Pferdehaft­pflicht­versicherung Test

Geht das Pferd durch und verursacht Schäden, drohen dem Besitzer Forderungen in Millionenhöhe.

Jeder Pferdehalter sollte eine Haft­pflicht­versicherung mit Grund­schutz haben. Sie kommt auch für hohe Schäden durch Flucht­tiere auf.

Etwa 1,2 Millionen Deutsche betreiben regel­mäßig Pferde­sport. Doch das Glück auf dem Rücken der Pferde kann schnell getrübt werden. Als Flucht­tiere sind Pferde schreck­haft. Ein plötzliches Geräusch kann ausreichen und das Ross galoppiert los – ohne Rück­sicht auf Verluste. Wird der Fluchtweg versperrt, treten die stolzen Tiere mit den Hufen.

Keine Versicherungs­pflicht

Für Schäden, die das Pferd verursacht, muss der Halter aufkommen. Obwohl es für Pferdehalter keine gesetzlich vorgeschriebene Versicherungs­pflicht gibt, ist eine Tierhalterhaft­pflicht­versicherung wichtig. Pferde können Sach- und Personenschäden in Millionenhöhe verursachen. Ist der Halter nicht versichert, muss er in der Regel alles selbst bezahlen – sogar wenn ihn keine direkte Schuld trifft. Er haftet grund­sätzlich auch für Schadens­fälle, bei denen ein anderer das eigene Pferd beaufsichtigt hat.

Schutz ab 91 Euro im Jahr

Pferdehaft­pflicht­versicherung Test

Meist muss der Halter haften, wenn das Pferd den Hufschmied tritt (Ober­landes­gericht Hamm, Az. 14 U 19/14).

Wir haben 94 Angebote von 51 Anbietern geprüft. Das Ergebnis: Die Jahres­beiträge variieren stark. Ab 91 Euro (GVO, Tarif Smart and easy) bis über 250 Euro kostet der Schutz im Jahr. Wir haben einige Leistungen fest­gelegt, die der Schutz enthalten sollte:

  • Deckungs­summe von 5 Millionen Euro
  • Schutz bei Verstoß gegen Halter­pflichten
  • Reitbe­teiligung und fremde Reiter (ohne Gewerbe) sind versichert
  • Flurschäden sind abge­deckt
  • Deck­schäden sind versichert
  • Schutz gilt auch für Fohlen

Pferdehalter, die diesen Grund­schutz haben möchten, können die Tarife in der Tabelle danach filtern.

Tipp: Viele Versicherer bieten Preis­nach­lässe an, wenn Sie mehrere Pferde versichern. Sie können oft auch sparen, wenn Sie einen Anbieter wählen, bei dem Sie bereits eine andere Police abge­schlossen haben.

Pferde reißen aus

Flüchtende Pferde sind eine Gefahr für den Straßenverkehr. Reißen die Vier­beiner aus und verursachen sie einen Unfall, haftet der Halter. Bei mehreren Ausreißern spielt es meist keine Rolle, welches Tier den Schaden wirk­lich verursacht.

So hafteten die Halter von fünf Ponys gemein­sam. Die Tiere gingen an einer Kreuzung durch und galoppierten auf einen Mountain­biker zu. Das Pony „Princess“ riss den Sportler um und verletzte ihn so schwer, dass er seither quer­schnitts­gelähmt ist. Der Bundes­gerichts­hof entschied: Die Versicherung von „Princess“ muss das Schmerzens­geld nicht allein bezahlen. Alle Halter sind haft­bar (Az. VI ZR 467/13).

Auch Flurschäden sollte eine Versicherung abdecken. Denn wenn Pferde ausbrechen und durch benach­barte Felder galoppieren, gefährden sie nicht nur Menschen. Die großen Tiere können auch Flurschäden an land­wirt­schaftlich genutzten Feldern oder Sträuchern und Bäumen verursachen. Beispiels­weise können sie die Saat eines Bauern so schwer beschädigen, dass er den Wert eines kompletten Ernte­ausfalls einfordert.

Deck­schäden und Schutz von Fohlen

Besonders Halter von Hengsten sollten darauf achten, dass ihre Police Deck­schäden umfasst. Denn deckt ein Hengst eine frucht­bare Stute, kann es teuer werden.

Züchter oder Pferdehalter, die ihre Stute für den professionellen Reit­sport nutzen, haben mit erheblichem Verdienst­ausfall zu rechnen, wenn die Stute trächtig wird. Für den Ausfall muss grund­sätzlich der Halter des Hengstes haften. Zusätzlich muss er eventuell für eine medizi­nische Versorgung der Stute und die Betreuung der Fohlen aufkommen. Halter von Stuten sollten wiederum darauf achten, dass Fohlen in den ersten Monaten auto­matisch unter dem Schutz der Tierhalterhaft­pflicht stehen.

Reitbe­teiligung ist versichert

Viele Reiter können sich kein eigenes Pferd leisten und suchen sich eine Reitbe­teiligung. Sie reiten das Pferd eines anderen, misten aus, bewegen und pflegen es. Der Halter profitiert davon, erhält oft sogar dafür Geld.

Beide – Halter und Reiter – sollten auf ihren Schutz achten. Richtet unter der Aufsicht der Reitbe­teiligung das Pferd einen Schaden an, ist grund­sätzlich der Halter verantwort­lich. Führt die Reitbe­teiligung das Pferd zum Beispiel zur Weide und rennt dieses davon und verursacht einen schweren Verkehrs­unfall, ist der Halter haft­bar – obwohl er nicht dabei war.

Viele Tarife decken diese Fälle ab. Der Versicherer zahlt bei Schäden, die unter Aufsicht von Reitbe­teiligungen und Fremdreitern passieren. Auch Bekannte, die das Pferd füttern, sind dann versichert.

Tipp: Wenn Sie gelegentlich ein fremdes Pferd reiten und den Schutz des Halters nicht kennen, erkundigen Sie sich bei Ihrer Privathaft­pflicht­versicherung. Oft ist das Hüten fremder Pferde inbegriffen.

Reit­unfälle vor Gericht

Pferdehaft­pflicht­versicherung Test

Wer anderen sein Pferd zum Reiten über­lässt, muss bei einem Reit­unfall in der Regel Schaden­ersatz leisten.

Die recht­liche Lage bei Reit­unfällen ist nicht immer eindeutig, daher landen diese häufig vor Gericht. Grund­sätzlich muss der Halter haften, wenn er sein Pferd einem anderen über­lässt und dieser sich bei einem Reit­unfall verletzt. Bei Reitbe­teiligungen ist jedoch oft fraglich, ob der Reiter Schaden­ersatz geltend machen kann.

Wer sich regel­mäßig ein Pferd teilt, sollte im Vorfeld klären, wer nach einem Reit­unfall haftet. Es lohnt sich, auch beim Versicherer nach­zufragen. Viele Policen decken diese Fälle ab und zahlen Schaden­ersatz und Schmerzens­geld an den Reiter.

Dieser Artikel ist hilfreich. 15 Nutzer finden das hilfreich.