Abwarten. 5 bis 10 Minu-ten sollen Kräuter­tees ziehen. Kochendes Wasser löst Aromen am besten.

Pfefferminze, Fenchel, Kamille, Kräuter­mischung – nur gut die Hälfte über­zeugt im Schad­stoff­test. Einige Funde sind kritisch.

Tee trinkt man, um den Lärm der Welt zu vergessen, formulierte ein chinesischer Gelehrter. Schön, wenn der Tee auch frei ist vom Gift der Welt. Selbst­verständlich ist das nicht. Vor drei Jahren entdeckten wir in Schwarz­tees problematische Mengen Anthrachinon. Vor zwei Jahren über­zeugten im Test von 25 grünen Tees nur fünf. Größtes Problem waren Gifte, die wegen ihres komplizierten Namens oft nur PA genannt werden: Pyrrolizidinalkaloide. Sie stammen aus mitgeernteten Wild­kräutern. Nun haben wir 64 Kräuter­tees auf Schad­stoffe untersucht – und müssen schon wieder warnen.

Ins Labor gaben wir Packungen der beliebtesten Sorten: Pfefferminze, Fenchel, Kamille und nicht aromatisierte Mischungen, alle Tees mit drei Ausnahmen in Beuteln. Die Analysen zeigen Unterschiede zwischen den Typen: 14 von 15 Fenchel­tees erzielen ein sehr gutes Schad­stoff­urteil, auch die meisten Pfefferminz­tees sind gut oder sehr gut. In Kamillen­tees und Kräuter­mischungen fanden wir häufiger nennens­werte Schad­stoff­gehalte. Einer ist sogar mangelhaft. Insgesamt schafft nur etwa jeder zweite Tee die Note gut oder sehr gut.

Haupt­ursache für schlechte Noten sind, wie bei den grünen Tees, Verunreinigungen mit PA aus Wild­kräutern (Pflanzen mit starken Giften). Die Gifte können Krebs erregen. Tests zeigten, dass sie voll­ständig ins Getränk übergehen können. Das Bundes­institut für Risiko­bewertung (BfR) bezeichnet PA als „uner­wünscht“ in Lebens­mitteln. Unsere Bewertung orientiert sich an Gehalten, die das BfR für wenig bedenk­lich hält. Befriedigend gab es, wenn ein Erwachsener Tee aus vier bis acht Beuteln am Tag trinken kann, ohne die Werte zu über­schreiten.

test warnt vor Kusmi Tea Kamille

Nicht mehr akzeptabel finden wir Tees, die bereits mit zwei Beuteln den Wert über­schreiten, der als wenig bedenk­lich gilt. Ab dann konnte ein Tee nur noch mangelhaft sein. Kusmi Tea Kamille über­schritt diese Grenze schon mit einem Beutel um das 380-Fache. Oben­drein fanden wir Rück­stände eines Herbizids – zwölffach höher als zulässig. Selbst bei diesen Gehalten ist es unwahr­scheinlich, dass sich Erwachsene oder Kinder akut vergiften. Diesen Tee regel­mäßig zu trinken, steigert allerdings das Risiko für Tumore und Leberschäden.

Europa­weiter Rück­ruf

Als wir die extrem hohen PA-Gehalte im Kusmi Tea Kamille Anfang des Jahres entdeckten, informierten wir umge­hend den deutschen Vertreiber, die Firma Orientis in Kehl, und die zuständige Lebens­mittel­über­wachung in Baden-Württem­berg. Zudem warnten wir auf test.de vor dem Genuss dieser Charge.

Darauf­hin rief Orientis alle Kusmi Tea Kamille vom europäischen Markt. Die Firma schrieb uns, nur 73 Packungen der belasteten Charge seien nach Deutsch­land gelangt. Die Lebens­mittel­über­wachung teilte mit, sie habe mithilfe einer Kunden­liste weitere Behörden in Deutsch­land, Österreich und Frank­reich informiert.

Was die Teebranche unternimmt

Seit 2013 appelliert das BfR an die Anbieter, gegen PA in Tee vorzugehen. Maximilian Wittig, Referent der Wirt­schafts­ver­einigung Kräuter- und Früchtetee, sagt: „Unsere Mitglieder haben die Gehalte durch umfang­reiche Maßnahmen stetig reduzieren können.“ Das sei heraus­fordernd: Etwa fünf kritische Wild­pflanzen reichten, dass PA in der Ernte eines Hektars nach­weisbar seien.

Wir haben die Anbieter der getesteten Tees gefragt, was sie konkret tun. Die Ostfriesische Teegesell­schaft etwa teilte für ihre Marke Meßmer mit, sie kaufe nun in Regionen ein, in denen weniger der gefähr­lichen Kräuter wachsen. Die Firma Hipp informierte uns, sie schule Feld­arbeiter. Netto Marken-Discount schrieb, er fordere von Zulieferern, dass sie Felder regel­mäßig auf verdächtige Kräuter absuchen.

Bio- und Arznei­tees reihen sich ein

Arznei- und Biotees entstehen unter aufwendigeren Bedingungen – im Test fielen sie aber weder positiv noch negativ besonders auf. Anbieter von Arznei­tees müssen umfang­reiche Rein­heits­prüfungen durch­führen. Kräuter für Biotees dürfen nicht mit synthetischen Pflanzen­schutz­mitteln gespritzt werden. Vor Wild­kräutern schützt Ökoland­bau nicht: Pukka Drei Kamille Bio enthält so viel PA, dass er nur eben noch ausreichend ist.

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