Pfandbriefe Meldung

Pfandbriefe gelten bei vielen Anlegern als langweiliges Oma-Papier. Doch die Wertpapiere bieten zurzeit mehr Zinsen als Bundesanleihen.

Manche Erfindungen überleben selbst Jahrhunderte in fast unveränderter Form, weil sie einfach gut und unnachahmlich sind. Und so könnte sich der Preußenherrscher Friedrich der Große auch heute noch über Pfandbriefe freuen. 1769 hatte er dieses Wertpapier eingeführt, um der damaligen Kreditnot des Adels zu begegnen und den Wiederaufbau des vom Krieg verwüsteten Preußens zu fördern. Private Hypothekenbanken und einige öffentlich-rechtliche Kreditinstitute beschaffen sich so noch heute Geld am Kapitalmarkt, um damit Kredite an private Bauherren und Immobilienkäufer wie auch an Vater Staat zu finanzieren.

Nach einigen wenig zufrieden stellenden Jahren für die Hypothekenbanken ist der Klassiker der Kapitalanlage inzwischen wieder in das Bewusstsein der Anleger zurückgekehrt. Das Geld am deutschen Markt der festverzinslichen Wertpapiere ist zu immerhin 40 Prozent in Pfandbriefen angelegt und nur zu 28 Prozent in Bundesanleihen. Ende 1999 steckten mehr als eine Billion Euro in Pfandbriefen.

Transparenter Markt

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Ob Pfandbrief oder Bundesanleihe besseren Ertrag abwerfen, hängt von der Rendite ab. Der Renditeunterschied, auch Spread genannt, ist zurzeit mit 0,3 Prozent bei einer Restlaufzeit von drei Jahren sehr hoch.

Die neue Attraktivität des Traditionspapiers hat im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen reicht das vorhandene Angebot an Staatspapieren zur rentierlichen Geldanlage nicht mehr aus, seitdem alle Euro-Staaten weniger Schulden machen wollen und deshalb weniger Anleihen aufnehmen.

Zum anderen ist es den Anbietern von Pfandbriefen gelungen, die Kritiker aus den vergangenen Jahren umzustimmen. Vor allem die fehlende Transparenz bei mehr als 15.000 Pfandbriefen und das jeweils kleine gehandelte Angebot hatten vorher Investoren verschreckt. Der unübersichtliche Markt ließ es deshalb in der Regel nur zu, die Papiere zu kaufen und bis zum Laufzeitende zu behalten. Ein Verkauf vor Fälligkeit, beispielsweise bei Zinsänderungen, war so gut wie unmöglich.

Fünf Jahre Jumbos

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Mit der Ausgabe des ersten Jumbo-Pfandbriefs im Mai 1995 durch die Frankfurter Hypothekenbank hat sich die Marktsituation deutlich geändert. Die Anteile der Riesen-Pfandbriefe müssen einen Gesamtwert von mindestens 500 Millionen Euro haben. Für jeden Jumbo muss es drei verantwortliche Kreditinstitute geben, so genannte Market Maker, die sich verpflichten, zu den börsenüblichen Handelszeiten An- und Verkaufskurse für die Wertpapiere anzugeben.

So können Anleger ihre Pfandbriefe jederzeit zu fairen Konditionen abstoßen und müssen nicht wie in der Vergangenheit große Unterschiede zwischen den An- und Verkaufskursen hinnehmen.

Innerhalb weniger Jahre sind nach Angaben des Verbands deutscher Hypothekenbanken Jumbos mit einem Volumen von mehr als 320 Milliarden Euro in Umlauf gebracht worden ­ eine interessante Anlagemöglichkeit auch für ausländische Großinvestoren.

Pfandbrief schlägt Bundesanleihe

Für die meisten Anleger steht beim Pfandbrief vor allem die Sicherheit in Verbindung mit einer garantierten Rendite im Vordergrund. Wer heute Pfandbriefe kaufen möchte, kann zwischen Laufzeiten von einem bis zu zehn Jahren wählen. Die durchschnittlichen Renditen bewegten sich zur Zeit zwischen 5,2 und 5,6 Prozent ­ je nach Laufzeit.

Dabei unterscheiden sich die Angebote der verschiedenen Hypothekenbanken nur geringfügig. Bei traditionellen Pfandbriefen stehen die Zinsen für die gesamte Laufzeit fest und werden zumeist jährlich ausgeschüttet.

Die meisten Inhaberpfandbriefe können an der Börse im amtlichen oder geregelten Markt gekauft werden. Doch nur ein kleiner Teil des Pfandbriefumsatzes wird dort abgewickelt. Der Verband deutscher Hypothekenbanken schätzt, dass deutlich mehr als 90 Prozent der Pfandbriefe direkt von den Banken verkauft werden.

So bieten die Hypothekenbanken oder die mit ihnen verbundenen Kreditinstitute Pfandbriefe aus dem eigenen Bestand ohne zusätzliche Gebühren an. Der Kauf wird dann im so genannten Festpreisgeschäft zu einem Nettokurs abgerechnet. Zwar verstecken die Anbieter dabei ihre Gewinne in einem höheren Verkaufskurs, doch meistens ist der Kauf direkt bei den Banken doch günstiger als der Kauf über die Börse.

Besonders attraktiv für konservative Anleger sind Pfandbriefe derzeit vor allem wegen ihres Renditevorsprungs gegenüber Bundesanleihen. Zurzeit sind speziell kurz laufende Pfandbriefe eindeutig im Vorteil. Dreijährige Pfandbriefe bieten rund 0,3 Prozent mehr Rendite als vergleichbare Bundesanleihen. Anleihespezialisten raten deshalb zum Kauf von Pfandbriefen mit kurzen Laufzeiten von zwei bis drei Jahren.

Der Renditeabstand zwischen Pfandbriefen und Bundesanleihen wird als Spread bezeichnet und in Prozent (also beispielsweise 0,5 Prozent) oder in Basispunkten (beim gleichen Beispiel also 50 Basispunkte) angegeben.

Gegen einen Kauf von Pfandbriefen mit längerer Laufzeit spricht das Risiko einer allgemeinen Zinssteigerung und die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank noch in diesem Jahr die Leitzinsen weiter erhöhen könnte. Wer heute Pfandbriefe mit einer längeren Laufzeit kauft, kassiert zwar mehr Zinsen als bei einem zweijährigen Papier, doch drohen bei steigenden Zinsen entsprechende Kursverluste. Die machen sich natürlich nur bemerkbar, wenn der Pfandbrief vor Fälligkeit verkauft wird.

Steuern sparen

Beim Kauf von Pfandbriefen müssen Anleger entscheiden, ob sie neu ausgegebene Papiere mit einem höheren Nominalzins kaufen oder lieber bereits umlaufende Papiere mit niedrigerem Zins und damit niedrigerem Kurs erwerben wollen. Denn während die Zinsen voll zu versteuern sind, geht der Fiskus bei Kursgewinnen nach Ablauf eines Jahres Spekulationsfrist leer aus.

Selbst Neuemissionen werden oft für weniger als 100 Prozent ihres Nennwerts verkauft, auch um sie steuerlich attraktiver zu machen. Doch mehr als 6 Prozent darf der Kursabschlag nicht betragen ­ sonst schlägt die Steuer zu. Bei bereits umlaufenden Papieren können die marktbedingten Kursgewinne jedoch höher liegen, ohne dass das Finanzamt zulangt.

Nicht zuletzt solche Steuerspareffekte lassen ein Traditionspapier wie den Pfandbrief wohl nicht so schnell aus der Mode kommen.

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