ist Flair nicht verkehrsfähig und darf nicht verkauft werden (siehe aktueller Hinweis unten). Zudem enthielt Flair weniger Folsäure als angegeben – weit bevor das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht war. Anders als Kräuterbutter, die aus Milchfett besteht, enthält Flair je zur Hälfte Rapsöl und Palmöl/Palmkernfett. „Fettreduziert“ gegenüber Kräuterbutter ist die Pflanzencreme nicht. Sie hat genauso viel Fett, rund 62 Gramm pro 100 Gramm. Auch der Energiegehalt ist mit etwa 580 Kilokalorien gleich.

Das ist an Flair kritisch

Die Tester fanden 3-Monochlorpropandiol-Ester (3-MCPD-Ester), die bei der Raffination von Pflanzenölen entstehen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht davon aus, dass bei der Verdauung schädliches 3-MCPD frei wird. Im Tierversuch hat freies 3-MCPD zu Nierenverän­derun­gen und gutartigen Tumoren ge­führt. Deshalb wurde dafür eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) von 2 Mi­krogramm je Kilogramm Körperge­wicht abgeleitet. Wer sich eine ganze Pa­ckung Flair gönnt, schöpft diese Menge aus. Nimmt man den Schadstoff längerfristig auf und überschreitet dabei den TDI, ist eine Gefährdung der Ge­sundheit nicht auszu­schließen. Auch Glycidol-Fettsäureester, die aus raffiniertem Palmöl stammen, haben wir gefunden. Sie können bei der Verdauung Glycidol abspalten. Das BfR hat Glycidol als „wahrscheinlich krebserzeugend“ eingestuft.

So schmeckt Flair

Auch sensorisch kann Flair mit Kräuterbutter nicht mithalten. Beide Sorten riechen und schmecken deutlich nach Pflanzenfett. Bei der Kräutercreme überwiegt eine Zwiebelnote – kein Wunder bei einem Zwiebelanteil von 22 Prozent.

test-Kommentar

Die DLG-Prämierung erstaunt. Flair dürfte nicht verkauft werden. Zudem ist Flair mit Sorbinsäure konserviert und enthält Schadstoffe, die Kräutervariante dazu Geschmacksverstärker. Kräuterbutter ist nicht fetter und schmeckt besser.

[Aktueller Hinweis: 26.02.2010]

Der Inverkehrbringer und der Hersteller haben nach der Veröffentlichung dieses Schnelltests in test 08/2009 und auf test.de die erforderliche Ausnahmegenehmigung für das Herstellen und Inverkehrbringen von Pflanzencremes mit erhöhtem Zusatz von Vitamin D beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit beantragt. Die Ausnahmegenehmigung ist im Dezember 2009 erteilt worden.

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