Pfandbriefe Meldung

Es gibt so viele Pfandbriefe mit unterschiedlichen Laufzeiten, dass Anleger leicht ein Papier finden, dessen Fälligkeit und Zinstermin wie maßgefertigt zu ihrem Zweck passt.

Europas wichtigstes Wertpapier ist zugleich das unbekannteste, der Pfandbrief. Dabei schlägt es sogar Staatsanleihen.

Den Startschuss feuerte einst ein gewisser Fridericus Rex ab. Preußens kriegerischer König, Friedrich II., war es nämlich, der vor mehr als 230 Jahren die hoheitliche Erlaubnis für einen ersten, durchaus militärisch motivierten Pfandbrief gab. Friedrich der Große folgte damit einer Idee seiner Ratgeber, die den durch teure Rüstungsausgaben aufgeblähten Staatshaushalt sanieren mussten. Das war schon damals schwierig. Europas Bankiers hatten nach einigen Staatsbankrotten die Lust verloren, ver­­schwenderische Monarchen in Deutsch­land, Frankreich oder Italien mit billigen Krediten zu finanzieren. Ihr Geld verliehen sie nur noch, wenn handfeste Sicherheiten vorlagen. Der preußische Pfandbrief erwies sich als ein idealer Schuldschein – bis heute.

Hinter jedem modernen Pfandbrief steckt ein Dreiecksgeschäft zwischen einer Bank, einem Kreditnehmer sowie einem Anleger: Der Erste – die Bank – nimmt über einen Pfandbrief ein verbrieftes Darlehen vom Zweiten – dem Käufer des Pfandbriefs – auf und finanziert damit wiederum den Kredit an einen Dritten.

Sicheres Pfand

Pfandbriefe Meldung

Pfandbriefe sind solide und sicher. Mit ihnen kommen Anleger nicht aus dem Tritt.

Lediglich private Hypothekenbanken sowie öffentlich-rechtliche Kreditan­stal­ten und Landesbanken dürfen diese besonderen Wertpapiere auf den Markt bringen. Sie finanzieren damit beispielsweise Darlehen an Hausbesitzer oder decken langfristige Kredite an Landesregierungen in Düsseldorf, Hamburg oder München. Je nach Nutznießer des durch einen Pfandbrief aufgenomme­nen Kapitals werden zwei Varianten unterschieden, der private Hypothekenpfandbrief und der öffentliche Pfandbrief, der früher auch Kommunalobligation oder -schuldverschreibung genannt wurde.

Für ein solches Realdarlehen muss ein realer Wert als „Pfand“ vorhanden sein. Dazu dienen bei Hypothekenpfandbriefen die Grundpfandrechte (Hypotheken) und bei öffentlichen Pfand­briefen „die allgemeine Leistungs- und Steuerkraft einer öffentlichen Körperschaft“, wie es die Deutsche Bundesbank formuliert, also die Garantie durch den Staat. Pfandbriefe sind deshalb eine besonders sichere Geldanlage. In diesem Punkt entsprechen sie den Bundesanleihen.

Zur hohen Sicherheit tragen auch spezielle rechtliche Rahmenbedingungen wie das Pfandbriefgesetz bei. So müssen beispielsweise für die aufgelegten Pfandbriefe Hypotheken oder Grundschulden von wenigstens gleicher Höhe und gleichem Zinsertrag vorhanden sein, wobei diese Sicherheiten nur mit einem Teil ihres Wertes veranschlagt werden dürfen. Damit sind alle Pfandbriefe eine felsenfeste Geldanlage – selbst wenn die ausgebende Bank oder der Kreditnehmer Pleite geht. Daran wird auch die für den Sommer geplante Novellierung des Hypothekenbankgesetzes nichts ändern.

Pfandbrief schlägt Bundesschätze

Attraktiv wird der Pfandbrief für private Sparer jedoch erst durch die Mischung aus hoher Sicherheit und ordentlicher Rendite. Pfandbriefe sind so sicher wie Sparbücher oder Bundeswertpapiere, aber sie werfen mehr Zinsen ab. Kreditinstitute zahlen auf ein Sparbuch bestenfalls 3 Prozent Zinsen, und der Staat berappt für seine neu aufgelegten Bundeswertpapiere 3,8 Prozent.

Für neue öffentliche Pfandbriefe gibt es dagegen durchschnittlich 4,1 Prozent und für Hypothekenpfandbriefe sogar 4,2 Prozent an Zinsen, ermittelte die Bundesbank. Ältere Pfandbriefe – aus Zeiten mit allgemein höheren Zinssätzen – schneiden mit einer Umlaufrendite ab, die noch einen halben Prozentpunkt höher als bei jüngeren Pfandbriefen liegen kann.

Auch im langfristigen Vergleich liegt der Pfandbrief meistens vor den Bundeswertpapieren. Üblicherweise werden für Pfandbriefe 0,1 bis 0,4 Prozentpunkte höhere Zinsen gezahlt als für Bundesschätze. In der Regel sind die Zinsen für die gesamte Laufzeit garantiert. Nur vereinzelt werden Pfandbriefe mit variabler Verzinsung angeboten.

Euro-Renner

Mittlerweile ist der Pfandbrief längst seinen königlichen Kinderschuhen entwachsen. Manche Pfandbriefe erreichen ein Volumen von zwei Milliarden Euro und mehr. „Das klassische Refinanzierungsinstrument der Hypothekenbanken ist das größte Segment des deutschen Rentenmarkts geworden“, freut sich ein Sprecher des Verbands deutscher Hypothekenbanken in Berlin.

