Pfand­briefe Special

Pfand­briefe sind solide Papiere. Durch die Finanz­krise hat ihr Ruf einen kleinen Knacks bekommen. Doch sie bleiben eine attraktive Geld­anlage.

Sexy waren Pfand­briefe nie. Aber solide. Dann kam die Finanz­krise und mit ihr die Beinahe-Pleite der zweitgrößten deutschen Pfand­brief­bank, der Hypo Real Estate. Die Kurse von Pfand­briefen brachen ein. Der Börsen­handel wurde zeit­weise einge­stellt.

Heute, knapp zwei Jahre später, läuft der Pfand­briefmarkt noch immer nicht so rund wie vor Ausbruch der Krise. Noch immer kann es schwierig sein, Pfand­briefe über die Börsen zu kaufen oder zu verkaufen. Solide sind die Papiere aber nach wie vor. Kein einziger Pfand­brief ist ausgefallen. Die Kurse der umlaufenden Papiere haben sich längst erholt, und es kommen neue, teils attraktiv verzinste Papiere auf den Markt. Für deutsche Pfand­briefe mit Rest­lauf­zeit von fünf Jahren gab es Ende Juli im Schnitt eine Rendite von 2,4 Prozent pro Jahr. Das sind 0,5 bis 0,6 Prozent­punkte mehr als für fünf­jährige Bundes­anleihen. Quer über alle Lauf­zeiten gerechnet liegt die Rendite der Pfand­briefe aber kaum höher als die für Bundes­anleihen.

Staaten, Häuser und Schiffe

Pfand­briefe sind Schuld­verschreibungen von Banken. Aber anders als normale Bank­anleihen sind Pfand­briefe mit Sicherheiten hinterlegt. Das gibt einen besonderen Schutz, falls die Bank pleite­geht. Mit einem Pfand­brief holt sich die Bank am Kapitalmarkt das Geld für die Kredite, die sie ausgibt. Dabei dienen die Kredit­forderungen als Sicherheit für den Pfand­brief. Als Sicherheiten infrage kommen nur Immobilien­kredite, Darlehen an Staaten, Länder und Gemeinden sowie Schiffs­finanzierungen. Das deutsche Pfand­briefgesetz lässt neuerdings auch Flug­zeugpfand­briefe zu, bisher sind aber noch keine ausgegeben worden.

Für jede Pfand­brief­art – Hypothekenpfand­briefe, öffent­liche Pfand­briefe und Schiffs­pfand­briefe – bildet die Bank eine eigene Deckungs­masse, in der sie die entsprechenden Kredite verwaltet. Wenn ein Kreditnehmer seine Raten nicht mehr zahlt und sein Kredit als Sicherheit wert­los wird, kann die Bank diesen gegen einen neuen Kredit austauschen.

In Sippenhaftung genommen

Pfand­briefe Special

In der Finanz­krise wurden Pfand­briefe teil­weise mit anderen Wert­papieren in einen Topf geschmissen, nur weil sie wie diese mit Immobilien­krediten abge­sichert waren. Das aber war pure Panik. Der Pfand­briefkäufer, das ist der entscheidende Unterschied zu den anderen kredit­besicherten Papieren, bekommt sein Geld von der Bank. Nicht er, sondern die Bank muss sich darum kümmern, ob der Schuldner zahlt. Und weil die Bank selbst in der Pflicht steht, vergibt sie auch nicht so leicht­fertig Kredite wie die Banken in den USA, die die Krise verursacht haben. Denen war es egal, ob ein Hauskäufer die Kredite zahlen konnte, sie haben sie ja nur weitergereicht.

In jüngster Zeit sind erneut Sorgen um die Sicherheit von Pfand­briefen laut geworden. Dieses Mal standen die öffent­lichen Pfand­briefe im Mittel­punkt, die ja mit Staats­krediten abge­sichert sind – auch mit solchen an Griechen­land oder andere hoch­verschuldete EU-Staaten.

Doch der Verband deutscher Pfand­brief­banken (vdp) gibt Entwarnung. Im Schnitt würden die Staats­anleihen der PIIGS-Länder (Portugal, Irland, Italien, Griechen­land und Spanien) 8,4 Prozent an der Deckungs­masse ausmachen, heißt es. „Gleich­zeitig sind die öffent­lichen Pfand­briefe aber alle über­sichert“, sagt Jens Tolck­mitt, der Haupt­geschäfts­führer des vdp.

Die Sicherheiten über­schreiten den Betrag der ausstehenden Pfand­briefe um 16 Prozent. Würden die Anleihen der fünf genannten Länder sämtlich nicht zurück­gezahlt – was ohnehin völlig unwahr­scheinlich ist – würde die Deckungs­masse immer noch 107,6 Prozent betragen.

Fonds einfacher als Einzel­papiere

In der Bankenkrise hat sich allerdings gezeigt, dass Pfand­briefe nicht nur nach ihren Sicherheiten beur­teilt werden sollten. Es ist ebenso wichtig, wie gut die Bank arbeitet. Seit der Verstaatlichung der Hypo Real Estate ist eine Pleite, anders als früher, nicht mehr undenk­bar. Inzwischen gehen die Rating­agenturen daher dazu über, nicht mehr nur den Pfand­brief, sondern auch die Bonität der Bank in ihre Bewertung einzubeziehen. Auch für private Anleger ist es schwerer geworden, einzelne Pfand­briefe auszuwählen. Wie gut die Sicherheiten sind, können sie nicht beur­teilen. Zudem laufen sie Gefahr, dass sie ein einmal gekauftes Papier nicht mehr loswerden, sondern es bis zur Fälligkeit behalten müssen. Wir raten deshalb zum Kauf von Fonds.