Riesiger Markt

Unterm Strich ist der deutsche Pfandbriefmarkt der größte Markt für Anleihen in Europa und damit wichtiger als der Markt für deutsche oder französische Staatspapiere.

König Friedrichs Pfandbrief ist heute keine rein deutsche Spezialität mehr. Zwar entfallen immer noch drei Viertel des internationalen Markts auf deutsche Papiere, aber seit Ende der neunziger Jahre ziehen viele Länder nach. Als „Lettres de gage“ oder „Cédulas hipotecarias“ werden auch in Luxemburg, Spanien und einem halben Dutzend anderer Staaten Milliardenumsätze mit pfandbriefähnlichen Bankschuldverschreibungen – so der Fachbegriff – gemacht.

Mit einem Marktvolumen von über 1 500 Milliarden Euro bilden Pfandbriefe und verwandte Produkte ein riesiges Reservoir für professionelle Investoren und private Anleger.

Unter Finanzprofis sind Pfandbriefe beliebt. Im privaten Geldgeschäft gehören sie trotz ihres gigantischen Erfolgs noch immer zu den großen Unbekannten. Dazu trägt sicherlich auch ihr altmodischer Name bei.

Alte Privilegien

Die Ausgabe von Pfandbriefen ist streng reglementiert. Weniger als 50 der 2 500 Kreditinstitute in der Bundesrepublik dürfen Pfandbriefe herausgeben. Dazu zählen Landesbanken wie die Bayerische oder Westdeutsche, öffentliche Spezialinstitute wie die Deutsche Siedlungs- und Landesrentenbank (DSL) und weniger als zwei Dutzend private Hypothekenbanken.

Seit der Jahrhundertwende sind Hypothekenbanken und Universalbanken voneinander getrennt. Nur drei „gemischte“ Hypothekenbanken dürfen gleichzeitig auch gewöhnliche Geschäftsfelder beackern. Neben der Hypovereinsbank und ihrer HVB Real Estate ist dies die Deutsche Hypothekenbank Frankfurt-Hamburg AG, die in der neuen „Eurohypo“ aufgehen wird, in die alle Frankfurter Großbanken ihre Pfandbrief-Töchter zusammenführen wollen.

Jumbo im Kommen

Fast so alt wie der Pfandbrief ist die Kritik an seiner mangelhaften Transparenz. Über fünfzehntausend Produkte mit Minivolumina von ein paar Millionen Mark gab es an den Börsen. Dieses unübersichtliche Angebot begann sich erst im Mai 1995 aufzuklären, als die Frankfurter Hypothekenbank den ersten Riesenpfandbrief auf den Markt brachte.

Für „Jumbos“ gelten dieselben Regeln wie für die Kleinen, aber sie müssen mindestens 500 Millionen Euro auf die Waage bringen. Inzwischen haben Jumbos einen Marktanteil von über einem Drittel. Dank ihrer Größe werden sie stärker gehandelt als die Kleinen .

Mancher Jumbo-Pfandbrief ist allerdings nur für institutionelle Investoren wie Versicherer oder Fondsgesellschaften geeignet, weil er nur in so großen Stücken verkauft wird, dass ein Privatanleger sich keines leisten kann. Andere sind freilich so klein gestückelt, dass sie auch für Privatkunden interessant sein können.

Private Pfandbriefkäufer werden hauptsächlich auf einen soliden Zin­s­ertrag hoffen. Der Käufer eines Pfandbriefs erhält – meist jährlich, selten halbjährlich – fest vereinbarte Zinsen. Nach einer ebenfalls vor der Ausgabe festgelegten Zeit wird der Pfandbrief zum vollen Nennwert wieder eingelöst.

Die Laufzeit liegt in der ­Regel zwischen einem Jahr und zehn Jahren. Während die Unterschiede zwischen Pfandbriefen mit gleicher Laufzeit minimal sind, steigt der ausgelobte Zinssatz üb­licherweise mit wachsender Laufzeit.

Auf Gebühren achten

Der Zinsvorsprung der Pfand­briefe gegenüber Bundeswertpapieren geht teilweise durch höhere Gebühren und Spe­sen wieder verloren. Während Bundespapiere über die Bundesschuldenverwaltung kostenlos gekauft und verwahrt werden können, fallen bei Pfandbriefen die auch bei anderen festverzinslichen Wertpapieren üblichen Kosten an.

Zu den Vorteilen des Pfandbriefs zählt neben der Sicherheit und einer ordentlichen Rendite auch seine Flexibilität. Benötigt ein Sparer vor Ablauf der Frist Geld, so kann er den Pfandbrief entweder bei seiner Bank beleihen lassen oder er kann ihn an der Börse verkaufen – dies allerdings zum Tageswert, der sowohl über als unter dem Nennwert liegen kann.

Spekulieren mit Pfandbriefen

Der Anleger kann mit Pfandbriefen auch auf die allgemeine Zinsentwicklung spekulieren, denn von ihr hängt der Tageswert von Pfandbriefen ab. Ein solcher Spekulationsgewinn kann steuerlich günstiger sein als Zinseinnahmen. Darum werden selbst Neuemissionen oft für weniger als 100 Prozent ihres Nennwerts verkauft – so sind sie steuerlich attraktiver.

Der grundsolide Zinskick bietet keinen vollständigen Ersatz für renditeträchtigere Anlageformen. Mit seiner geradezu königlichen Sicherheit und seiner unkomplizierten Flexibilität können jedoch die alten Pfandbriefe jedes moderne Portefeuille bereichern.

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