„Wir schauen uns außer der Bonität der Bank auch die Qualität der Deckungs­stöcke sowie die zugehörige Gesetz­gebung an“, sagt Torsten Strohr­mann von der Fonds­gesell­schaft DWS, die Anfang Juli 2010 einen reinen Pfand­brieffonds auf den Markt gebracht hat, den DWS Covered Bond Fund (Isin DE 000 847 653 2). Er ist einer der wenigen aktiv gemanagten Fonds auf dem deutschen Markt, die nur in Pfand­briefe investieren. Für eine Finanztest-Bewertung kommt er erst in fünf Jahren infrage, wenn er sich am Markt bewährt hat.

Für die meisten Rentenfonds Euro sind Pfand­briefe aber nur eines von mehreren Stand­beinen. Sie investieren in Staats- oder auch Unter­nehmens­anleihen. Der Fonds cominvest Rent von Allianz Global Investors (Isin LU 003 949 940 4) investiert zumindest vorwiegend in Pfand­briefe. In der Finanztest-Bewertung kommt der Fonds jedoch nur auf 38,4 von 100 möglichen Punkten.

Indexfonds als Alternative

Wer einen Fonds kaufen will, der nur in Pfand­briefe investiert, muss auf Indexfonds zurück­greifen. Indexfonds voll­ziehen die Entwick­lung eines Indexes nach. Allerdings stehen auch diese Fonds in der Finanztest-Bewertung nicht so strahlend da (siehe Tabelle). Bei Indexfonds bewerten wir genau genommen nicht den Fonds selbst, sondern den Index. Der beste ist mit 44,8 Punkten der Index iBoxx € Germany Covered, der sich aktuell aus 99 deutschen Pfand­briefen zusammensetzt. Der eb.rexx Jumbo-Pfand­briefe von ishares investiert in die 25 größten deutschen Pfand­briefe. Sie sind auch im Markt­platz abge­bildet.

Die mittel­mäßige Finanztest-Bewertung bedeutet nun aber nicht, dass Pfand­briefe generell schlechter sind als andere Anleihen. Wir bewerten die Indizes für die Pfand­briefe im Vergleich mit anderen Fonds, die in Anleihen investieren. Die Bewertungs­punkte zeigen lediglich, dass in unserem Unter­suchungs­zeitraum, den vergangenen fünf Jahren, die Pfand­briefindizes hinter dem Durch­schnitt der Fonds­gruppe liegen. Das hat auch mit den Markt­verwerfungen durch die Finanz­krise zu tun und kann sich in Zukunft wieder anders darstellen.

Echte und künst­liche Fonds

Aktuell gibt es vier Indexfonds, die sich auf Pfand­briefe beziehen und schon mindestens ein Jahr auf dem Markt sind. Die Indexfonds von iShares bilden die Wert­entwick­lung des Index ab, indem sie alle oder einen Teil der Wert­papiere kaufen, die im Index gelistet sind. Anleger wissen, was sie kaufen. Im Gegen­satz dazu bilden die beiden Fonds von Lyxor und db x-trackers die Wert­entwick­lung der Indizes künst­lich ab. Die Anleger wissen nicht, welche Wert­papiere sie tatsäch­lich kaufen. Sie müssen sich vielmehr auf das Versprechen der Fonds­gesell­schaften verlassen, ihnen die Wert­entwick­lung des Index zu zahlen. Das muss kein Nachteil sein, ist aber extrem intrans­parent.

Über die Grenzen gucken

Zwei der Indexfonds investieren auch in Pfand­briefe anderer Länder. Der iShares Markit iBoxx Euro Covered Bond hat rund 30 Prozent des Fonds­vermögens in spanische und fast 25 Prozent in französische Papiere gesteckt. Der Lyxor ETF Euro MTS Covered Bond Aggregate bildet einen Index ab, der sogar zur Hälfte aus spanischen Papieren besteht. Auch hier mögen bei dem ein oder anderen Anleger die Alarm­glocken schrillen. Schließ­lich ist Spanien seit Monaten in den Schlagzeilen, weil der Immobilienmarkt zusammen­gebrochen und die Arbeits­losig­keit immens ist. Keine guten Vorzeichen für die Rück­zahlung von Immobilien­krediten.

„Keine Panik“, sagt Torsten Strohr­mann von der DWS. „De facto sind die meisten spanischen Hypothekenpfand­briefe zu 100 Prozent über­sichert.“ Das heißt, hinter jedem Pfand­brief stecken doppelt so viele Sicherheiten. Für das vermeintlich oder tatsäch­lich höhere Risiko bekommen Anleger zumindest höhere Renditen. Die Rendite spanischer Pfand­briefe mit fünf­jähriger Rest­lauf­zeit lag Ende Juli bei rund 3,7 Prozent. Noch höher sind die Renditen für Pfand­briefe portugiesischer und irischer Banken. Für portugiesische Papiere gibt es 4,9 Prozent pro Jahr, für irische 5,2 Prozent pro Jahr. Auch Papiere von Banken dieser beiden Länder sind in den Fonds, wenn auch zu einem kleineren Anteil als die spanischen.

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